Ambrosia artemisiifolia: Diese Pflanze ist kein Geschenk der Götter

Die fingerförmigen Blütenstände haben unscheinbare gelbe Blütenköpfchen. Foto: Christian Bohren, RAC Changins/Schweiz

Deutsch-schweizerische Arbeitsgruppe sammelt Daten zu invasiver Art und will Bevölkerung sensibilisieren

Ambrosia, die Speise der griechischen Götter, soll ihnen ihre Unsterblichkeit verliehen haben. Solch positive Wirkung löst Ambrosia artemisiifolia, das Beifußblättrige Traubenkraut, leider nicht aus. Die stark allergene Pflanze, die aus Nordamerika stammt, hat sich bereits in mehreren europäischen Ländern (Frankreich, Italien, Ungarn) massiv ausgebreitet. Kürzlich haben auf Einladung der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) Mediziner, Pollenfachleute, Botaniker, Naturschützer und Vertreter der Pflanzenschutzdienste darüber beraten, wie sich die weitere Ausbreitung der Pflanze besonders in Deutschland verhindern lässt. Es zeigte sich, dass bisher kein umfassendes Datenmaterial zum Vorkommen der Pflanze existiert. Um dies zu ändern, wurde auf dem Workshop in Braunschweig eine interdisziplinäre deutsch-schweizerische Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. „Außerdem möchten wir die Bevölkerung für das Thema sensibilisieren“, sagt Dr. Gritta Schrader von der BBA.

„Die Gefahr, die von Ambrosia ausgeht, liegt besonders in dem hohen allergenen Potenzial ihrer Pollen“, erklärt die Wissenschaftlerin, die in der Abteilung für nationale und internationale Angelegenheiten der Pflanzengesundheit der BBA arbeitet. Die Pollen können allergische Reaktionen der Augen und Atemwege auslösen und zu Asthma führen. Da Ambrosia erst im August und September blüht, stellt sie eine zusätzliche Belastung für Pollenallergiker dar, da die Pollensaison verlängert wird. „Experten berichten, dass die Allergierate in den italienischen Verbreitungsgebieten um 60 % gestiegen ist“, so Schrader. Auch Schadwirkungen für die Landwirtschaft seien zu befürchten.

Die Pflanze wächst vorzugsweise auf gestörten offenen Böden, z.B. an Straßenrändern, in Neubaugebieten oder auf Schutthalden. In privaten Gärten findet man sie vor allem unter Vogelfutterplätzen, denn Vogelfutter kann mit Ambrosia-Samen verunreinigt sein. Durch die hohe Anzahl Samen (ca. 3.000, z. T. sogar bis zu 60.000 pro Pflanze) breitet sich Ambrosia leicht aus. Die Samen der einjährigen krautigen Pflanze aus der Familie der Korbblütler bleiben im Boden bis zu 40 Jahre keimfähig.

„Es ist zu befürchten, dass sie auch bei uns zum Problem wird“, sagt Gritta Schrader. Deswegen bitten die Wissenschaftler die Bevölkerung um Hilfe. „Wer die Pflanzen in seinem Garten findet, sollte sie bekämpfen.“ Am besten reißt man sie vor der Blüte aus – immer mit Handschuhen, da sonst Hautirritationen ausgelöst werden könnten. Während der Blütezeit sollte man sich mit einer Staubmaske vor den Pollen schützen, denn der wiederholte Kontakt kann Allergien hervorrufen. „Menschen, die bereits unter Allergien leiden, sollten diese Arbeit nicht selbst durchführen“, rät die BBA-Wissenschaftlerin.

Wie erkennen Sie das Beifußblättrige Traubenkraut:

Ambrosia wird zwischen 30 bis 150 cm hoch. Im Unterschied zum Gemeinen Beifuß sind ihre Stängel leicht behaart, die Blütenstände gedrungener und die Wuchsform kugelig. Die einjährige Pflanze blüht von Juni bis Oktober mit fingerförmigen, grüngelblichen Blütenständen, die sehr kleine, unscheinbare gelbe Blütenköpfchen tragen und bis zu einer Milliarde Pollen pro Pflanze (!) produzieren.

Bildmaterial findet sich auf den Internetseiten der Biologischen Bundesanstalt unter Presse auf www.bba.de oder auf den Seiten des Schweizer „Service de malherbologie Agroscope RAC Changins“ unter www.racchangins.ch. In Kürze erscheint ein neues Faltblatt der BBA zu invasiven Arten.

Kontakt:
Dr. Gritta Schrader
Abteilung für nationale und internationale Angelegenheiten der Pflanzengesundheit der BBA
Messeweg 11-12, 38104 Braunschweig
Tel.: 0531 / 299-3375
E-Mail: g.schrader@bba.de

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Stefanie Hahn idw

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