Forschung zum programmierten Zelltod geht in die Anwendung

Tübinger Biochemiker an Firmenprojekt zur Entwicklung von Krebsmedikamenten beteiligt

Bei der Entwicklung von neuen Wirkstoffen gegen Krebs arbeiten Dr. Frank Madeo und Prof. Kai-Uwe Fröhlich vom Physiologisch-Chemischen Institut der Universität Tübingen seit Anfang Juli für drei Jahre in einem neuen Projekt mit der Firma Xantos Biomedicine in Martinsried zusammen. Die Firma hat für das Forschungsprojekt „Entwicklung neuer Wirkstoffe für die Induktion von Zelltod bei der Therapie von Tumoren“ 2,5 Millionen Mark aus der Fördermaßnahme „BioChance“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erhalten. Das Projekt wurde als erstes in einer zur Zeit noch laufenden Auswahlrunde mit insgesamt 32 Bewerbungen bewilligt.

Die Tübinger Biochemiker Madeo und Fröhlich forschen seit vier Jahren am programmierten Zelltod, der so genannten Apoptose. Durch das hochregulierte Programm der Apoptose werden im Körper geschädigte oder infizierte Zellen kontrolliert beseitigt, deren Inhalt dem gesunden Gewebe sonst gefährlich werden könnte. Die Wissenschaftler arbeiten an der Aufklärung der grundlegenden Mechanismen der Apoptose bei Hefe und menschlichen Zellen. Schwere Krankheiten wie auch Krebs hängen mit Störungen im programmierten Zelltod zusammen. Während bei Krebserkrankungen früher häufig von einer unkontrollierten Zellvermehrung gesprochen wurde, ist heute klar, dass bei der Mehrzahl der Tumore die Apoptose, also das kontrollierte Absterben von Zellen, gestört ist.

Die Wissenschaftler wollen in dem neuen Forschungsprojekt gemeinsam mit der Firma Xantos Gene identifizieren, die in Brust-, Darm- und Prostatakrebszellen den programmierten Zelltod auslösen können. Die Firma Xantos hat ein roboter-gestütztes, weltweit einzigartiges Verfahren zur schnellen Analyse des menschlichen Genoms entwickelt und patentiert. Damit lassen sich pro Tag zwanzigtausend Gene vollautomatisch auf ihre Rolle bei der Krebsentstehung oder -verhinderung testen. Die Tübinger Wissenschaftler werden die als interessant eingestuften Gene dann weiter untersuchen. Durch die enge Zusammenarbeit soll es möglich sein, zügig Ansätze für die Entwicklung neuer Wirkstoffe gegen Krebs zu finden und die Entwicklung von Medikamenten zu beschleunigen.

Die Arbeiten werden von einem gemeinsam besetzten Gremium koordiniert werden, dem Wissenschaftler der Firma und der Universität angehören. Die Ergebnisse der Tübinger Forscher fließen in wissenschaftliche Publikationen und die Strategie zur Produktentwicklung bei Xantos ein. Die Firma will die Ergebnisse kommerziell verwerten und die Ergebnisse patentieren lassen.

Weitere Informationen:
Dr. Frank Madeo, Tel. 0 70 71/2 97 41 84, E-Mail: frank.madeo@uni-tuebingen.de
Prof. Kai-Uwe Fröhlich, Tel. 0 70 71/2 97 33 60, E-Mail: kaifr@uni-tuebingen.de
Physiologisch-Chemisches Institut, Hoppe-Seyler-Straße 4, 72076 Tübingen

Media Contact

Michael Seifert idw

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie

Der innovations-report bietet im Bereich der "Life Sciences" Berichte und Artikel über Anwendungen und wissenschaftliche Erkenntnisse der modernen Biologie, der Chemie und der Humanmedizin.

Unter anderem finden Sie Wissenswertes aus den Teilbereichen: Bakteriologie, Biochemie, Bionik, Bioinformatik, Biophysik, Biotechnologie, Genetik, Geobotanik, Humanbiologie, Meeresbiologie, Mikrobiologie, Molekularbiologie, Zellbiologie, Zoologie, Bioanorganische Chemie, Mikrochemie und Umweltchemie.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Mikroplastik – Schwämme als marine Bioindikatoren

Schwämme lagern als „Staubsauger der Meere“ zahlreiche Partikel ein – darunter auch Mikroplastik und andere Mikroverunreinigungen, wie LMU-Wissenschaftler zeigen. Dies macht sie zu vielversprechenden Bioindikator-Kandidaten. Die Verschmutzung der Meere durch…

Vanille-Anbau unter Bäumen fördert Schädlingsregulation

Team unter Göttinger Leitung untersucht Agroforstsysteme Der Anbau von Vanille in Madagaskar bringt den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern ein gutes Einkommen, aber ohne Bäume und Büsche können die Plantagen sehr artenarm…

KI macht‘s möglich: Kundenwünsche von morgen, schon heute eingeplant

Wie lässt sich die Auftragsabwicklung eines Automobilherstellers optimieren? Im Projekt »KI-basierte Produktionsplanung und -steuerung« entwickeln IPA-Forscher zusammen mit der Porsche AG smarte Lösungen für die Fertigung der Zukunft. Diese helfen…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close