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Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen


Gründung

Die "Königlich rheinisch-westfälische Polytechnische Schule zu Aachen" wurde am 10. Oktober 1870 eröffnet. Paragraph 1 ihres Verfassungsstatuts hielt fest, dass es sich bei der ersten Schule dieser Art in den Rheinlanden um eine "Technische Hochschule" handelt. Ihr erklärtes Ziel: Den wissenschaftlichen Nachwuchs für die Industrie des Ruhrgebiets heran zu bilden. Mit 32 Lehrern und 223 Studierenden nahm das Polytechnikum im repräsentativen Gründungsbau am Templergraben - dem heutigen Hauptgebäude - seinen Dienst auf.

 
 Das Polytechnikum zu Aachen 1870

Der Weg bis zur Gründung begann jedoch schon Jahrzehnte vorher. Die Anstrengungen um die Ansiedlung einer natur- und ingenieurwissenschaftlich ausgerichteten Lehranstalt nahmen erstmals im Jahre 1858 konkrete Formen an, als der damalige Aachener Regierungspräsident Friedrich Christian Hubert Kühlwetter dem preußischen Prinzen Friedrich Wilhelm die Summe von 5.000 Talern zur Gründung einer polytechnischen Schule in den Rheinlanden übergab. Diese Stiftung ist auf den Direktor der Aachener Feuerversicherungsgesellschaft Friedrich Adolph Brüggemann zurück zu führen - eine Einrichtung, mit deren Nachfolgeinstitution die RWTH noch heute aufs engste verbunden ist. Der stattliche Betrag wurde auf dem preußischen Grenzbahnhof Herbesthal dem späteren Kaiser Friedrich III. anlässlich seiner Rückkehr von der Hochzeit mit der Prinzessin Victoria aus London überreicht. Damit sollte eine Anregung zur Gründung eines polytechnischen Institutes in der Rheinprovinz gegeben werden.

Nach jahrelangen Verhandlungen über den Sitz dieser Einrichtung setzte sich Aachen gegenüber seinen Mitbewerbern Köln, Düsseldorf und Koblenz dank des nachhaltigen Einsatzes der regionalen Wirtschaft als Standort für die neue Einrichtung endgültig durch. Im Jahre 1865 erfolgte die Grundsteinlegung des Hauptgebäudes. Die feierliche Eröffnung fand während des deutsch-französischen Krieges statt. Zehn Jahre später wurde mit dem neuen Verfassungsstatut das Direktorat in ein Rektorat umgewandelt, ab sofort lautete die offizielle Bezeichnung "Königlich Technische Hochschule". Im Jahre 1899 erhielt die Hochschule das lang umkämpfte Promotionsrecht.

 
 Das Reiff-Museum und die Architekturabteilung der Hochschule, erbaut 1906/1909


Die beiden Weltkriege

Der Erste Weltkrieg beeinträchtigte stark die Arbeit der Hochschule. Erst in den Jahren von 1925 bis 1932 konnte man wieder an die prosperierende Zeit der Jahrhundertwende anknüpfen. Zahlreiche Erweiterungs- und Neubauten belegen das Wachstum dieser Zeit.

Die Nationalsozialisten schalteten auch die RWTH gleich: Die Freiheit von Lehre und Forschung erfuhr nachhaltige Einschränkungen. Führende Dozenten wurden zum Ausscheiden gezwungen, Studierende der Hochschule verwiesen. Die Grenzen zum Westen wurden abgeriegelt. Dies führte zum Abbruch der nachbarschaftlichen Beziehungen nach Frankreich, Belgien und den Niederlanden. Die Zahl der Studierenden ging auf unter 1.000 zurück.

Der Zweite Weltkrieg brachte drastische Einschnitte. Wegen der Grenznähe wurde die Hochschule 1939 für zwei Semester geschlossen. Danach erfolgte nur eine teilweise Wiederaufnahme des Lehrbetriebs mit verringerter Studierendenzahl. Viele Institute wurden ausgelagert, so dass der Betrieb nur unter starken Einschränkungen aufrecht erhalten werden konnte. Vor der Befreiung der Stadt durch die Alliierten im Spätherbst 1944 siedelte die Hochschul-Verwaltung nach Dillenburg über.

 
Nachkriegszeit

Nach dem Kriege erfolgte der Ausbau der RWTH Aachen rasch und systematisch. Durch die schnelle Entwicklung der Natur- und Ingenieurwissenschaften wuchsen zahlreiche neue Aufgabengebiete in den Rang eigenständiger wissenschaftlicher Disziplinen. Fachrichtungen, die schon früher vertreten waren, entwickelten sich so rasant, daß eine Aufteilung des Stoffes auf mehrere Lehrstühle erforderlich wurde. In den Grundlagenfächern führte der rasante Anstieg der Immatrikulierten zur Einführung von Parallel-Lehrstühlen. Im Jahre 1961 erhielt die Elektrotechnik eine eigenständige Fakultät. 1965 wurde die Philosophische Fakultät gegründet. Ein Jahr später folgte die erste Konstituierung einer Medizinischen Fakultät an einer Technischen Hochschule, nachdem die ehemals Städtischen Krankenanstalten in die Verwaltung der Hochschule übergegangen waren. Nur kurze Zeit später wurde mit der Planung des Neubaus der Medizinischen Einrichtungen begonnen, der am 21. März 1985 auf dem Erweiterungsgebiet der Hochschule Seffent/Melaten nahe der niederländischen Grenze seiner Bestimmung übergeben wurde. Aus der Philosophischen Fakultät ging 1986 die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät hervor. Damit verfügt die RWTH Aachen bis auf wenige Ausnahmen über einen vollständigen Fächerkanon. Fachgebiete wie Biologie oder Informatik erhielten dabei eine klare technische Orientierung. Die Schwerpunkte in den natur- und ingenieurwissenschaftlichen Bereichen erfuhren durch die enge, vielfältige Zusammenarbeit mit den anderen Disziplinen nachhaltige Impulse. Neben den insgesamt neun Fakultäten haben sich inzwischen Interdisziplinare Foren als fach- und fakultätsübergreifende Zusammenschlüsse etabliert und nachhaltig bewährt.

 
Die RWTH Aachen heute

Heute setzt sich die Hochschule aus 260 Lehrstühlen und Instituten sowie aus 170 Lehr- und Forschungsgebieten zusammen. Zum Wintersemester 1999/2000 waren 30.000 Studierende in über 75 Studiengängen eingeschrieben. Über 4.000 Erstsemester beginnen jährlich ihr Studium an der RWTH, rund 3.700 Absolventen verlassen die Hochschule im Jahr mit Diplom, Magister oder Staatsexamen, rund 900 mit der Doktorurkunde. 76 Prozent der Studierenden kommen aus Nordrhein-Westfalen, 13 Prozent aus dem übrigen Bundesgebiet, 11 Prozent aus dem Ausland. Der größte Teil der Studierendenschaft ist in den ingenieurwissenschaftlichen (48 Prozent) und mathematisch-naturwissenschaftlichen (16 Prozent) Fächern eingeschrieben (Gesellschaftswissenschaften: 27 Prozent, Medizin: 9 Prozent).

Die Hochschule ist Arbeitgeberin für fast 11.000 Beschäftigte: 400 Professoren, 1.900 Wissenschaftliche und 6.100 Nichtwissenschaftliche Mitarbeiter, 1.000 Auszubildende und Praktikanten sowie über 1.500 Drittmittelbedienstete. Damit ist die RWTH die größte Arbeitgeberin und Ausbilderin der Region. Ihr Jahresetat liegt bei über 1 Milliarde Mark und übertrifft in dieser Höhe den städtischen Haushalt. Über 230 Millionen Mark davon kommen in die Hochschule als sogenannte Drittmittel - Zuwendungen für Forschungsprojekte von öffentlichen und industriellen Auftraggebern. Auch damit nimmt die RWTH eine Spitzenstellung bei den bundesdeutschen Hochschulen ein.

Die bauliche Entwicklung konnte mit dem raschen Ausbau der Fakultäten nicht überall Schritt halten. Zwar entstanden im Erweiterungsgebiet Seffent/Melaten eine Reihe Neubauten. Doch im innerstädtischen Kernbereich der Hochschule sowie auf dem Königshügel gibt es nach wie vor räumliche Engpässe.

In den letzten beiden Jahrzehnten betrieb die Hochschule eine gezielte Öffnung im Hinblick auf neue Zielgruppen, mit denen sie in einen fruchtbaren Dialog eintrat. Regionale Industrie, Bürgerschaft, Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, um nur einige dieser Gruppen zu nennen, wurden mit gezielten Veranstaltungsangeboten über die vielfältigen Lehr- und Forschungsthemen an der Hochschule informiert. Exponatbeteiligungen auf der Hannover-Messe Industrie und der CeBIT, Wissenschaftsausstellungen im regionalen Umfeld, die Vortragsreihe "Uni im Rathaus" oder Projektwochen zu Schwerpunktthemen wie "Der künstliche Mensch - Visionen des Machbaren" belegen die Bereitschaft der Hochschule, auch über aktuelle gesellschaftliche Probleme in einen Diskussionsprozess mit dem breiten Publikum einzutreten. Koordinator und Organisator vieler dieser Veranstaltungen ist das Aussen-Institut der Hochschule, das mit umfangreichen Semesterprogrammen den Schulterschluss zwischen Stadt und Hochschule belebt.

Die Verbindungen zwischen Rathaus und Hauptgebäude erfuhren durch ein Abkommen zur engeren Zusammenarbeit aus dem Jahre 1997 eine weitere Intensivierung. In einem Elf-Punkte-Programm wurden Felder beschrieben, auf denen seither ebenso unkompliziert wie umfangreich kooperiert wird. Sichtbares Zeichen ist unter anderem das Aachener Wissenschaftsfest aller Hochschulen und der Stadt, das im Mai 2000 zum zweiten Mal stattfindet. Im Rahmen der städtischen Feierlichkeiten zum Millennium "aachen 2000" ist die Hochschule mit unterschiedlichen Projekten vertreten. Zur Wahl Aachens als europäische Modellstadt des 21. Jahrhunderts auf der Weltausstellung "EXPO 2000" in Hannover gab neben der historischen Komponente und dem europäischen Gedanken insbesondere die starke Technologie-Kompetenz der Hochschule den Ausschlag.

Der Wissenstransfer in die regionale Wirtschaft erhielt in der letzten Zeit zusätzliche Impulse. Seit 1984 haben innovative Existenzgründer aus dem Hochschulbereich rund 450 technologieorientierte Unternehmen innerhalb und außerhalb der zwischenzeitlich entstandenen Gründer- und Servicezentren der Region realisieren können. Bis heute wurde so mehr als 4.000 Arbeitsplätze in zukunftsträchtigen Bereichen direkt geschaffen, zu denen nochmals 4.000 Indirekt geschaffene Arbeitsplätze in den Zulieferbetrieben hinzuzurechnen sind. Einige der Jung-Unternehmen wagten inzwischen den Schritt an die Börse. Dieser Trend wird durch ein jüngst eingerichtetes Gründerkolleg unterstützt. Im Rahmen der bereits bestehenden Kooperationsabkommen mit der Industrie- und Handelskammer zu Aachen sowie der Handwerkskammer Aachen wurde in diesem Zusammenhang die GründerRegion Aachen geprägt, die junge Hochschulabsolventinnen und -absolventen durch vielfältige Maßnahmen bei ihrer Firmengründung unterstützt. Darüber hinaus siedelten sich in Aachen aufgrund der Nähe zur Hochschule eine Reihe ausländischer Unternehmen an: Ericcson, Ford und United Technologies richteten in Aachen Forschungslaboratorien ein. Mitsubishi baute sein europäisches Halbleiterwerk in Nachbarschaft der Hochschule. Nicht zuletzt durch das damit verbundene Technologie-Netzwerk wurde die RWTH Aachen zum Standortfaktor Nummer 1 in der Region.

Neben dieser starken regionalen Einbindung baute die Hochschule ihre internationalen Kontakte in Wissenschaft und Wirtschaft kontinuierlich aus. Insgesamt 70 Partnerschaften sind inzwischen vertraglich fixiert. In vielen internationalen Forschungsverbünden sind Aachener Wissenschaftler beteiligt. Allein im Rahmen von EU-Projekten sind jährlich rund 100 Institute aus allen Fachbereichen eingebunden. Besonderes Augenmerk legt die Hochschule auf die Internationalisierung der Ausbildung. Studienprogramme und Akkreditierungsabkommen mit renommierten Universitäten erlauben den Studierenden der RWTH, wertvolle Ausbildungsbausteine im Ausland zu sammeln. Für Postgraduierte insbesondere aus dem angelsächsischen Raum bietet die RWTH ab dem Wintersemester 1999/2000 insgesamt elf Masterstudiengänge an; drei weitere stehen vor ihrer Einführung. Damit stellt sich die Hochschule auch dem internationalen Bildungswettbewerb


 

Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Templergraben 55
52056 Aachen
Tel: +49 241 80-1
Fax: +49 241 8888 100

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