Landnutzungswandel führt zu stärkeren Überschwemmungen in Indonesien

Internationales Team unter Göttinger Leitung untersucht Auswirkungen auf lokale Wasserkreisläufe 

Während hohe Treibhausgasemissionen und Biodiversitätsverlust häufig mit dem rapiden Landnutzungswandel in Indonesien in Verbindung gebracht werden, blieben Auswirkungen auf lokale Wasserkreisläufe bisher weitgehend unbeachtet. Dazu veröffentlichten Forscherinnen und Forscher der Universität Göttingen sowie der IPB University in Bogor und des BMKG in Jakarta nun eine neue Studie. Sie zeigen, dass die Ausweitung von Monokulturen wie Ölpalm- und Kautschukplantagen zu häufigeren und stärkeren Überschwemmungen führt.

Diese Entwicklungen erklären das fachübergreifende Autorenteam mit einem komplexen Zusammenspiel aus ökohydrologischen und sozialen Prozessen, zu denen Bodendegradation in Monokulturen, die Ausweitung von Ölpalmplantagen in Feuchtgebiete, aber auch der Bau von Hochwasserschutzdämmen zählen. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Ecology & Society erschienen.

Für die Untersuchung analysierten die Autorinnen und Autoren zunächst knapp 100 Interviews mit indonesischen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, der Dorfbevölkerung sowie Entscheidungsträgerinnen und -trägern, welche in der Provinz Jambi in Sumatra geführt wurden. Anschließend verglichen und ergänzten sie die Interviewergebnisse mit naturwissenschaftlichen Messungen wie Niederschlägen, Fluss- und Grundwasserständen, Bodenbeschaffenheiten und Landnutzungskartierungen aus der Untersuchungsregion.

„Viele Studien über den Zusammenhang zwischen Landnutzungsänderungen und Überschwemmungen basieren lediglich auf Analysen einzelner Fachdisziplinen und liefern somit nur bruchstückhafte Einblicke in die zugrundeliegenden Prozesse“, so Hauptautorin Jennifer Merten von der Universität Göttingen. „Daher war es uns wichtig, auf ein möglichst breites Datenspektrum aus verschiedenen Disziplinen zurückzugreifen und auch die Beobachtungen der lokalen Bevölkerung mit einzubeziehen.”

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des deutsch-indonesischen Sonderforschungsbereichs „Ökologische und sozioökonomische Funktionen tropischer Tieflandregenwald-Transformationssysteme“ zeigen in ihrer Studie, dass die aktuelle Ausweitung von Ölpalm- und Kautschukplantagen in erheblichem Maße die lokalen Wasserkreisläufe beeinflusst.

„Der großflächige Landnutzungswandel führt zu einer Verdichtung des Bodens, sodass der Regen vom Boden langsamer aufgenommen wird und das Wasser rasch an der Oberfläche abfließt“, erklärt der Göttinger Ko-Autor Christian Stiegler. „Insbesondere die voranschreitende Zerstörung von Flussauen spielt dabei eine wichtige Rolle.“

Aus Perspektive der Dorfbevölkerung trägt zusätzlich der Bau von Hochwasserdämmen und Entwässerungsgräben zu einem veränderten Überflutungsgeschehen vor Ort bei. Da insbesondere Ölpalmplantagen immer stärker in Feuchtgebieten wie Flussauen oder Mooren angebaut werden, versuchen größere Plantagenbesitzer, Überschwemmungen auf ihren Flächen durch solche Bauten zu kontrollieren.

„Solche Dämme führen aber häufig dazu, dass sich Überschwemmungen auf benachbarten kleinbäuerlichen Plantagen verstärken“, berichtet Merten von ihren Erfahrungen vor Ort. Dadurch führt die beobachtete Zunahme von Überschwemmungen auch zu neuen sozialen Spannungen und Konflikten.

Um die Auswirkungen des Landnutzungswandels auf den Wasserkreislauf zu verringern, können Bodenschutz und eine bessere Landnutzungsplanung, insbesondere in Flussauen und Feuchtgebieten, eine wichtige Rolle spielen. „Ebenso wichtig ist es auch Landschaftseingriffe für Hochwasserschutz und Entwässerung stärker zu regulieren und zu kontrollieren“, so Merten. „Sonst passiert es schnell, dass die Auswirkungen zunehmender Überflutungen vor allem die ärmsten der Gesellschaft treffen, weil größere Unternehmen das Wasser einfach weiterleitet.“

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Jennifer Merten
Georg-August-Universität Göttingen
Geographisches Institut
Abteilung Humangeographie
Goldschmidtstr. 5, 37077 Göttingen
E-Mail: Jennifer.Merten@geo.uni-goettingen.de

Dr. Christian Stiegler
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie
Abteilung Bioklimatologie
Büsgenweg 2, 37077 Göttingen
Telefon: 0551 3912115
E-Mail: christian.stiegler@biologie.uni-goettingen.de

Originalpublikation:

Jennifer Merten et al. Flooding and land-use change in Jambi Province, Sumatra: integrating local knowledge and scientific inquiry. Ecology & Society (2020). DOI: https://doi.org/10.5751/ES-11678-250314

https://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?id=5965

Media Contact

Thomas Richter Öffentlichkeitsarbeit
Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften

Weltweite, wissenschaftliche Einrichtungen forschen intensiv für eine zukunftsfähige Land- und Forstwirtschaft.

Der innovations-report bietet Ihnen hierzu interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Themen: Bioenergie, Treibhausgasreduktion, Renaturierung und Landnutzungswandel, Tropenwälder, Klimaschäden, Waldsterben, Ernährungssicherung, neue Züchtungstechnologien und Anbausysteme, Bioökonomie, Wasserressourcen und Wasserwiederverwendung, Artenvielfalt, Pflanzenschutz, Herbizide und Pflanzenschädlinge, digitale Land- und Forstwirtschaft, Gentechnik, tiergerechte Haltungssysteme und ressourcenschonende Landwirtschaft.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Neue Möglichkeit, um Pflanzen vor Pilzbefall zu schützen

Weitverbreitete Pilzschädlinge bei Pflanzen lassen sich mit einer handelsüblichen Chemikalie gezielt bekämpfen, die bislang vor allem in der Medizin eingesetzt wurde. Das haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU)…

Ein Drehkreuz für Photonen

Physikern aus Deutschland, Dänemark und Österreich ist es gelungen, für Licht in Glasfasern eine Art Drehkreuz zu realisieren, das die Lichtteilchen nur einzeln passieren lässt. Glasfasern, durch die Laserlicht geleitet…

Bessere Katalysatoren für eine nachhaltige Bioökonomie

Forschende des Paul Scherrer Instituts PSI und von der ETH Zürich wollen sogenannte Zeolithe leistungsfähiger machen. Die Verbindungen sind bereits heute unerlässliche Hilfsmittel in der chemischen Industrie und werden seit…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close