Dick und rund und alt – Wissenschaftler setzen auf breite Anwendung von Starkholz

Schwimmhalle in Bad Dürrheim: Astfreies Starkholz und neuartige Klebstoffe ermöglichen heutzutage hölzerne Konstruktionen, von denen man früher kaum zu träumen wagte. Burgbacher Holztechnologie GmbH, Trossingen <br>

Es gibt zu viele starke Bäume in deutschen Wäldern. Weil die dicken alten Bäume ehedem begehrt und deshalb ungleich teurer waren als dünnere hat sich die holzverarbeitende Industrie auf schwächere und mittlere Stämme konzentriert.

Inzwischen laufen dünnere Stämme dem Starkholz deutlich den Rang ab. So gibt es – vor allem im Süden Deutschlands – nun ein im wahrsten Sinne des Wortes wachsendes Problem: Einen großen Vorrat an starken Bäumen und nicht genügend Kapazitäten, sie effektiv und ihrem Potential entsprechend zu verwerten.

Unbestreitbar haben die Holzvorräte in den Wäldern in jüngster Zeit deutlich zugenommen. Schon heute macht das sogenannte Starkholz, zu dem hierzulande Bäume mit mehr als 50 Zentimeter Durchmesser in Brusthöhe zählen, ein Fünftel des gesamten Vorrates aus. Sein Anteil dürfte noch weiter steigen.

In dieser Entwicklung liegt eine doppelte Gefahr. Zum einen bleiben die ökologisch wünschenswerten naturnahen Wälder mit gut gemischter Altersstruktur nur über längere Zeiträume bestehen, wenn alte Bäume immer wieder Platz für jüngere machen. Zum anderen wird es in Zukunft kaum noch alte Bäume geben können, wenn schon die jüngeren intensiv genutzt werden.

Tatsächlich können oder wollen viele moderne Sägewerke starke Bäume gar nicht mehr verarbeiten. Ein Ausweg aus diesem Dilemma lässt sich nur im Zusammenspiel von Waldbau und Holztechnik, Wissenschaft und Praxis finden. Der Forschungsverbund „Starkholz“ greift deshalb auf die Zusammenarbeit von Forstmann und Ingenieur zurück. Hinzu kommen als wichtige Partner holzverarbeitende Unternehmen sowie regionale Organisationen des Holzmarketings, denen wiederum Sägewerker, Zimmerleute, Architekten, Möbelhersteller und andere Berufsgruppen angehören.

Der Forschungsverbund „Starkholz – Aktivierung von Wertschöpfungspotenzialen zur nachhaltigen Nutzung und Verwendung von Nadel- und Laubstarkholz“ ist an der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg verankert. Er ist eines von 25 Verbundprojekten, die zum Förderschwerpunkt „Nachhaltige Waldwirtschaft“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gehören.

Früher galten Massivholzprodukte mit großen Abmessungen als klassische Starkholzprodukte. Heute hingegen sind es die spezifischen Eigenschaften und Strukturmerkmale des Holzes, die die Verwendung von Starkholz bestimmen. Bei Starkholz ist die Qualität des Holzes auf der Ebene des Bestandes wie auch des einzelnen Stammes recht ungleichmäßig verteilt. So kann ein vergleichsweise kurzes Stück des Endstammes durchaus Furnierqualität bieten, während das anschließende Stück lediglich eine Transportlänge niedriger Güte aufweist.

Innerhalb der einzelnen Stammabschnitte jedoch ist die Holzstruktur von hoher Homogenität und Qualität. Aus Nadelholz beispielsweise lassen sich fehlerfreie Lamellen, Kanthölzer, Friese und Latten fertigen, die mit einem gleichmäßigen und dichten Aufbau der Jahresringe nicht eine ansprechende Optik, sondern ebenso eine hohe Festigkeit aufweisen.

Allerdings zeigen Umfragen, die bei Kunden und Herstellern geführt wurden, dass das Wissen um die Potenziale von Starkholz noch recht gering, folglich die Zurückhaltung bei der Anwendung derartiger Produkte noch recht groß ist.

Der Forschungsverbund „Starkholz – Aktivierung von Wertschöpfungspotenzialen zur nachhaltigen Nutzung und Verwendung von Nadel- und Laubstarkholz“ gehört als eines von 25 Verbundprojekten zum Förderschwerpunkt „Nachhaltige Waldwirtschaft“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Das BMBF finanziert den Förderschwerpunkt im Zeitraum 2005 bis 2010 mit rund 30 Millionen Euro. Am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ ist die Wissenschaftliche Begleitung und Koordinierung des Förderschwerpunktes angesiedelt. Aufgabe der Wissenschaftlichen Begleitung ist es, auf nationaler und europäischer Ebene ein Netzwerk für Wissenschaft und Praxis zu schaffen und zu koordinieren; von hier aus wird auch die Öffentlichkeitsarbeit für den Förderschwerpunkt gesteuert. In seiner Gesamtheit befasst sich der Förderschwerpunkt vor allem mit drei Fragestellungen: Wie kann die Wertschöpfungskette Forst-Holz sowohl gewinnorientiert als auch ökologisch verträglich und sozial gerecht optimiert werden? Wie können Waldlandschaften so genutzt werden, dass die Lebensqualität der Menschen verbessert wird und gleichzeitig die Ressourcen langfristig gewährleistet sind? Wie sieht der Wald der Zukunft aus?

Weitere Informationen:
Daniela Weber
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235-1791
E-mail: daniela.weber@ufz.de
Dr. Udo Hans Sauter
Abteilung Waldwachstum
Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg
Wonnhaldestraße 4, 79100 Freiburg
Tel.: 0761-4018-238
E-mail: udo.sauter@forst.bwl.de
oder über:
Doris Böhme / Tilo Arnhold
Pressestelle Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235-1269
E-mail: presse@ufz.de
Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 900 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 25.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,3 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

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