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Ernst Moritz Arndt Universität Greifswald

Aus der Geschichte der Universität Greifswald

Die Alma Mater Gryphiswaldensis, im Jahr 1456 mit den vier klassischen Fakultäten (Theologische, Juristische, Medizinische, Philosophische) als Pommersche Landesuniversität gegründet, ist die zweitälteste Hohe Schule im Ostseeraum. In Deutschland sind nur sechs Universitäten älter: Heidelberg (1386), Köln (1388), Erfurt (1392/1994), Würzburg (1402/1582), Leipzig (1409) und Rostock (1419). Begünstigt durch ihre Lage und den Einfluß der Hanse, entwickelten sich schon in der Frühzeit der Universität intensive Beziehungen zu den nördlichen Nachbarn. Von 1456 bis zur Reformation (1526) studierten hier 476 Skandinavier; 22 Nordeuropäer finden sich unter den Hochschullehrern und sechs unter den Rektoren dieser Zeit. Zu den namhaften Gelehrten gehörten die Juristen Petrus von Ravenna und Johann Oldendorp, die Humanisten Johannes Hadus und Hermann von dem Busche; von den Studenten erlangten später Johannes Bugenhagen, der Reformator Pommerns und Dänemarks, und der Humanist Ulrich von Hutten besondere Bedeutung.

Eine »Krise« nach der Reformation seit 1526 (Unterlagen in Matrikelbüchern etc. fehlen) endete 1539 durch die Erneuerung der Universität 1539; Bugenhagen half indirekt mit.

1634 vermachte Herzog Bogislaw XIV. von Pommern der Universität das Amt Eldena mit 14000 ha, wodurch sie zur größten Grundbesitzerin unter allen deutschen Universitäten wurde, was sie bis 1945 auch blieb. Im Westfälischen Frieden 1648 fiel Vorpommern mit der Universität Greifswald an Schweden, dessen Wissenschaftspolitik sie bis 1815 prägte. Besonders im ausklingenden 18. Jahrhundert erlangte sie als Kulturbrücke zwischen Schweden und Deutschland neue Bedeutung: mehr als 1500 Schweden studierten oder wirkten hier als Wissenschaftler, so auch der Philosoph Thomas Thorild (1795­1808). Das Hauptgebäude in der Domstraße, ein besonders repräsentatives Kollegiengebäude, errichtete zwischen Jahren 1747 und 1750 der Greifswalder Mathematikprofessor Andreas Mayer im Stil des norddeutschen Spätbarock. Ein »Kleinod« darin ist seine Aula, die ehemalige Bibliothek. Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald heißt die Hochschule seit dem 20. Juni 1933. Ernst Moritz Arndt, 1791 Theologiestudent der Universität, lehrte hier, mit Unterbrechungen, von 1800 bis 1811 als Historiker. Von hier aus veröffentlichte er seine sozialkritische Schrift »Versuch einer Geschichte der Leibeigenschaft in Pommern und Rügen«, sein Werk »Germanien und Europa« sowie den ersten Teil von »Geist der Zeit«.

1815 ging Schwedisch-Pommern mit der Universität Greifswald in preußischen Besitz über; die Universität wurde so die älteste Hohe Schule Preußens. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sie sich zu einer modernen universitas litterarum. Neben der Medizin, die ein eigenes Klinikviertel erhielt, erblühten besonders die Juristische Fakultät, die Theologische Fakultät, die Altertumswissenschaften und die Philologien. Während der Weimarer Republik wurde das Spektrum der Hochschule noch einmal erheblich erweitert (Nordisches Institut, Gustaf-Dalman-Institut für Palästinawissenschaften, Victor-Schultze-Institut mit christlich-archäologischer Sammlung, Biologische Forschungsanstalt auf der Insel Hiddensee).

Zum Lehrkörper der Universität gehörten berühmte Wissenschaftler wie die Theologen August Hermann Cremer (1870­1890), Victor Schultze (1883­1937), Gustaf Dalman (1917­1940), die Juristen Georg Beseler (1842­1859), Wilhelm Julius Planck (1846­1850) und Bernhard Windscheid (1852­1857), die Hygieniker und Virologen Friedrich Loeffler (1888­1913) und Paul Uhlenhuth (1899­1906), die Virchow-Schüler Friedrich Grohe (1858­1886) und Paul Grawitz (1885­1921), die Mediziner Heinrich Helfferich (1885­1895), August Bier (1899­1903), Ferdinand Sauerbruch (1905­1907), Gerhard Domagk (1923­1925, Medizinnobelpreis 1939/1947), Gerhardt Katsch (1928­1957), die Historiker Otto Seeck (1887­1907), Ernst Bernheim (1883­1921), Adolf Hofmeister (1921­1956), die Klassischen Philologen Ulrich v. Wilamowitz-Moellendorff (1876­1883) und Eduard Norden (1893­1898), die Germanisten Alexander Reifferscheid (1877­1904), Gustav Ehrismann (1909­1924), Gerhard Steiner (1960­1968), der Philosoph Günther Jacoby (1909­1958), die Romanisten Edmund Stengel (1896­1919) und Victor Klemperer (1947­1948), der Geograph Rudolf Credner (1881­1908), der Geologe Sergej v. Bubnoff (1928­1950), der Paläontologe Otto Jaekel (1900­1928), die Physiker Johannes Stark (1917­1922, Physiknobelpreisträger 1919) und Gustav Mie (1902­1917), die Mathematiker Felix Hausdorff (1913­1921) u. Wilhelm Blaschke (1911­1913), die Chemiker Jakob Meisenheimer (1918­1923) und Karl Fredenhagen (1923­1945).

In Greifswald studierten Friedrich Ludwig Jahn (1802­1803), der Afrikaforscher Gustav Nachtigal (1855­1857), der Dichter Hermann Löns (1886/87), die Chirurgen Theodor Billroth (1848/49) und Carl Ludwig Schleich (1882 und 1887).

Der letzte Rektor bis 1945, der Vor- und Frühgeschichtler Carl Engel, starb 1947 im Konzentrationslager Fünfeichen bei Neubrandenburg. Sein gewählter Nachfolger als Rektor, der Neutestamentler Ernst Lohmeyer, wurde am Tag vor der Wiedereröffnung der Universität am 14. Februar 1946 von der sowjetischen Geheimpolizei verhaftet; am 19. September 1946 in Greifswald erschossen, ist er seit August 1996 endlich vollständig rehabilitiert.

Die Universität begann am 15. Februar 1946 neu ­ ohne die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät; nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war die Universität von der sowjetischen Besatzungsmacht geschlossen worden. Der gesamte Grundbesitz ging 1945 durch die »Bodenreform« verloren. Die 1946 in Anknüpfung an ältere Greifswalder Traditionen gegründete Landwirtschaftliche Fakultät mußte unter staatlichem Druck 1950 wieder aufgelöst werden. Die 1946 auf Weisung der sowjetischen Dienststellen gegründete Pädagogische Fakultät ging 1955 in der Philosophischen Fakultät auf. Aus dieser wurden 1951 die Mathematik und die naturwissenschaftlichen Disziplinen ausgegliedert und die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät gebildet. 1955 kam es zu einem Streik von Medizinstudenten (was langjährige Haftstrafen nach sich zog) gegen die Umwandlung der Human- in eine (Ende 1989 endende) Militärmedizinische Fakultät.

Im Zuge der sogenannten »3. Hochschulreform« in der DDR wurden 1968/69 die Fakultäten in ihrer klassischen Form und ihre nachgeordneten Institute aufgelöst und 16 »Sektionen« sowie der Bereich Medizin gebildet. Die Fakultäten existierten nur als Teilgremien und Abteilungen eines »Wissenschaftlichen Rates« weiter. In dieser Form überdauerten wenigstens nur mit geringfügiger Namensänderung die Medizinische Fakultät und die Mathematisch-Naturwissenschaftliche. Die Philosophische Fakultät hieß dann Gesellschaftswissenschaftliche, die Theologische Fakultät wurde als Rat der Sektion Theologie weitergeführt.

Das alles ist »Geschichte«. Die Vereinigung Deutschlands erlaubte die Beseitigung der Umformungen der 45 Jahre bis Ende 1989. Autonomie der Universität, deren akademische Selbstverwaltung und die Freiheit von Wissenschaft und Kunst, von Lehre und Studium wurden in der neuen Staatsform wiederhergestellt. Schon im Dezember 1989 wurde die Theologische Fakultät wiedergegründet. Die wiedergegründete Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät ­ also Juristen und Wirtschaftswissenschaftler unter dem Dach einer Fakultät ­ begann im Sommersemester 1991 mit der Ausbildung von 200 Studenten.

Die Idee der Universitas verwirklicht wieder ein Fächerkanon in Forschung und Lehre aus der Theologie, den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, den Geisteswissenschaften, der Mathematik und allen Naturwissenschaften, den folgende fünf Fakultäten vertreten: Theologische, Rechts- und Staatswissenschaftliche, Medizinische, Philosophische, Mathematisch-Naturwissenschaftliche.

In der Hansestadt Greifswald leben knapp 55000 Einwohner mit Hauptwohnsitz. An der Universität hören gut 6700 Studierende bei zur Zeit etwa 210 Professoren und Professorinnen


 

Ernst Moritz Arndt Universität Greifswald
Domstraße 11
17487 Greifswald
Tel: +49 (0)3834-86 0

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Weitere Informationen: http://www.uni-greifswald.de/