Wälder vom Klimawandel bedroht, mahnt internationale Expertenrunde

Großflächiges Fichtensterben (Picea engelmanni) im Wolf Creek Pass in Colorado, USA Bildquelle: (C) Craig Allen, USGS, Los Alamos, USA

Untersuchungen zeigen, dass Baumsterben vor allem in Jahren mit besonders hohen Temperaturen auftritt und durch Trockenheit verstärkt wird. Unklar bleibt jedoch, wie genau Hitze und Trockenheit zum Absterben von Bäumen führen und wie groß das Risiko für großflächiges Waldsterben ist.

Um das Thema auf möglichst breiter Basis wissenschaftlich zu analysieren, trafen sich vom 20. bis 23. Oktober 2014 insgesamt 65 international führende Pflanzenphysiologen, Waldökologen und Modellierer aus sechs Kontinenten am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena.

Ziel der Tagung war es, die dringlichsten wissenschaftlichen Fragestellungen gemeinschaftlich zu erarbeiten, die momentan wichtigsten Forschungsschwerpunkte festzulegen und die Richtung zu weisen für zukünftige Forschungsvorhaben.

Das Fehlen eines weltweiten Zustandsberichts der Wälder wurde von den Experten stark bemängelt. So ist es zum Beispiel nach wie vor sehr unsicher, welche globale Verbreitung das Absterben der Bäume hat und wie empfindlich bestimmte Waldregionen gegenüber Erwärmung sind.

Um das Ausmaß dieser Bedrohung und somit die weitere Entwicklung des Baumsterbens abschätzen zu können, wurde der Ausbau eines weltweiten Netzwerkes zur Überwachung des Waldzustands, unter Nutzung international existierender Netzwerke, Versuchsflächen und Fernerkundung, als dringend notwendig erachtet.

“Die teilnehmenden Wissenschaftler sind sich einig, dass die daraus resultierenden globalen Daten nicht nur wichtig sind, um Regierungen, Entscheidungsträger und das Forstwesen zum Handeln zu bewegen.“ sagt Dr. Henrik Hartmann, Gruppenleiter am Jenaer Max-Planck-Institut und Organisator der Tagung.

„Sie können auch dazu beitragen, gemeinsame Strategien zur Abschwächung der zugrundeliegenden Klimaveränderungen zu entwickeln.” Denn nur international konzertierte Maßnahmen können das Problem sinnvoll angehen, da Baumsterben und Klimawandel keine Ländergrenzen kennen.

Als weiteres Ergebnis der intensiven Diskussionsrunden verfassten die Wissenschaftler eine gemeinschaftliche Stellungnahme, welche an die Öffentlichkeit appelliert:

Gemeinschaftliche Stellungnahme

• Wälder erfüllen eine Vielzahl wichtiger Funktionen, und sind deshalb gesellschaftlich äußerst bedeutsam. Sie stellen für viele Menschen die direkte Lebensgrundlage dar und verbessern die Lebensbedingungen aller Menschen weltweit.

• Obwohl die zugrunde liegenden biologischen Mechanismen des Baumsterbens bisher nicht im Detailverstanden sind, sind sich die Ökologen einig, dass viele Wälder aufgrund der vorhergesagten weiteren Temperaturerwärmung und zusätzlicher Trockenheit von zunehmendem Baumsterben und sogar großflächigem Absterben bedroht sind.

• Die Wissenschaftler weisen auf die weitreichenden sozialen, ökonomischen und ökologischen Risiken für die Gesellschaft hin, die in Folge von zunehmendem Baumsterben zu erwarten sind. Die Experten betonen, dass die Risiken durch eine Verminderung des Ausstoßes von Treibhausgasen verringert werden können.

Für weitere Informationen besuchen Sie bitte die Webseite der Tagung unter
https://www.bgc-jena.mpg.de/bgp/pmwiki.php/Main/MortalityWorkshop .
Eine wissenschaftliche Zusammenfassung der Tagung wird in Kürze veröffentlicht werden (siehe obige Webseite).

Kontakt:
Dr. Henrik Hartmann
Max Planck Institut für Biogeochemie
Hans Knöll Str. 10
07745 Jena
Email: hhart@bgc-jena.mpg.de
www.bgc-jena.mpg.de 

Media Contact

Susanne Héjja Max-Planck-Institut

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften

Weltweite, wissenschaftliche Einrichtungen forschen intensiv für eine zukunftsfähige Land- und Forstwirtschaft.

Der innovations-report bietet Ihnen hierzu interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Themen: Bioenergie, Treibhausgasreduktion, Renaturierung und Landnutzungswandel, Tropenwälder, Klimaschäden, Waldsterben, Ernährungssicherung, neue Züchtungstechnologien und Anbausysteme, Bioökonomie, Wasserressourcen und Wasserwiederverwendung, Artenvielfalt, Pflanzenschutz, Herbizide und Pflanzenschädlinge, digitale Land- und Forstwirtschaft, Gentechnik, tiergerechte Haltungssysteme und ressourcenschonende Landwirtschaft.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Neutronen-basierte Methode hilft, Unterwasserpipelines offen zu halten

Industrie und private Verbraucher sind auf Öl- und Gaspipelines angewiesen, die sich über Tausende von Kilometern unter Wasser erstrecken. Nicht selten verstopfen Ablagerungen diese Pipelines. Bisher gibt es nur wenige…

Dresdner Forscher:innen wollen PCR-Schnelltests für COVID-19 entwickeln

Noch in diesem Jahr einen PCR-Schnelltest für COVID-19 und andere Erreger zu entwickeln – das ist das Ziel einer neuen Nachwuchsforschungsgruppe an der TU Dresden. Der neuartige Test soll die…

Klimawandel und Waldbrände könnten Ozonloch vergrößern

Rauch aus Waldbränden könnte den Ozonabbau in den oberen Schichten der Atmosphäre verstärken und so das Ozonloch über der Arktis zusätzlich vergrößern. Das geht aus Daten der internationalen MOSAiC-Expedition hervor,…

Partner & Förderer