Qualitätsmanagement – Eine grenzüberschreitende Aufgabe

„Qualität lebt vom Informationsaustausch!“ Unter diesem Motto arbeiten seit 2002 deutsche und niederländische Partnerorganisationen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Beratung zusammen. Gemeinsam geht es den Experten darum, Qualitäts- und Gesundheitsmanagementsysteme in der Fleischerzeugung mit Blick auf gesetzliche und wirtschaftliche neue Anforderungen weiter zu entwickeln. Hierzu standen für ein erstes Verbundprojekt 3,3 Millionen Euro aus Mitteln des EU-INTERREG IIIA Programms der Euregio Rhein-Waal sowie die Kofinanzierung des niederländischen Landwirtschaftsministeriums, der niedersächsischen und nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerien sowie der Unternehmen der Fleischwirtschaft zur Verfügung. Der Projektträger GIQS e.V. fungiert hierbei als Brücke für die bessere grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

Die enge Kooperation der Universitäten Bonn (D) und Wageningen (NL) im Bereich der Agrar- und Ernährungsforschung ist das Fundament für die Entwicklung innovativer Lösungen. Profitiert hat davon in den letzten Jahren insbesondere die Schweinefleischerzeugung, die in der Grenzregion einen der bedeutendsten Wirtschaftssektoren darstellt. Landwirte und Unternehmen der Fleischwirtschaft aus den Euregios Rhein-Waal, Gronau und rhein-maas-nord setzten die erarbeiteten Konzepte um und erprobten sie unter Praxisbedingungen. Nach dreieinhalb Jahren intensiver Arbeit stellten die Verbundpartner am 24. November 2005 im erst am Vortag eröffneten „Euregio Forum“ in Kleve vor 100 Gästen ihre Projektergebnisse vor.

Die Generaldirektorin des niederländischen Landwirtschaftsministeriums, Renée Bergkamp, und der nordrhein-westfälische Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg eröffneten die öffentliche Abschlussveranstaltung. Ausdrücklich begrüßte Minister Uhlenberg den grenzüberschreitenden Projektansatz, im Verbund Lösungen zu entwickeln, die gleichzeitig neue rechtliche Anforderungen, die Ansprüche der Verbraucher und die Möglichkeiten der Prozessverbesserung auf den einzelnen Produktionsstufen im Blick hat.

Auf mittlerweile gutem Weg sieht Professor Dr. Brigitte Petersen, Vorsitzende von GIQS e.V., den Abbau von Grenzen, wo sie der Qualitätssicherung von Lebensmitteln im Wege stehen. „Schon lange sind es in der EU nicht mehr die nationalen Grenzen, sondern die ungeklärten Verantwortlichkeiten, organisatorische sowie technische Barrieren, die einem effektiven stufenübergreifenden Qualitäts- und Gesundheitsmanagement im Wege stehen“, stellte Petersen in ihrem Einführungsvortrag fest.

Projektkoordinator Gereon Schulze Althoff präsentierte anschließend die einzelnen Projektergebnisse. Neun neue Werkzeuge wurden entwickelt. „Sie unterstützen Verantwortliche in fleischerzeugenden Ketten, die Qualität von Produkten und Prozessen gezielter zu planen, zu produzieren und zu kontrollieren“ so Schulze Althoff. Vier Lösungen stellen Anpassungen branchenneutraler EDV-Systeme für Aufgaben im überbetrieblichen Informationsmanagement, Dokumentenmanagement, Audit-Management und Risikomanagement dar. Sie werden seit vielen Jahren erfolgreich in unterschiedlichen Branchen wie zum Beispiel der Automobilindustrie zur technischen Unterstützung operativer Aufgaben im Qualitätsmanagement eingesetzt. Nun wurden sie erstmals für den Einsatz in fleischerzeugenden Ketten angepasst. Hinzu kam die Weiterentwicklung bereits in den Niederlanden und Deutschland eingeführter, branchenspezifischer Speziallösungen, ein Checklistenmodell für die Unterstützung der Bestandsbetreuung und ein Melde- und Beratungsmodul im Salmonellenmonitoring.

Weitere Ergebnisse der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit sind: Zwei Modelle zur monetären Bewertung von Maßnahmen in Qualitätsprogrammen und Unterstützung strategischer Entscheidungsebene auf der Planungsebene; ein Leitfaden für Verantwortliche an Schlachthöfen zur stufenweisen Umstellung auf eine risikoorientierte Fleischuntersuchung.

„Die Werkzeuge helfen Landwirten und Unternehmen nachgelagerter Stufen ihre Qualitätsmanagementsysteme kontinuierlich weiter zu entwickeln und damit der geforderten Eigenverantwortung besser gerecht zu werden“, unterstrich Schulze Althoff in seinem Vortrag.

Professor Dr. Bert Urlings ist Direktor für Umwelt und Qualität der VION Food Group, Projektpartner und Marktführer in der europäischen Fleischwirtschaft mit Hauptsitz in Boxtel (NL). Er machte abschließend deutlich, wie sich sein Unternehmen an der Projektarbeit beteiligt hat und die erzielten Ergebnisse nun konzernweit nutzen wird. „Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Weiterentwicklung von Qualitätsmanagement ist elementar für ein grenzüberschreitendes Unternehmen, wie die VION Food Group“, so Professor Urlings in seiner Rede, „besonders in Hinblick auf Lebensmittelsicherheit und -qualität ist für die einzelnen Unternehmensteile eine vielfältige Zusammenarbeit mit lokalen Behörden erforderlich: Einheitliche Vorgehensweise privater und behördlicher Organisationen in den Niederlanden und in Deutschland ist deshalb von großer Bedeutung und stärkt den Sektor beiderseits der Grenze.“

Für alle Interessierten stehen ab sofort die Ergebnisse der Zusammenarbeit in niederländisch und deutsch im Internet zur Verfügung: Unter www.giqs.org/wissen erhält man umfangreiche Informationen zu neuen Anforderungen von Gesetzen, Normen und Standards, sowie zum Praxiseinsatz der Werkzeuge. Verweise führen direkt zu den jeweils verantwortlichen Projektpartnern sowie Anbietern der EDV-Lösungen für Fleisch erzeugende Ketten.

Weitere Informationen:
Ansprechpartner für die Medien:
Gereon Schulze Althoff
GIQS-Vorstandsbüro
Universität Bonn
Institut für Tierwissenschaften
Telefon: 0228/73-4805
E-Mail: galthoff@uni-bonn.de

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Dr. Andreas Archut idw

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