Injektionsdüngung vorteilhaft bei Trockenheit

In manchen Regionen Deutschlands wirken sich die Folgen des Klimawandels negativ auf die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft aus. So beispielsweise in Sachsen: Hier sind nach Untersuchungen des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) die Sommerniederschläge in den vergangenen einhundert Jahren deutlich zurückgegangen. Ostsachsen sei hiervon am stärksten betroffen, denn steigende Temperaturen gepaart mit abnehmenden Niederschlägen führten zu einer Abnahme der klimatischen Wasserbilanz. Außerdem wird eine Zunahme von Extremniederschlägen vorausgesagt.

Beides hat direkte Auswirkungen auf die Düngung: Auf ausgetrockneten Böden geht fester Dünger kaum in Lösung und ist somit schwer verfügbar, bei extremen Niederschlägen droht dagegen die Abschwemmung der Nährstoffe. Nun haben Wissenschaftler im Rahmen einer Untersuchung herausgefunden, dass unter diesen Bedingungen die Injektion von Flüssigdüngern in Depots unter der Erde Vorteile gegenüber der Standarddüngung hat. Dabei können aber gleichbleibende Erträge erzielt werden. Dazu werden Depots ammoniumhaltiger Flüssigdünger in ca. 8 cm Tiefe im Boden angelegt. Bei Trockenheit hat das den Vorteil, dass kaum Bodenwasser verfügbar sein muss, um den Dünger aufzulösen.

Dadurch ist der Stickstoff bei Austrocknung der Bodenoberfläche besser verfügbar – und umgekehrt, bei Starkregen wird das Risiko von Nitratauswaschung vermindert.

Die Stickstoffinjektion ist bereits praxisreif und wurde in Sachsen auf 7.800 Hektar durchgeführt. Das Grundprinzip der Injektionsdüngung war bereits vor einigen Jahren von Professor Sommer an der Universität Bonn unter dem Begriff „CULTAN“ bekannt gemacht: „Controlled Uptake Longterm Amonium Nutrition“. Erfahrungen zur Injektionsdüngung lägen bereits zu allen wichtigen Hauptfruchtarten, wie Winterweizen, Winterroggen und Winterraps vor, so die Wissenschaftler. Auch an Kartoffeln und Zuckerrüben wurde das Verfahren bereits getestet.

Zur Vermeidung von Nährstoffverlusten sei es wichtig, dass der Dünger direkt in den Boden eingebracht werde. Das geschieht mit Geräten, ausgestattet mit Messersech oder Sternrad. Durch die einmalige Anlage des Stickstoffdepots würden zudem Arbeitskraft und Kraftstoff eingespart. Geeignet ist das Verfahren sowohl für die wendende als auch für die pfluglose Bodenbearbeitung. Die Versuche der LfULG zeigten, dass vor allem auf leichten, trockenen Standorten mit ausgeprägter Frühsommertrockenheit das Injektionsverfahren der konventionellen N-Düngung überlegen ist.

Weitere Informationen:
www.smul.sachsen.de, Schriftenreihe des LfULG, Heft 12/2011 „Injektionsdüngung“

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