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Max-Planck-Institut zur Erforschung von Wirtschaftssystemen 


Abteilung für Evolutionsökonomik

Die Abteilung für Evolutionsökonomik des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Wirtschaftssystemen unter der Leitung von Ulrich Witt besteht seit Ende 1995. In einem breit gefächerten Spektrum von Teilprojekten beschäftigt sie sich mit Evolutionsvorgängen in der Wirtschaft. Die grundlegende Vermutung ist, dass die individuell motivierten aber kollektiv hervorgebrachten Wandlungsprozesse auf den verschiedenen Ebenen von Wirtschaft und Gesellschaft bei allen raum-zeitlichen Unterschieden der historischen Einzelfälle bestimmte Gemeinsamkeiten aufweisen. Die Themen der Teilprojekte wurden deshalb bewusst breit gestreut, um Gemeinsamkeiten auf die Spur zu kommen und dabei auch Synergieeffekte zwischen unterschiedlichen Analysemethoden zu ermöglichen. Der Breite des Forschungsansatzes fordert in hohem Maß interdisziplinär offenes Arbeiten. In der Abteilung wirken deshalb neben Ökonomen auch Wissenschaftler mit, die akademische Grade in Mathematik, Physik und Biologie haben.

Unter den Projekten, die gegenwärtig in der Abteilung bearbeitet werden, haben die folgenden bereits konkrete Gestalt angenommen.

  1. Das Phänomen der Evolution, das in verschiedenen Disziplinen wie Biologie, Sprachwissenschaft oder Ökonomik auftritt, wirft jeweils gleichartige epistemologische und methodologische Probleme auf. Dies deutet darauf hin, dass Evolutionstheorien verschiedene allgemeine Charakteristika gemeinsam haben. Wir arbeiten daran, eine einheitliche konzeptionelle Grundlage aus der Rolle herzuleiten, die die Entstehung und Ausbreitung von Neuigkeit spielt.
  2. Wenn von Evolution die Rede ist, werden oft Metaphern und Analogien gebraucht, die mit der Darwinschen Evolutionstheorie in Verbindung stehen. Neuerdings werden auch direkte Theorietransfers auf der Basis soziobiologischer und anthropologischer Argumente sowie im Rahmen einer Bioökonomik propagiert. Wir untersuchen den dadurch möglichen Erkenntnisgewinn für das Verständnis sozioökonomischer Evolution durch einen grundlegenden Vergleich von biologischer und kulturell-wirtschaftlicher Evolution.
  3. Eine zentrale Rolle in wirtschaftlichen Entwicklungsvorgängen spielt menschliches Lernen. Ein wichtiger Baustein eines evolutionären Ansatzes in den Wirtschaftswissenschaften ist deshalb eine interdisziplinäre Synthese der unterschiedlichen Lernhypothesen. Dabei interessieren uns auch Fragen der Lernmotivation und der Wahrnehmungsänderung. Die Implikationen setzen wir u.a. für eine Weiterentwicklung der evolutionären Spieltheorie ein.
  4. Im Kontext technologischen und institutionellen Wandels in der Wirtschaft stehen die individuellen Lernprozesse stets auch unter kollektiven Einflüssen. Um diese zu erfassen, arbeiten wir mit einem sozial-kognitiven Modell des Lernens. Die kollektiv geteilten Wahrnehmungen von Handlungsmöglichkeiten und deren Konsequenzen verändern sich nach eigenen Gesetzmäßigkeiten. Sie vermögen eine Reihe von Besonderheiten des technologischen und institutionellen Wandels zu erklären.
  5. Auch im Kontext institutionellen Wandels sind kollektive Einflüsse auf individuelles Lernen, z.B. durch kulturelle Faktoren, eine wichtige Randbedingung und Beschränkung. Wir nutzen sozial-kognitive Lernmodelle, um Pfadabhängigkeiten im Transformationsprozess der ehemals sozialistischen, osteuropäischen Volkswirtschaften zu untersuchen und seine Begleiterscheinungen zu erklären.
  6. Wirtschaftliches Handeln in Organisationen wird durch das Situationsverständnis und die Pläne der Beteiligten geprägt. Auch hier spielen unter dem Einfluss sozial-kognitiven Lernens kollektiv geteilte Wahrnehmungen eine entscheidende Rolle. Unsere Hypothese ist, dass sie durch charismatisch vermittelte Visionen des Organisationszwecks geprägt werden und den Organisationserfolg beeinflussen können. Darauf aufbauend entwickeln wir einen neuen Erklärungsansatz für die Lebenszyklen von Firmen, Märkten und ganzen Industrien.
  7. Innovationen sind aus dem Geschehen auf den Märkten in den modernen Volkswirtschaften nicht wegzudenken. Sie treiben Imitationsbemühungen aber auch massive Substitutionsprozesse an. Wie - und bis zu welchem Grade - der Preismechanismus diese zeitlichen Abläufe koordiniert , ist unklar. Wir arbeiten an einer dynamischen Koordinationstheorie, die diese Frage beantworten kann und dabei auch die Rückkopplung zu den Innovationsantrieben in den Märkten berücksichtigt.
  8. Wenn auch deutlich schwächer als bis zur Vorkriegszeit sind Konjunkturschwankungen bis heute ein Merkmal der Marktwirtschaft. Eine dynamische Theorie der Koordination der Märkte bietet dabei auch Ansatzmöglichkeiten für die Erklärung der offensichtlichen Unstetigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung. Wir leiten daraus eine neue Klasse von Modellen mit nicht-linearer Dynamik ab, die die spontanen Beschleunigungs- und Verlangsamungstendenzen in den Sektoren der Volkswirtschaft auf neue Weise erklärt.
  9. Die an Intensität zunehmenden Innovationsbemühungen in der Wirtschaft führen zu einem Anstieg der angebotenen Zahl und Vielfalt von Gütern und Dienstleistungen.Was sind die Voraussetzungen dafür, daß dieses vervielfältigte Angebot von den Nachfragern durch entsprechenden Konsum honoriert wird? Würde ohne die zunehmende Erweiterung des Güter- und Dienstleistungsspektrums Sättigung eintreten und das wirtschaftliche Wachstum langfristig erlahmen? Wir untersuchen den Zusammenhang auf der Basis einer Theorie der Präferenzbildung und -veränderung.
  10. In einer naturwissenschaftlichen Sicht kann man die Wirtschaft als ein dissipatives System auffassen, das über den Verbrauch von Energie und Materie mit seiner natürlichen Umwelt in Beziehung steht bzw. mit dieser ko-evolviert. Wir arbeiten aus dieser Perspektive heraus an einer neuen Interpretation der Theorie der Produktionsfaktoren und der ökologischen Folgen menschlichen Wirtschaftens.
  11. Wirtschaftliche Entwicklungen aus normativer Sicht zu beurteilen - etwa um erwünschte von unerwünschten zu unterscheiden - setzt eine tragfähige Methodik zur volkswirtschaftlichen Bewertung von Prozessen voraus. Um hierfür eine kohärente Grundlage zu schaffen, entwickeln wir ein Fortschritts-Konzept, das anstelle der statischen Wohlfahrtstheorie geeignete Bewertungskriterien bereitstellt.

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