Service-Engineering für Automobile: Startschuss für ein zukunftsweisendes Projekt

Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil gibt den Startschuss für das Projekt „Kfz-Service-Engineering 2020“, das Prof. Dr.-Ing. Rolf Steinhilper an der Universität Bayreuth maßgeblich konzipiert hat. - Von li.: Regierungspräsident Wilhelm Wenning, Regierung von Oberfranken; Gudrun Brendel-Fischer MdL; Andreas Tröger, Obermeister der Kfz-Innung Oberfranken; Präsident Thomas Zimmer, Handwerkskammer für Oberfranken; Staatsminister Martin Zeil MdL, Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie; Prof. Dr.-Ing. Rolf Steinhilper, Leiter der Fraunhofer-Projektgruppe Prozessinnovation und Inhaber des Lehrstuhls Umweltgerechte Produktionstechnik an der Universität Bayreuth; Hauptgeschäftsführer Thomas Koller, Handwerkskammer für Oberfranken; Thomas Hacker MdL, Fraktionsvorsitzender im Bayerischen Landtag; Dr. Christoph Rabenstein MdL; Landtagsvizepräsident Peter Meyer.<br>Foto: Andreas Harbach; mit Autorangabe zur Veröffentlichung frei.<br>

Unter dem Motto „Reparieren statt austauschen“ werden die Universität Bayreuth, die Fraunhofer-Projektgruppe Prozessinnovation und die Handwerkskammer für Oberfranken in den nächsten drei Jahren zusammenarbeiten, um neue technische Serviceprozesse rund ums Auto zu entwickeln und in die Praxis umzusetzen. Insbesondere die Diagnose- und die Reparaturmöglichkeiten für elektronische Bauteile sollen dabei entscheidend verbessert werden.

Das gemeinsame Projekt wird vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie maßgeblich gefördert. In seinem Grußwort betonte Wirtschaftsminister Martin Zeil die im Vergleich mit anderen bayerischen Bezirken außerordentlich hohe Innovationskraft Oberfrankens, die im Projekt „Kfz-Service-Engineering 2020“ erneut zum Ausdruck komme. Das Vorhaben sei nicht durch ministerielle Vorgaben in die Region hineingetragen worden.

Vielmehr sei es in der Region selbst konzipiert worden – in enger Kooperation unterschiedlicher Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft, die jetzt gemeinsam ein zukunftsweisendes Projekt auf den Weg bringen würden. Per Knopfdruck gab Bayerns Wirtschaftsminister den symbolischen Startschuss: Er setzte die elektronisch angesteuerte, nach Reparaturarbeiten wieder voll funktionstüchtige Thermolüftung eines Automobils in Gang.

Die wiederhergestellte Funktionstüchtigkeit steht beispielhaft für die ambitionierten Ziele des Projekts, die von Prof. Dr.-Ing. Rolf Steinhilper – dem Leiter der Fraunhofer-Projektgruppe Prozessinnovation und Inhaber des Lehrstuhls Umweltgerechte Produktionstechnik an der Universität Bayreuth – und HWK-Hauptgeschäftsführer Thomas Koller vorgestellt wurden. Ein neuartiges Service-Engineering, das eine gezielte Diagnose und Wiederaufarbeitung defekter elektronischer Bauteile leistet, soll künftig an die Stelle der bisher üblichen Auswechslung kompletter Baugruppen treten.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die nötigen Reparaturarbeiten technisch machbar, wirtschaftlich umsetzbar und für Kunden bezahlbar sind. In den letzten Jahren ist die Instandhaltung älterer Fahrzeuge technisch aufwändig geworden, weil die Elektronik im Auto immer schnelleren Innovationszyklen unterliegt. Oftmals übersteigen die Kosten den Zeitwert des Automobils, so dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnt. Das Projekt „Kfz-Service-Engineering 2020“ will diesen Zustand durch effiziente Diagnose- und Reparaturverfahren nachhaltig ändern. Damit gewinnen die Kfz-Betriebe neue Potenziale der Wertschöpfung, und die Automobilkunden sparen erhebliche Geldsummen.

Um herauszufinden, wo die größten Potenziale für neue Servicelösungen liegen, sind unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Rolf Steinhilper bereits im Vorfeld des Projekts die aktuellen Service- und Schadensfälle in Oberfranken erfasst und detailliert ausgewertet worden. Grundlage dafür waren die ADAC-Pannenstatistik sowie eine Umfrage unter allen 1.200 Kfz-Betrieben in Oberfranken; über die regionalen Medien wurden auch Autobesitzer und Werkstattmitarbeiter befragt. Dabei stellte sich beispielsweise heraus, dass zwei Drittel aller Pannen Autos betreffen, die älter als 5 Jahre sind. Besonders die Elektronik älterer Autos macht dabei Probleme. Mehr als die Hälfte aller Ausfälle sind laut ADAC-Statistik auf defekte elektronische Baugruppen zurückzuführen.

Auf den Ergebnissen dieser Voruntersuchung werden die jetzt beginnenden Projektarbeiten aufbauen. Es sollen dabei 10 Servicebereiche ausgewählt und entwickelt werden – bis hin zur Anwendung im Schulungszentrum der Handwerkskammer für Oberfranken und bei den Kfz-Betrieben. Das Besondere des Projekts ist, wie Steinhilper und Koller in ihrer Präsentation hervorhoben, die am Standort Bayreuth gegebene Verzahnung von wissenschaftlicher Forschung und Entwicklung mit dem praxisbezogenen Know-How des Handwerks. Alle drei Projektpartner werden in den nächsten drei Jahren für ingesamt 1,7 Mio. Euro neue Mitarbeiter einstellen, weitere 1,3 Mio. Euro sind für Investitionen vorgesehen. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf rund 3,5 Mio. Euro.

In seiner Eröffnungsansprache hob HWK-Präsident Thomas Zimmer den Wandel hervor, den das Handwerk durchlaufen habe. „Wir, das Handwerk, arbeiten heute ganz anders als früher.“ Es werde häufig unterschätzt, auf welchem hohen Niveau das Handwerk heute stehe. „Kfz-Service-Engineering 2020“ sei ein hervorragendes, zukunftsweisendes Projekt. Es strahle auf die berufliche Bildung aus und sei „ein weiteres Highlight“ für die Arbeit im Berufsbildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer für Oberfranken.

Ansprechpartner:

Prof. Dr.-Ing. Rolf Steinhilper
Lehrstuhl Umweltgerechte Produktionstechnik
Fraunhofer Projektgruppe Prozessinnovation
Universität Bayreuth
D-95440 Bayreuth
Tel.: +49 (0)921 55 7300
E-Mail: [email protected]

Ansprechpartner für Medien

Christian Wißler Universität Bayreuth

Weitere Informationen:

http://www.uni-bayreuth.de

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