Nitrofen-Skandal und die Folgen

„Das ist und war kein Ökoskandal“, betonte Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast immer wieder in den letzten Tagen. In scharfer Form kritisierte Künast die Verantwortlichen der „überholten Strukturen im Agrar-Establishment“.

Denn inzwischen scheinen die Ursachen für den Nitrofen-Skandal festzustehen: Ein Biobetrieb aus dem brandenburgischen Stegelitz lieferte im Herbst 2001 einwandfreien Ökoweizen an den Futtermittelhändler Norddeutsche Saat- und Pflanzgut AG (NSP) aus dem mecklenburgischen Malchin. Das Unternehmen lagerte den Ökoweizen in einer Halle, die zu DDR-Zeiten als Lagerstätte der Staatsreserve an Pflanzenschutzmitteln diente und von NSP erst im Oktober angemietet wurde.

In einer Staubprobe, die das Ministerium für Landwirtschaft, Mecklenburg-Vorpommern am 01. Juni untersuchte, wurde Nitrofen in einer Konzentration von 2000mg/kg Staub nachgewiesen. Über Zwischenhändler gelangte der kontaminierte Weizen im Spätherbst und Winter zum Futtermittelhersteller GS Agri. Der beliefert zu 90 Prozent konventionelle, zu zehn Prozent Ökobetriebe. Knapp hundert Biohöfe bekamen in den folgenden Wochen den belasteten Weizen ausgeliefert.

„Es ist für mich unvorstellbar, dass eine Halle, in der früher Pflanzenschutzmittel gelagert waren, heute als Lagerstätte für Getreide verwendet wird. Dabei ist es in diesem Falle unerheblich, ob Öko-Getreide oder konventionelles Getreide dort aufbewahrt wird“, erklärte Landwirtschaftsminister für Mecklenburg-Vorpommern Dr. Till Backhaus.

Wichtig ist vor allem, dass die Ursachen so schnell gefunden werden konnten. Doch die Aufklärungsarbeit wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, wie der Leiter der Abteilung Lebensmittelsicherheit im Bundesverbraucherschutzministerium Bernhard Kühnle betont: „Jetzt ist es wichtig, alle Warenströme zu klären, die durch diese Halle gegangen sind. Wichtig ist auch, zu klären, ob es aus Ex-DDR-Zeiten noch weitere Lagerstätten gab und wie diese jetzt genutzt werden.“ Kühnle weiter: „Es ist durchaus plausibel, dass die hohe Belastung des Hallenstaubes zur Kontamination des Getreides geführt hat. Jedoch muss geprüft werden, ob nicht auch weitere Kontaminationsursachen in Frage kommen.“

Renate Künast muss sich derweil um Verbesserung der Kommunikation kümmern und hat eigens dafür eine Task Force gegründet, die vor allem rechtliche Lücken aufdecken soll. Auslöser des Skandals sind jedoch kriminelle Handlungen im vor- und nachgelagerten Bereich. „Wer seiner Meldepflicht laut Futtermittelgesetz über Monate nicht nachgekommen ist, macht sich nicht nur einer Ordnungswidrigkeit schuldig, sondern nimmt billigend in Kauf, dass Menschen zu Schaden kommen“, so die Verbraucherschutzministerin.

Absolute Transparenz in den Kommunikationswegen hält auch Dr. Margret Büning-Fesel vom aid infodienst für dringend erforderlich. „Der Nitrofen-Skandal ist, wie die BSE-Krise, das Ergebnis einer veralteten Informationskultur“, so Büning-Fesel. „Es muss jedem Einzelnen, der in der Lebensmittelkette tätig ist, seine Verantwortung für den Verbraucher bewusst sein. Die aufgeklärten Verbraucher haben ein Recht auf völlige Transparenz“.

Media Contact

Harald Seitz aid infodienst

Weitere Informationen:

http://www.aid.de

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