Umsetzungsprozess Nationale Strategie zur Erhaltung der biologischen Vielfalt

Bereits über 80% der deutschen Bevölkerung lebt in Ballungsräu-men. Seit Beginn des Jahres 2008 leben weltweit mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in städtischen Agglomerationen. „Diese Entwicklung hat die Bundesregierung in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt berücksichtigt.

Wir wollen die Menschen in den Städten und Gemeinden für das Thema Erhaltung der Biodiversität gewinnen, wenn wir den Verlust der biologischen Vielfalt stoppen wollen,“ erklärte die Parlamentarische Staatssekretärin Astrid Klug heute auf der Konferenz zur „Biodiversität im urbanen Raum“ in Essen.

Denn der besiedelte Bereich bietet nicht nur Lebensraum für zahlreiche Arten. Sein Erschei-nungsbild ist vielmehr auch ein wesentlicher Faktor für die Lebensqualität der dort lebenden Menschen: Eine ausreichende Versorgung mit Grünflächen ist maßgebend für das Angebot an Naherholungsmöglichkeiten und erfüllt zugleich wichtige ökologische Funktionen etwa für das Stadtklima.

„Die Erhaltung der Biodiversität in den urbanen Räumen Deutschlands kommt damit Natur und Menschen gleichemaßen zu Gute: Die Vielfalt der Lebensräume für wildlebende Arten nimmt zu, und die Lebensqualität im Wohnumfeld der Menschen erhöht sich ebenfalls,“ sagte Astrid Klug.

Nach Ansicht des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) sind Ballungsräume als Lebensraum für Mensch und Natur von Extremen geprägt, wie Wärme und Trockenheit sowie weiteren Belastungsfaktoren wie die Feinstaubbelastung. Grünstrukturen können hier wesentlich zu Abpufferung dieser Belastungen und zum aktiven Gesundheitsschutz beitragen. Diese Funktionen werden in der Zukunft von nach größerer Bedeutung sein, wenn unter den Vorzeichen des Klimawandels diese Extrembedingungen weiter verstärkt werden.

Die nationale Biodiversitätsstrategie formuliert für Urbane Landschaften die zukünftige Vision, dass diese nicht nur Lebensraum für viele – auch seltene und gefährdete – Tier- und Pflanzenarten bieten sollen, sondern durch vielfältiges Grün auch eine hohe Lebensqualität für die Men-schen und somit umfassende Möglichkeiten für Erholung, Spiel und Naturerleben bieten. Entsprechend ambitioniert sind die konkret benannten Ziele der Bundesregierung. So soll beispielsweise die Durchgrünung der Siedlungen deutlich zu erhöht und öffentlich zugängliche Grünflächen mit vielfältigen Qualitäten und Funktionen in fußläufiger Entfernung zur Verfügung zu gestellt werden.

Der urbane Raum spielt aber auch in anderen Handlungsfeldern eine wichtige Rolle, so im Hinblick auf Bildung und Information, insbesondere wenn man Kinder und Jugendliche erreichen will, die nicht erste größere Entfernungen zurücklegen können, um eigene Naturerfahrungen zu machen. Hierzu sollen beispielsweise verstärkt Waldkindergärten eingerichtet, Schulgärten angelegt und genutzt, Naturerlebnisräume für Naturerfahrungen von Kindern geschaffen werden.

Ziel der Konferenz in Essen ist ein Beitrag zum Umsetzungsprozess der nationalen Biodiversitätsstrategie zu leisten. Die Inhalte der Biodiversitätsstrategie wurden dabei in Essen anhand von Beispielen für das Miteinander von Mensch und Natur im urbanen Raum diskutiert.

Und das steht in der nationalen Biodiversitätsstrategie zum Thema Biodiversität in der Stadt:

Ziele für den Siedlungsraum finden sich in verschiedenen Kapiteln der Strategie wieder, z. B. in den Kapiteln „Urbane Landschaften“, „Naturnahe Erholung und Tourismus““Gesellschaftliches Bewusstsein“

Ziele sind,

o Bis 2020 die Durchgrünung der Siedlungen (einschließlich des wohnumfeldnahen Grüns wie z. B. Hofgrün, kleine Grünflächen, Dach- und Fassadengrün, deutlich zu erhöhen und öffentlich zugäng-liches Grün in der Regel fußläufig zur Verfügung zu stellen

o die bestehenden Instrumente der Landschafts-, Gründordnung- und Bauleitplanung zur Entwicklung des städtischen Grüns und zur Vernetzung von Biotopen zu nutzen,

o Brachen und Baulücken bei der Nachverdichtung oder ökologischen Aufwertung von Wohnquartie-ren stärker zu berücksichtigen

o vorhandene Möglichkeiten zu nutzen, um die direkte Umgebung von Wohngebäuden z. B. durch Entsiegelung, Hof- und Gebäudebegrünung, Rückbau und Beruhigung von Straßen zu verbessern

o bis 2020 die Anzahl von Regionalparks und Freiraumverbünden im Umfeld großer Städte deutlich zu erhöhen

o bis 2010 ein umfassendes Konzept „Stadt der kurzen Wege“ zu erarbeiten und bis 2020 umzusetzen

o die Flächeninanspruchnahme auf die Wiedernutzbarmachung von Flächen, die Nachverdichtung und andere Maßnahmen zur Innenentwicklung, durch eine Verhältnis von Innenentwicklung zu Au-ßenentwicklung von insgesamt 3:1, zu lenkendass bis zum Jahr 2020 in Deutschland siedlungsnahe, qualitativ hochwertige und barrierefreie (d. h. behindertenfreundliche) Erholungsgebiete in ausreichendem Umfang mit guten ÖPNV- und Besucherlen-kungskonzepten existieren.

Die Bundesregierung hat zur Verwirklichung dieser Ziele auch konkrete Maßnahmen von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren in unterschiedlichen Aktionsfeldern beschlossen, wie z. B.:

o im Aktionsfeld „Siedlung und Verkehr“
o die Erarbeitung von Handlungsleitfäden zum Boden- und Freiräumschutz auf regionaler und kommunaler Ebene (best practise),
o die Schaffung von Naturerlebnisräumen in möglichst fußläufig zur Verfügung stehenden Grün, um das Naturverständnis von Kindern zu fördern,
o im Aktionsfeld „Bildung und Information“,
o die verstärkte Einrichtung von Waldkindergärten,
o die vermehrte Anlage von Naturlehrpfaden in Städten sowie Hinweise zur biologi-schen Vielfalt in städtischen Parks und Friedhöfen,
o die Anlage und Nutzung von Schulgärten
o die Schaffung von Naturerfahrungsräumen insbesondere in der Nähe urbaner Räume
o im Aktionsfeld „Tourismus und naturnahe Erholung“,
o die Sicherung und Ausweitung siedlungsnaher Flächen für Tourismus, Erholung und Sport,

o den Aufbau eines abgestuften Gesamtsystems der öffentlichen Verkehre durch Verzahnung des Schienenpersonenfernverkehrs mit dem Schienenpersonennahverkehr und dem ÖPNV.

Damit werden alle Akteure auf Ebene von Bund, Ländern und Kommunen aufgefordert, diese Maßnahmen umzusetzen bzw. zu unterstützen.

Informationen über die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt sowie den Umsetzungsprozess mit den verschiedenen Regionalen und Nationalen Foren findet man unter www.biologischevielfalt.de

Ansprechpartner für Medien

Franz August Emde idw

Weitere Informationen:

http://www.biologischevielfalt.de

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