Innenstadt ganz nah – das wünschen die Bürgerinnen und Bürger

Die Mehrheit der Menschen in Deutschland ist mit den Lebensbedingungen in der eigenen Stadt zufrieden. Vor allem die Bevölkerung in der Innenstadt schätzt die Nähe zu Bildungs-, Kultur- und Konsumangeboten. Gleichzeitig befürchten viele Befragte, dass die Innenstädte an Attraktivität verlieren.

Das sind zentrale Ergebnisse der jährlichen Bevölkerungsumfrage des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) hat mit dem „Weißbuch Innenstadt“ einen breiten Kommunikationsprozess über die künftige Politik von Bund, Ländern und Gemeinden für die Stärkung der Innenstädte angestoßen. Bundesminister Dr. Peter Ramsauer hat das überarbeitete Weißbuch am 8. Juni 2011 vorgestellt. Um die Umsetzung des Weißbuchs zu unterstützen, legt das BBSR nun eine Sonderauswertung seiner Umfrage mit dem Schwerpunkt „Innenstadt“ vor.

Lebendige Innenstädte gehören für viele Befragte zu ihrem Lebensgefühl. Geschätzt werden vor allem die vielen Begegnungsmöglichkeiten und Erfahrungen, welche die städtische Öffentlichkeit bietet, sowie das dichte Netz von kulturellen Einrichtungen, Gastronomie und Einzelhandel. Besonders positiv bewerten die Befragten auch die wohnungsnahe Infrastruktur für Dinge des täglichen Bedarfs – etwa Lebensmittelläden, Bankfilialen oder Apotheken.

Innenstädte auch durch Belastungen geprägt

Schlechter sieht es mit der Beurteilung des Straßenbildes aus. So stören immer wieder Umweltbelastungen durch übermäßigen Verkehr, mancherorts leer stehende Geschäfte und Wohnungen, eine zu hohe Fluktuation in der Nachbarschaft, oder es fehlt das Grün. Wohngebiete in der Innenstadt werden sehr widersprüchlich bewertet: Einerseits gibt es die exklusiven, aufgewerteten Wohnlagen in historischen Altstädten, andererseits die belasteten Wohnlagen an Hauptverkehrsstraßen. Die innerstädtischen Wohnungen werden dennoch fast überall sehr stark nachgefragt, vor allem von jungen Erwachsenen und häufig auch von Haushalten mit geringerem Einkommen.

Viele Befragte sind durchaus bereit, sich für ihre Stadt und ihr Wohngebiet einzusetzen – allerdings in unterschiedlichem Umfang. Nur etwa ein Viertel der Erwachsenen ist für traditionell öffentliche Belange aktivierbar. Hinzu kommt, dass vielen Berufstätige kaum Zeit für bürgerschaftliches Engagement haben, sondern vielmehr selbst unterstützende Strukturen für ihre Alltagsbewältigung benötigen. Innerstädtisches Wohnen ist auch durch einen hohen Wechsel der Bewohner geprägt.

Weißbuch Innenstadt gibt Impulse

Die Umfrage belegt, wie wichtig es ist, die Innenstädte als Standorte für Handel, Gewerbe, Wohnen und Kultur zu stärken. Seit 2009 fördert der Bund gemeinsam mit den Ländern über das Städtebauförderprogramm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ die Anstrengungen der Kommunen, die Zentren als Herz unserer Städte zu stärken. Auch das jüngst vorgelegte „Weißbuch Innenstadt“ enthält zahlreiche Handlungsvorschläge, wie die Innenstädte und Ortsmitten lebendiger werden können. In den nächsten Jahren werden im neuen Forschungsprojekt „Innovationen für Innenstädte“ des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus Modellvorhaben darin unterstützt, bei der Umnutzung großer leer stehender Gebäude oder Flächenbrachen neue Wege zu gehen.

Die Auswertung der Umfrage kann unter dem Stichwort „Stadtansichten“ kostenfrei per E-Mail an gabriele.bohm@bbr.bund.de angefordert werden. Unter http://www.bbsr.bund.de kann in der Rubrik „Veröffentlichungen“ eine PDF-Version abgerufen werden.

Kontakt:
Christian Schlag, Stab Wissenschaftliche Dienste, Telefon +49 228 99401-1484, E-Mail:christian.schlag@bbr.bund.de
Fachliche Ansprechpartnerin:
Dr. Gabriele Sturm, Referat I6 – Raum- und Stadtbeobachtung, Telefon +49 228 401-1360, E-Mail:gabriele.sturm@bbr.bund.de

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Christian Schlag idw

Weitere Informationen:

http://www.bbsr.bund.de

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