Überleben pflanzliche Krankheitserreger in Biogasanlagen?

Immer mehr nachwachsende Rohstoffe werden in Biogasanlagen vergoren. Die verwendeten Pflanzen können aber mit Viren, Bakterien oder Pilzen infiziert sein.

Kann der Landwirt sicher davon ausgehen, dass er sich mit der Ausbringung der Gärreste nicht ein Problem für das nächste Jahr einfängt? Im Prinzip ja. Das legen Ergebnisse der Humboldt-Universität, Berlin zusammen mit dem Julius Kühn-Institut, der Universität Rostock, dem Leibniz-Institut für Agrartechnik und der Bioenergie Beratung Bornim nahe, die auf der 57. Deutschen Pflanzenschutztagung in Berlin vorgestellt wurden.

Sie hatten gemeinsam untersucht, welchen Einfluss die anaerobe Vergärung in Laborbiogasanlagen auf die Abtötung der Schaderreger hat. Viele Erreger werden nach einem sechsstündigen Verbleib in der Anlage bei 37 Grad Celsius abgetötet Andere getestete pilzliche Erreger benötigten längere Inkubationszeiten und waren erst nach 24 bzw. 138 Stunden komplett eliminiert.

Bei den meisten Pathogenen hilft die Lagerung der Gärreste bei einer Verringerung der Vermehrungsfähigkeit der Sporen. So wurden nach vierwöchiger Lagerung keine lebensfähigen Schadpilze mehr festgestellt. Dr. Waldemar Gruber, Energieberater der Landwirtschaftskammer Nordrhein Westfalen, sieht die Landwirte in der Regel auf der sicheren Seite: „Die Untersuchungen liefen über ca. 140 Stunden. In der Praxis befindet sich das Substrat aber deutlich länger im Gärprozess.“ Nicht nur die thermische Stabilität des Krankheitserregers selbst spielt eine Rolle, sondern auch das Substrat (ganze Pflanze oder Korn) und die Lagerzeit der Gärreste nach der Vergärung.

Problematisch bleibt die bakterielle Ringfäule an Kartoffeln, ein weltweit gefürchteter Pilz. Zwar sei die wirtschaftliche Bedeutung der Kartoffel als „Nachwachsender Rohstoff“ gering, aber das Risikopotenzial, das von dieser Krankheit ausgeht, extrem hoch, betonten die Wissenschaftler. Aus den bisherigen Ergebnissen ließe sich nicht ableiten, dass die anaerobe Vergärung eine risikofreie Variante zur Verwertung von Kartoffeln sei, die mit der bakteriellen Ringfäule befallen sind. Der Kartoffelkrebs wurde selbst nach 138-stündiger Vergärung nicht vollständig inaktiviert. Auch eine anschließende Lagerung der Gärreste brachte im Labor keinen 100%igen Erfolg. In der Praxis werden die Ergebnisse jetzt überprüft. Erst dann könnten Anforderungen an den Gärungsprozess formuliert werden, damit Gärreste hygienisch unbedenklich sind.

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Britta Klein www.aid.de

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