Gute Nachrichten für die Leber

Leibniz-Nachwuchspreis 2005 geht an Hamburger Biologin – Anneke Funk fand als erste heraus, wie Hepatitis-B-Viren in Leberzellen eindringen – Hans Will: „sehr gute Basis für eine neue Art von antiviralen Medikamenten“


Dr. Anneke Funk (27) ist die Leibniz-Nachwuchspreisträgerin 2005. Die Hamburger Biologin nahm die mit 3.000 Euro dotierte Auszeichnung auf der Jahrestagung der Leibniz-Gemeinschaft am 24.11.2005 in Bonn entgegen. Der Leibniz-Nachwuchspreis würdigt seit 1997 jedes Jahr eine herausragende Doktorarbeit aus einem Leibniz-Institut.

Funk hat herausgefunden, wie die ersten Stunden einer Hepatitis-B-Infektion ablaufen und das Virus in die Leberzellen eindringt, um sich zu vermehren. Die Leberentzündung, die durch das Hepatitis B-Virus verursacht wird, ist eine weltweite Plage. Rund zwei Milliarden Menschen, ein Drittel der Weltbevölkerung, hat nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation schon einmal eine Infektion mit dem Virus durchgemacht und bei 300 bis 400 Millionen Menschen hat das Virus eine chronische Leberentzündung hervorgerufen. Gegen Hepatitis B gibt es zwar eine sehr wirksame Impfung. Dennoch stirbt pro Jahr eine Million Menschen an den Folgen der Entzündung, zu denen Schrumpfleber und Leberkrebs gehören.

Überrascht hat die Fachleute an Funks Ergebnissen beispielsweise, dass die Viren binnen drei Stunden in die Wirtszellen eindringen, dann aber etwa 15 Stunden benötigen, um bis zum Zellkern vorzudringen. Viren sind die einfachsten Lebewesen überhaupt. Sie haben keinen eigenen Stoffwechsel und benötigen zur Vermehrung eine Wirtszelle. Funks Experimente legen erstmals nahe, dass die Viren sich nicht am Stützkorsett der Zelle in Richtung Zellkern entlang hangeln, dem so genannten Aktinskelett. Stattdessen zeigte sich, dass die Viren während der ersten vier Stunden nach dem Eindringen in die Zelle die so genannten Mikrotubuli benutzen. Entlang dieser kleinen Röhren wandern in der Zelle Enzyme und andere Stoffe. Funk hat in einigen cleveren Experimenten ausprobiert, was passiert, wenn die Mikrotubuli in der kritischen Zeitspanne lahm gelegt werden. Überraschendes Ergebnis: Das erstickt die Infektion zuverlässig. Selbst wenn die Röhrchen nach einigen Stunden wieder aktiviert werden, dringen die Viren dennoch nicht mehr bis zum Zellkern vor und die Müllabfuhr der Zelle kann sich ihrer entledigen.

Funk schrieb ihre Doktorarbeit zwischen 2002 und 2004 am Heinrich-Pette-Institut für experimentelle Immunologie und Virologie (HPI) in Hamburg, einem der 84 Leibniz-Institute. Der Fachbereich Biologie der Technischen Universität Darmstadt verlieh der Arbeit „Identifizierung und funktionelle Modulation essentieller zellulärer Komponenten für die Propagation von Hepatitis-B-Viren“ das Gesamtprädikat „mit Auszeichnung“. Funk habe „das Talent, die Energie, die Kreativität sowie die intellektuellen Fähigkeiten für eine sehr erfolgreiche wissenschaftliche Karriere“, urteilt HPI-Abteilungsleiter Prof. Hans Will über die junge Biologin.

Funk hat ihre Ergebnisse an Entenleberzellen gewonnen. Dennoch ist sich Will sicher, dass die neuen Erkenntnisse eine „rationale und sehr gute Basis für die Entwicklung einer neuen Art von antiviralen Medikamenten für Prävention und Therapie der chronischen Hepatitis B“ bilden.

Rückfragen und weitere Informationen:
Frank Stäudner
Tel. 0174 / 318 90 36
Email: staudner@wgl.de

Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören das HPI und 83 weitere außeruniversitäre Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten interdisziplinär und verbinden Grundlagenforschung mit Anwendungsnähe. Sie pflegen intensive Kooperationen mit Hochschulen, Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Das externe Begutachtungsverfahren der Leibniz-Gemeinschaft setzt Maßstäbe. Jedes Leibniz-Institut hat eine Aufgabe von gesamtstaatlicher Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 13.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und haben einen Gesamtetat von über 1 Milliarde Euro

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Dr. Frank Stäudner idw

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