Neues Mikroskop bringt Infektionsforscher voran

Menschliche Zellen, die von Pilzen und Bakterien befallen sind. Mit verschiedenfarbigen fluoreszenzmarkierten Sonden und mit einem Confokalen Laser-Scanning-Mikroskop lassen sich die einzelnen Strukturen identifizieren und lokalisieren. Bild: Merkert


Die Forscher des Instituts für Molekulare Infektionsbiologie der Universität Würzburg interessieren sich vor allem für immunologische Fragestellungen sowie für die Wechselwirkungen zwischen Krankheitserregern und ihren Wirtszellen. Diese Vorgänge können sie nun auch mit einem Confokalen Laser-Scanning-Mikroskop studieren: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat ihnen ein solches Gerät bewilligt.

Die Confokale Laser-Scanning-Mikroskopie hat sich dem Institutschef Prof. Dr. Jörg Hacker zufolge in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Instrument in den Biowissenschaften entwickelt: Mit ihr können Zellstrukturen in ihrer räumlichen Anordnung dargestellt werden, mit ihr lassen sich Prozesse erforschen, die zwischen oder in den Zellen ablaufen.

Die Würzburger Infektionsbiologen untersuchen zum Beispiel bakterielle Erreger, zu denen unter anderem die Auslöser von Darm- und Harnwegsinfektionen sowie von Meningitis gehören. Fragen zur Anheftung und Aufnahme in die Wirtszellen sollen vor allem an lebenden Objekten gelöst werden. Mit Hilfe fluoreszenzmarkierter Sonden werden zudem auf dem Sektor der Umweltökologie Studien vertieft, welche die Identifizierung und Lokalisierung von Bakterien in Umweltproben ermöglichen.

Von klinischer Bedeutung ist auch die Untersuchung von Staphylokokken, die zu den Verursachern von Krankenhausinfektionen gehören: Sie besiedeln die Oberflächen von Herzklappen, Kathetern und Prothesen und überziehen diese als dünne Schicht, die Biofilm genannt wird. Mit Hilfe des neuen Mikroskops wollen die Würzburger Forscher auch die Entstehung und Dynamik solcher Biofilme verfolgen.

Pilzinfektionen haben in den vergangenen Jahren ebenfalls an Bedeutung gewonnen. Betroffen sind vor allem immungeschwächte Menschen. Vor diesem Hintergrund werden in dem Infektionsbiologischen Institut am Röntgenring die krankheitsverursachenden und resistent machenden Faktoren des Hefepilzes Candida albicans untersucht.

Ein weiterer Schwerpunkt: die Wechselwirkung von Parasiten mit ihren Wirtszellen. Für den Ablauf solcher Infektionen ist vor allem die Immunantwort entscheidend. Die Kenntnis dieser Vorgänge ist für die Entwicklung von Immuntherapeutika sowie für die Entwicklung neuer Impfstoffe wichtig.

Das Confokale Laser-Scanning-Mikroskop ergänzt nun die Untersuchungen mittels elektronenoptischer und herkömmlicher Lichtmikroskopie. „Besonders die Kombination mit Videodokumentationsverfahren ermöglicht Studien zur Dynamik der Interaktionen am lebenden Objekt“, so Prof. Hacker. Mit der Anschaffung des Mikroskops seien zudem optimale Voraussetzungen gegeben, um Kooperationen mit Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland weiterzuführen oder auch neu zu beginnen.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Jörg Hacker, T (0931) 31-2575, Fax (0931) 31-2578, E-Mail:
j.hacker@mail.uni-wuerzburg.de

Media Contact

Robert Emmerich idw

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie

Der innovations-report bietet im Bereich der "Life Sciences" Berichte und Artikel über Anwendungen und wissenschaftliche Erkenntnisse der modernen Biologie, der Chemie und der Humanmedizin.

Unter anderem finden Sie Wissenswertes aus den Teilbereichen: Bakteriologie, Biochemie, Bionik, Bioinformatik, Biophysik, Biotechnologie, Genetik, Geobotanik, Humanbiologie, Meeresbiologie, Mikrobiologie, Molekularbiologie, Zellbiologie, Zoologie, Bioanorganische Chemie, Mikrochemie und Umweltchemie.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Defekte in Halbleitern auf Atomebene aufspüren

Neuer Messaufbau Leipziger Forschender steht ab 2023 zur Verfügung. Moderne Solarzellen arbeiten mit Dünnschichten aus Halbleitern, die Sonnenlicht in elektrische Energie umwandeln. Der Schlüssel, um ihre Effizienz noch weiter zu…

Quantenoptik im Glas

Rostocker Forschende kommen den Geheimnissen von roten, grünen und blauen Quarks-Teilchen auf die Schliche. Forschenden der Universität Rostock ist es gelungen, in einem unscheinbaren Stück Glas einen Schaltkreis für Licht…

Wolken weniger klimaempfindlich als angenommen

Daten aus Flugkampagne: Passat-Kumuluswolken finden sich auf rund 20 Prozent der Erdkugel und kühlen den Planeten. Bisher wurde erwartet, dass diese Wolken durch die Erderwärmung weniger werden und damit den…

Partner & Förderer