Hydraulischer Modellversuch Hochwasserrückhaltebecken Niederpöbel

Eine Möglichkeit, der starken Niederschläge Herr zu werden, sind Hochwasserrückhaltebecken. Im Rahmen der von der Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen (LTV) landesweit erstellten Hochwasserschutzkonzepte soll eins bei Niederpöbel am Pöbelbach – einem Nebenfluss der Roten Weißeritz – entstehen.

Das Rückhaltebecken, dessen Einzugsgebiet etwa zwölf Quadratkilometer groß ist, dient im Wesentlichen dem Hochwasserschutz der Gemeinden entlang der Roten Weißeritz stromab bis zur Talsperre Malter.

Das Hochwasserrückhaltebecken Niederpöbel wird im Auftrag der LTV durch eine Planungsgemeinschaft als ökologisch durchgängiges Trockenbecken geplant. Die statistische Wahrscheinlichkeit, dass man das Rückhaltebecken bei Hochwasser einsetzen muss, liegt bei einmal in zehn Jahren – Fachleute sprechen von einem HQ10. Es wird als gesteuertes Becken ausgeführt, d.h. Abflüsse bis 22 Kubikmeter pro Sekunde sind regelbar. Im Zusammenwirken mit einem weiteren, ebenfalls in Planung befindlichen Becken kann ein Schutz gegen ein so genanntes „hundertjährliches Hochwasser“ (HQ100) gewährleistet werden.

Mit dem Bau des Hochwasserrückhaltebeckens werden im Tal sowohl der Pöbelbach als auch die weitgehend parallel zum Pöbelbach verlaufende Staatsstraße S 183 mit einem ca. 31 m hohen Steinschüttdamm mit Asphaltbetonkerndichtung überbaut. Während eines Hochwassers wird die durch den Damm führende Staatsstraße gesperrt: die Straßendurchfahrt wird durch Schütze verschlossen. Die S 183 wäre in diesem Fall auf einer Länge von ca. 1,2 km mit dem zurück gehaltenen Hochwasser geflutet.

Neben der Straßendurchfahrt ist ein ökologischer Durchlass vorgesehen, der die Wanderbewegungen von Lebewesen ermöglichen soll; auch er wird im Hochwasserfall verschlossen. Die Beckensteuerung erfolgt dann mit zwei Rohrleitungen mit einem Durchmesser von 1,20 Metern, an deren Ende jeweils ein Kegelauslassventil eingebaut wird.

Aufgrund der hohen Sicherheitsansprüche an große Wasserbauwerke werden neben den Berechnungen am Computer vor dem Baubeginn oft Modellversuche durchgeführt. Seit Dezember 2007 laufen im Hubert-Engels-Labor des Instituts für Wasserbau und Technische Hydromechanik der TU Dresden umfangreiche Untersuchungen einzelner Anlagenbestandteile an zwei physikalischen Modellen im Maßstab 1:12 und 1:15.

Zuerst wurde der Planungsstand im Modell nachgebaut und von Institutsmitarbeitern und Studenten unter Leitung von Prof. Hans-B. Horlacher hydraulisch getestet. Anhand der dabei gewonnenen Erkenntnisse werden in den nächsten Wochen Optimierungen an den Modellen erfolgen, die zur Verbesserung der hydraulischen Wirksamkeit und damit der Betriebssicherheit der künftigen Hochwasserschutzanlage führen.

Projektleiter: Prof. Hans-B. Horlacher, Projektbearbeiter: Dipl.-Ing. Holger Haufe, Dipl.-Ing. Markus Schuckert, cand.-Ing. Sophia Stoebenau, cand.-Ing. David Biebach

Weitere Informationen: Ulrich van Stipriaan, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Fakultät Bauingenieurwesen an der TU Dresden, Tel. 0351 463-39169, Fax 0351 463-37104, ulrich.van.stipriaan@tu-dresden.de

Media Contact

Kim-Astrid Magister idw

Weitere Informationen:

http://www.tu-dresden.de/

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen

Die zukunftsorientierte Gestaltung unseres Wohn- und Lebensraumes erhält eine immer größer werdende Bedeutung. Die weltweite Forschung in den Bereichen Architektur und Bauingenieurwesen leistet hierzu einen wichtigen Beitrag.

Der innovations-report bietet Ihnen hierzu interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Nachhaltiges Bauen, innovative Baumaterialien, Bautenschutz, Geotechnik, Gebäudetechnik, Städtebau, Denkmalschutz, Bausoftware und Künstliche Intelligenz im Bauwesen.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Kunststoffe – alles Müll?

»Open Lab« im Fraunhofer LBF gibt Einblicke in die Kunststoffforschung. Als erste Stadt in Deutschland erhielt Darmstadt vor 25 Jahren den Ehrentitel »Wissenschaftsstadt«. Auch das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit…

Zukunft der Ampel wird weiter erforscht

Das Forschungsprojekt „KI4LSA“, welches die Frage beantworten sollte, ob die Steuerung von Ampelanlagen mit künstlicher Intelligenz (KI) den Verkehrsfluss verbessern kann, bringt Fraunhofer im August 2022 zum Abschluss. Über 30…

Schmerzlinderung ohne Nebenwirkungen und Abhängigkeit

Forschende der FAU nutzen Adrenalin-Rezeptoren für hochwirksame Analgetika. Neuartige Substanzen, die Adrenalin- statt Opioid-Rezeptoren aktivieren, haben eine ähnliche schmerzlindernde Wirkung wie Opiate, jedoch keine negativen Folgen wie Atemdepression und Abhängigkeit….

Partner & Förderer