Mehr Erfolg im Blütensupermarkt durch besseren Sex

Eine Hummel fliegt eine Blüte des Indischen Springkrauts an. Dessen Blüten sind meistens purpurfarben, im Bild ist eine weiße Variante zu sehen. Foto: Johannes Bitz

An vielen Flüssen und Bachläufen in Mitteleuropa gedeiht eine Pflanze, die noch vor wenigen Jahren eher selten war: das Indische Springkraut. Warum hat sich dieses Gewächs – auch in Unterfranken – so erfolgreich ausgebreitet? Ganz einfach: Es ist in Sachen Sex weitaus besser als die meisten anderen Pflanzen. Das berichten Biologen von der Universität Würzburg in der neuen Ausgabe der Zeitschrift „Nature“.

Das Indische Springkraut (Impatiens glandulifera) wurde vor etwa 100 Jahren als Gartenpflanze aus dem Himalaja nach Mitteleuropa importiert. Schon bald gelang es der Art, natürliche Lebensräume äußerst erfolgreich zu besiedeln. So sind heute über 50 Prozent der Uferflächen mancher Flüsse allein vom Indischen Springkraut besetzt.

Das Geheimrezept für diesen ungewöhnlichen Erfolg: Das Kraut aus Indien ist den einheimischen Pflanzen beim Sex überlegen. Wie der Biologe Dr. Lars Chittka vom Biozentrum der Universität Würzburg sagt, konkurrieren Blütenpflanzen nämlich untereinander nicht nur um Wasser, Licht und Nährstoffe, sondern auch um Bestäuber, zum Beispiel Bienen und Hummeln. Diese Tiere bewerkstelligen den Transport der Pollen, also gewissermaßen des Pflanzenspermas.

Während es den Pflanzen in dieser Sache lediglich um Sex geht, interessieren sich die Bestäuber ausschließlich für die Qualität der Nahrung, die in den Blüten zu finden ist. Dabei verhalten sich die Bienen und Hummeln wie Kunden im Einkaufszentrum. Sie wählen die Blüten nach einfachen ökonomischen Gesichtspunkten aus: Je mehr Nektar eine Blüte bietet, desto attraktiver ist sie.

Dr. Chittka und sein Kollege Steffen Schürkens haben herausgefunden: „Das Indische Springkraut konnte so effektiv in den europäischen Blütensupermarkt eindringen, weil es mehr Nektar als alle bekannten einheimischen Pflanzen bietet. Auf diese Weise werden die Bestäuber von den konkurrierenden Pflanzen weggelockt.“

Dieser Effekt sei vergleichbar mit den Zuständen, die sich ergeben, wenn ein Supermarkt vor den Toren einer Kleinstadt mit vielen Tante-Emma-Läden eröffnet: Die Kunden wenden sich dem Billigangebot zu, die Tante-Emma-Läden schließen. Für die einheimischen Pflanzen bedeute dies: weniger Bestäuber, weniger Sex, weniger Samenansatz, weniger Pflanzen in der nächsten Generation. Nach und nach verdrängt die neue Art die alteingesessenen Pflanzen und übernimmt deren Territorien. Das gelingt ihr, weil sie sich die marktwirtschaftlichen Prinzipien zu eigen macht, nach denen die Bestäuber agieren.

Weitere Informationen: Dr. Lars Chittka, T (0931) 888-4321, Fax (0931) 888-4309, E-Mail: chittka@biozentrum.uni-wuerzburg.de

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Robert Emmerich idw

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