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Technische Universität Darmstadt


Wegmarken: Zur Geschichte der TU Darmstadt

Am 10. Oktober 1877 verleiht Ludwig IV, Großherzog von Hessen und bei Rhein, der polytechnischen Schule den Titel "Technische Hochschule zu Darmstadt". Mit diesem Namen und dem Abitur als Eingangsvoraussetzung für das Studium erhält die TH Darmstadt den Universitätsstatus. 1899 wird ihr das Promotionsrecht zuerkannt.

Wechselvoll ist die Vorgeschichte von den Anfängen als Höhere Gewerbeschule, die – 1836 gegründet – 1844 ein eigenes Gebäude am Kapellplatz in der Nähe des Alten Pädagog erhält, über die Technische Schule zur Großherzoglich Hessischen polytechnischen Schule im Jahr 1868. Immer wieder flammt auf der politischen Bühne die Diskussion darüber auf, ob sich ein derart armes Land wie das Großherzogtum Hessen eine höhere technische Bildungsanstalt, gar eine Technische Hochschule leisten kann und soll. Selbst nach Gründung der TH bleiben die Studentenzahlen so niedrig, dass 1881/82 offen über die Schließung der neuen Universität debattiert wird.

In dieser schwierigen Situation entscheiden sich Hochschule und Regierung für einen mutigen Schritt nach vorn: Sie errichten an der TH Darmstadt einen Lehrstuhl für Elektrotechnik und schaffen als sechste Fachabteilung eine "elektrotechnische Schule." An keiner anderen technischen Hochschule gab es bis dahin eine eigene Fakultät für Elektrotechnik. Darmstadt setzt sich damit auf diesem zukunftsträchtigen Gebiet an die Spitze der wissenschaftlichen Entwicklung. Das zahlt sich rasch in kontinuierlich steigenden Studentenzahlen aus Von Schließung ist nicht mehr die Rede.

1895 werden die Neubauten an der Hochschulstraße – das Alte Hauptgebäude und das gegenüberliegende Institutsgebäude – bezogen. In den Jahren bis zum ersten Weltkrieg differenziert sich das Fächerangebot aus: Darmstadt baut das Papieringenieurwesen und die Cellulosechemie auf und richtet bereits 1913 einen Lehrstuhl für Luftschifffahrt und Flugtechnik ein. Öffentlich wird zur gleichen Zeit um die "Ausländerfrage" gestritten: Vielen ist der hohe Ausländeranteil unter den Studierenden – 1906 kommen in der Elektrotechnik 75 Prozent der Studenten aus dem zumeist osteuropäischen Ausland – ein Dorn im Auge. Auch in der Studentenschaft gewinnen nationalistische Strömungen immer mehr an Gewicht.

Die Zeit nach dem ersten Weltkrieg ist geprägt von dem Versuch, die überkommenen Strukturen in Hinblick auf moderne gesellschaftliche Anforderungen zu reformieren. Die Ingenieurausbildung soll nicht nur fachlich qualifizieren, sondern zugleich auf Leitungsaufgaben in Wirtschaft und Gesellschaft vorbereiten. So wird 1924 die Fakultät, die bis dahin alle nichttechnischen Fächer umfasst hatte, in eine Mathematisch-naturwissenschaftliche Abteilung und eine Abteilung für Kultur- und Staatswissenschaften aufgeteilt. Flankiert wird dies durch die Aufwertung der Nationalökonomie und Lehraufträge für Politik, Geschichte der Technik und Soziologie.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 schlägt rasch auf die Universitäten durch: Bereits im Oktober 1933 tritt die Verfassung nach dem Führerprinzip in Kraft, der Rektor ist "Führer der Hochschule", vom "Führer des Staates" ernannt. Auch an der TH Darmstadt wird diese "nationale Revolution" von vielen emphatisch begrüßt; so ist es schwer zu sagen, ob 1933 die "Gleichschaltung" der Universität von oben, oder aber eine "Selbstgleichschaltung" erfolgte.

Wie an anderen deutschen Universitäten verlieren auch an der TH Darmstadt jüdische Wissenschaftler ihre Stelle und gehen ins Exil. Unter ihnen ist Guido Herzberg, der in die USA emigriert und 1971 den Nobelpreis für Chemie erhält.

Im September 1944 wird Darmstadt bei einem Bombenangriff zu 80 Prozent zerstört – das gleiche Schicksal trifft die Technische Hochschule. Nach einer kurzzeitigen Schließung 1945, verfügt von den Alliierten, wird sie 1946 wieder eröffnet. Notdürftig richten sich Professoren, Mitarbeiter und Studierende in den zerstörten Bauten ein. Ein Jahr später schon findet der erste Internationale Kongress für Ingenieurausbildung (IKIA) an der TH Darmstadt statt – sein Thema ist die Verantwortung der technischen Intelligenz und wissenschaftlichen Elite in Politik und Gesellschaft. Angesichts der verheerenden Folgen des Krieges verpflichten sich die Teilnehmer, Forschung und Lehre in den technisch-naturwissenschaftlichen Disziplinen in Zukunft ausschließlich für friedliche Zwecke zu betreiben.

Die Zeit des Wiederaufbaus nach dem Krieg mündet in den 60er Jahren in eine großangelegte Ausbauphase, mit der Hochschulen und Staat auf die ständig steigenden Studentenzahlen reagieren. Da freie Flächen im Stadtzentrum kaum zur Verfügung stehen, fällt 1963 die Entscheidung für einen zweiten TH-Standort auf der Lichtwiese. Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre entstehen dort zahlreiche Institutsbauten und eine neue Mensa.

Von der Studentenbewegung angestoßen, wird nach 1968 auf Bundes- und Landesebene die Hochschulreform vorangetrieben. Sie zielt auf überschaubare Strukturen und auf die Mitwirkung aller Hochschulgruppen an den Entscheidungen. Die TH Darmstadt erhält mit dem Inkrafttreten des Hessischen Universitätsgesetzes 1970 eine Präsidialverfassung und gliedert sich seither in Fachbereiche.

Ab Mitte der 70er Jahre steigen die Studentenzahlen Jahr für Jahr sprunghaft an: Der personelle Ausbau bleibt dagegen deutlich zurück, so dass schließlich nur der Ausweg von bundesweit geltenden oder TH-intern festgelegten Zulassungsbeschränkungen bleibt. Trotz dieser "Überlast" stellt die Hochschule in diesen Jahren wichtige Weichen für die Zukunft: 1974 wird der neue Fachbereich Informatik eingerichtet, 1987 nimmt das Zentrum für Interdisziplinäre Technikforschung (ZIT) an der TH Darmstadt seine Arbeit auf, 1989 wird der Fachbereich Materialwissenschaft gegründet, der einen eigenen Studiengang anbietet und 1996 sein Gebäude auf der Lichtwiese bezieht.

Um den – vom Fächerspektrum und ihrem Rechtsstatus her seit mehr als hundert Jahren bestehenden – Universitätsrang national wie international zu verdeutlichen, erhält die Hochschule am 1. Oktober 1997 den Namen Technische Universität Darmstadt.

Eine Dokumentation der Geschichte der TU Darmstadt ist als Print-Publikation unter dem Titel "Technische Bildung in Darmstadt - Die Entwicklung der Technischen Hochschule 1836 - 1996" erschienen und beim TUD-Archiv erhältlich.


 

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