Infektiöse Prionen in Rehen und Elchen nachgewiesen

Übertragung erfolgt wahrscheinlich nur von Tier zu Tier


Wissenschafter der University of Kentucky haben jetzt infektiöse Prionen, die bei nordamerikanischen Rehen und Elchen die so genannte Chronic Wasting Disease (chronisch zehrende Erkrankung) verursachen, in den Teilen der Tiere nachgewiesen, die vom Menschen gegessen werden. Bei CWD handelt es sich um eine Erkrankung, die zu einer BSE ähnlichen Infektionsform führt. Derzeit ist nicht bekannt, ob diese Krankheit auch auf den Menschen übertragen werden kann. Die Chronic Wasting Disease wurde erstmals in den Siebzigerjahren in Colorado nachgewiesen. Derzeit sind zwei Gebiete in Kanada sowie 12 amerikanische Bundesstaaten betroffen. Laut dem leitenden Wissenschafter Glenn Telling wird diese Krankheit direkt von einem Tier auf das andere übertragen. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem Fachmagazin Science veröffentlicht.

Derzeit gibt es Befürchtungen, dass die entsprechenden Prionen im Gewebe der Tiere so weit verbreitet sein könnten wie Scrapie bei Schafen. Bisher sind Versuche, die entscheidenden Prionen im Muskelgewebe infizierter Tiere über Antikörper nachzuweisen gescheitert. Bei transgenen Mäusen wurde jetzt nachgewiesen, dass sich diese Prionen im Muskelgewebe von infizierten Rehen befinden können. Die Wissenschafter ersetzten das Gen für die normale Version des Prionenproteins durch das normale Gen der Rehe. In der Folge produzierten die Mäuse das normale, gesunde Rotwildprotein. In die Gehirne der Mäuse wurden dann Gewebe infizierter Rehe injiziert. Zwölf bis 18 Monate später erkrankten die Mäuse an einer Enzephalopathie.

Die Erkrankung wurde von den Gehirnen und dem Oberschenkelmuskel der Rehe verursacht. Beim Muskelfleisch brauchte es etwas länger bis sich das Krankheitsbild entwickelte. Damit war nachgewiesen, dass es über eine geringere Menge an Prionen verfügte. Laut Telling wisse man nicht, dass die Krankheit in freier Wildbahn durch den Verzehr von infiziertem Fleisch weitergegeben werde. Man müsse jetzt überprüfen, wo sich die Prionen sonst noch befinden könnten. Derzeit werden mit Hilfe transgener Mäuse der Speichel und auch Exkremente untersucht. Der Wissenschafter erklärte gegenüber New Scientist, dass aufgrund der Tests an bereits erkrankten Tieren nicht klar sei, wie die Verbreitung der Prionen während der Inkubationszeit verlaufe. Jäger wurden bereits davor gewarnt, offensichtlich kranke Tiere zu töten oder von ihrem Fleisch zu essen. Ein Tier, das keine Krankheitssymptome zeigt, könnte trotzdem bereits abnorme Prionen in sich tragen. Es ist derzeit nicht bekannt, ob es durch den Verzehr von infiziertem Fleisch wie bei BSE zu einer Enzephalopathie kommen kann.

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Michaela Monschein pressetext.austria

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