Faserreiches Schweinefutter: Nährstoffverdaulichkeit geringer – "Alte" Rassen nicht besser öko-geeignet

Ausgehend davon, dass ökologisch gefütterte Schweine im allgemeinen faserreicher ernährt werden, erhielten Schweine der Rassen Schwäbisch Hällisch, Bunte Bentheimer sowie Schweine aus einer modernen Gebrauchskreuzung entweder ein faserarmes Grundfutter oder ein mit 20 Prozent Zuckerrübentrockenschnitzeln faserreich ergänztes Futter. Die im Lebendmassebereich von 35 bis 40 kg durchgeführten Stoffwechselversuche ergaben für die hochverdauliche Zuckerrübenschnitzel-Zulage eine verminderte Verdaulichkeit der übrigen Nährstoffe, insbesondere von Fett und Protein.

Die „modernen Schweine“ wiesen ein den Bentheimern vergleichbar gutes Faserverdauungsvermögen auf, während dies bei den Schwäbisch-Hällischen deutlich geringer war. Messungen zur Darm-Mikrobiologie und Transportphysiologie an präparierten Darmabschnitten der geschlachteten Tiere deuteten auf unterschiedliche praecaecale Verdauungsprozesse hin, d. h. die Faserverdauung hatte bereits vor Eintritt in den Dickdarm stattgefunden. Das Ausmaß der praecaecalen Faserverdauung variierte auch bei gleicher Fütterung und innerhalb der gleichen genetischen Herkunft. Mögliche Ursachen hierfür könnten Dünndarmlänge, Darmzotten, Darmwandmotilität (reflexartige Darmwandtätigkeit) sein.

In einem weiteren Versuch dieses Forschungsprojektes zur „Ernährungsphysiologischen Bewertung von Öko-Futtermitteln für Schweine“ an der Universität Göttingen wurden Winterweizen, Sommergerste und Ackerbohnen, die entweder ökologisch oder konventionell unter sonst gleichen Bedingungen angebaut worden waren, analysiert und verfüttert. Die Öko-Getreide wiesen höhere Stärke- und niedrigere Rohproteinwerte auf. Die Öko-Ackerbohnen enthielten dagegen weniger Stärke und damit auch weniger umsetzbare Energie als die konventionell angebauten. Die qualitativ und quantitativ nachgewiesenen Unterschiede der Fasergehalte der Öko-Pflanzen spiegelten sich auch in den Stoffwechselversuchen wieder. Dort war die Verdaulichkeit der Öko-Ration niedriger.

Allerdings wurde in der konventionellen Ration statt 25 Prozent Ackerbohnen (= ÖkoRation) Sojaextraktionsschrot plus Getreide eingesetzt. Die Stickstoff-Aufnahme lag bei der konventionellen Ration etwas niedriger. Die N-Ausscheidung bei der ÖkoRation erfolgte vermehrt über Kot und weniger über Harn. Dieser positive Trend war bei den Gebrauchskreuzungs-Tieren signifikant stärker als bei den Bunten Benthei-mern. Die Verdaulichkeit der N-freien Extraktstoffe blieb von Futterart und Rasse unbeeinflusst.
Untersuchungen zur Dünndarmphysiologie zeigten, dass sich Faserstoffe der löslichen Nicht-Stärke-Polysaccharide bereits im Dünndarm auf die gesamten Verdaungsprozesse auswirken. Es bleibt weiter zu erforschen, welche Konsequenzen sich daraus zum Beispiel auf Nährstoffverwertung und Tiergesundheit ergeben.

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