Rätsel von tödlichem Froschgift gelöst

Tropische Amphibien als zukünftige Arzneimittel

Nach mehr als zehn Jahren Forschungsarbeit ist ein US-Forscher dem Rätsel um die Herkunft der tödlichen Gifte Südamerikanischer Pfeilgiftfrösche auf die Spur gekommen. Das Neurotoxin, das auch in der modernen Humanmedizin verwendet wird, stammt nämlich von Käfern, die die Frösche fressen. Ironischer Weise ist der Forscher dem Rätsel aber in Papua Neuguinea auf die Spur gekommen, obwohl dort die Frösche gar nicht vorkommen, berichtet das Pacific Magazin.

Das Gift wird seit Jahrhunderten von den Indianern im Dschungel Kolumbiens sowie den Stämmen der Choco-Indianer verwendet. Sie reiben die Speerspitzen ihrer Blasrohrpfeile an der Haut der kleinen bunten Frösche der Gattung Dendrobatidae. Diese Arten produzieren auf ihrer Haut das Alkaloid Batrachotoxin, eine Substanz, die zu den wirksamsten Giften überhaupt gehört. Die Letaldosis liegt bereits bei 0,8 Mikrogramm pro Kilogramm Gewicht. Wahrscheinlich gibt es nur drei Substanzen weltweit, die noch giftiger sind. Die größte Menge des Giftes produziert der Pfeilgiftfrosch, Phyllobates terribilis. Er besitzt auf seiner Haut genug Batrachotoxin um 20.000 Mäuse oder aber zehn Erwachsene zu töten.

Der Ornithologe John Dumbacher von der California Academy of Sciences hat mit seinem Team die Entdeckung gemacht, dass die Quelle des Toxins aller Wahrscheinlichkeit nach in der bisher relativ unerforschten Käfer-Familie Choresine liegt. Derzeit müssen alle Forscher, die an der Erforschung des Giftes arbeiten, dieses vom National Institutes of Health besorgen, da die politische Situation in Kolumbien zu unsicher ist. Weitere Forschungsunterlagen wären aber dringend notwendig, berichten die Experten im US-Wissenschaftsmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences.

Dumbacher hatte einen Hinweis auf das Gift erhalten, als Einwohner der Inselrepublik Papua Neuguinea einen Vogel namens Pitohui verspeisten und daraufhin Entzündungen erlitten. In Untersuchungen fanden die Forscher in den Mägen dieser Vögel das Batrachotoxin. In einem entlegenen Dorf in Papua Neuguinea berichteten die Dorfältesten von Käfern, die nur beim bloßen Berühren Taubheitsgefühle verursachten. Die Käfer, die zur Familie der Melyridae-Familie gehören, leben auch im südamerikanischen Dschungel. Dumbacher ist sich aber derzeit noch nicht sicher, ob das Toxin von den Käfern selbst produziert wird, oder ob es nicht von speziellen Nahrungspflanzen der Insekten stammt. Diese Lösung wäre für die Wissenschaft die bessere, meint Dumbacher, denn Pflanzen ließen sich im Labor leichter ziehen. Das Froschgift ist nämlich für die moderne Medizin immens wichtig, denn es könnte für zahlreiche Erkrankungen als Heilmittel herangezogen werden, so etwa bei multipler Sklerose.

Media Contact

Wolfgang Weitlaner pressetext.austria

Weitere Informationen:

http://www.pacificmagazine.net

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie

Der innovations-report bietet im Bereich der "Life Sciences" Berichte und Artikel über Anwendungen und wissenschaftliche Erkenntnisse der modernen Biologie, der Chemie und der Humanmedizin.

Unter anderem finden Sie Wissenswertes aus den Teilbereichen: Bakteriologie, Biochemie, Bionik, Bioinformatik, Biophysik, Biotechnologie, Genetik, Geobotanik, Humanbiologie, Meeresbiologie, Mikrobiologie, Molekularbiologie, Zellbiologie, Zoologie, Bioanorganische Chemie, Mikrochemie und Umweltchemie.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Smarte Implantate

Forschungsteam stellt neue Ergebnisse bei internationalem Workshop vor. Am 6. und 7. Oktober kommen auf Einladung der Professoren Tim Pohlemann und Bergita Ganse von der Universität des Saarlandes internationale Forscherinnen…

Selbstvalidierung von komplexen elektronischen Systemen

… durch Grey-Box-Modelle. Mischt man schwarz und weiß, entsteht grau – und damit eine neuartige Methode, die es ermöglichen soll, dass sich komplexe elektronische Systeme selbst überwachen. Mit sogenannten Grey-Box-Modellen,…

LiDAR- und Radarsensoren – platzsparend im Scheinwerfer verbaut

Autonomes Fahren … Der Mensch hat Augen und Ohren, mit denen er brenzlige Situationen im Straßenverkehr erkennen kann. Bei autonom fahrenden Autos übernehmen eine Reihe von Sensoren diese Aufgabe. Doch…

Partner & Förderer