Aggressiver Amphibienkeim bedroht einheimische Feuersalamander

Bsal-infizierter Feuersalamander mit deutlich erkennbaren Läsionen TU Braunschweig

Amphibien gehören weltweit zur am stärksten bedrohten und am schnellsten schwindenden Wirbeltiergruppe. Neben der Zerstörung ihrer Lebensräume durch den Menschen, ist vor allem eine weltweit auftretende Pilzerkrankung für den dramatischen Rückgang einzelner Arten verantwortlich.

Ein internationales Forschungsteam um die Evolutionsbiologen Sebastian Steinfartz und Miguel Vences von der Technischen Universität Braunschweig hat nun erstmals die Amphibien-Chytridpilze Batrachochytrium dendrobatidis (Bd) und Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal) in Deutschland nachgewiesen.

Besonders „Bsal“, der auch als Salamanderpilz bezeichnet wird, ist hochgradig krankheitserregend und hat bereits in den Niederlanden und Belgien innerhalb weniger Jahre nachweislich zum Aussterben ganzer Populationen des Feuersalamanders in Freiheit geführt. Zurzeit gehe man davon aus, so die Braunschweiger Wissenschaftler, dass sich „Bsal“ über aus Asien importierte Molche in die natürlichen Vorkommen in den Niederlanden und Belgien gelangt sei. Eine Ausbreitung des Pilzes in Deutschland war daher ebenfalls sehr wahrscheinlich und zu befürchten.

Einem Team von Forscherinnen und Forschern um Dr. Sebastian Steinfartz und Prof. Miguel Vences vom Zoologischen Institut der Technischen Universität Braunschweig ist es im Rahmen eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Forschungsprojektes gelungen, den Salamanderpilz zum ersten Mal innerhalb Deutschlands nachzuweisen. Der positive Nachweis von „Bsal“, konnte in einer privaten Haltung von Feuersalamandern geführt werden.

„Die infizierten Salamander zeigten klassische Symptome wie Hautblessuren und offene Geschwülste und starben innerhalb weniger Tage“ berichtet Steinfartz. Erstaunt waren die Forscher auch über die Aggressivität des Pilzes: Alle Feuersalamanderarten, auch solche, die nicht in Europa vorkommen, seien vom Pilz infiziert worden, berichten die Forscher in dem internationalen Fachjournal Amphibia-Reptilia.

Die Forscher sehen in der nachgewiesenen Infektion eine große Bedrohung für die einheimische Amphibienfauna. „Wir können jetzt nicht die Augen verschließen und müssen zusammen mit Naturschützern, Behörden und privaten Haltern handeln, um eine weitere Ausbreitung des Pilzes zu vermeiden“ argumentiert Vences.

Um die freilebenden Salamanderpopulationen in Deutschland zu schützen, arbeiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem mit der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) und mit den zuständigen Naturschutzbehörden zusammen. Besonders wichtig, so die Forscher, seien Quarantäne- und Sicherheitsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit privaten Haltern, aber auch ein intensives Monitoring für den Pilz in natürlichen Populationen.

„Hoffnungsvoll stimmt, dass die Pilzinfektion, wenn sie rechtzeitig bei den Salamandern erkannt wird, durch eine kurzzeitige Anhebung der Temperatur auf 25°C effektiv bekämpft werden kann“, erklärt Steinfartz abschließend.

Zur Publikation
Joana Sabino-Pinto, Molly Bletz, Ralf Hendrix, R.G. Bina Perl, An Martel, Frank Pasmans, Stefan Lötters, Frank Mutschmann, Dirk S. Schmeller, Benedikt R. Schmidt, Michael Veith, Norman Wagner, Miguel Vences, Sebastian Steinfartz: First detection of the emerging fungal pathogen Batrachochytrium salamandrivorans in Germany. Amphibia-Reptilia (2015); DOI:10.1163/15685381-00003008.

Kontakt
Prof. Dr. Miguel Vences
Dr. Sebastian Steinfartz
Zoologisches Institut
Abteilung Evolutionsbiologie
Technische Universität Braunschweig
Mendelsohnstraße 4
38106 Braunschweig
Tel.: 0531/391-2393
E-Mail: s.steinfartz@tu-braunschweig.de
www.zoologie.tu-bs.de/index.php/de/evolutionsbiologie

https://blogs.tu-braunschweig.de/presseinformationen/?p=9396

Media Contact

Stephan Nachtigall idw - Informationsdienst Wissenschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie

Der innovations-report bietet im Bereich der "Life Sciences" Berichte und Artikel über Anwendungen und wissenschaftliche Erkenntnisse der modernen Biologie, der Chemie und der Humanmedizin.

Unter anderem finden Sie Wissenswertes aus den Teilbereichen: Bakteriologie, Biochemie, Bionik, Bioinformatik, Biophysik, Biotechnologie, Genetik, Geobotanik, Humanbiologie, Meeresbiologie, Mikrobiologie, Molekularbiologie, Zellbiologie, Zoologie, Bioanorganische Chemie, Mikrochemie und Umweltchemie.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Die ungewisse Zukunft der Ozeane

Studie analysiert die Reaktion von Planktongemeinschaften auf erhöhtes Kohlendioxid Marine Nahrungsnetze und biogeochemische Kreisläufe reagieren sehr empfindlich auf die Zunahme von Kohlendioxid (CO2) – jedoch sind die Auswirkungen weitaus komplexer…

Neues Standardwerkzeug für die Mikrobiologie

Land Thüringen fördert neues System zur Raman-Spektroskopie an der Universität Jena Zu erfahren, was passiert, wenn Mikroorganismen untereinander oder mit höher entwickelten Lebewesen interagieren, kann für Menschen sehr wertvoll sein….

Hoher Schutzstatus zweier neu entdeckter Salamanderarten in Ecuador wünschenswert

Zwei neue Salamanderarten gehören seit Anfang Oktober 2020 zur Fauna Ecuadors welche aufgrund der dort fortschreitenden Lebensraumzerstörung bereits bedroht sind. Der Fund ist einem internationalen Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close