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Hochschule Mittweida

1867 Technikum 1935 Ingenieurschule
1969 Ingenieurhochschule 1992 Fachhochschule

  Am 7. Mai 1867 gründete der aus Mannheim stammende Ingenieur Carl Georg Weitzel, unterstützt von den ansässigen Unternehmen und der Kommune, im Theaterhaus der Stadt das "Technicum Mittweida". Diese von ihm als private Ausbildungsstätte geführte Einrichtung zur Ausbildung von Maschinenbau-Ingenieuren zog schon bald zahlreiche Studierende an, schon um die Jahrhundertwende war das "Technicum Mittweida" eine der größten privaten Lehreinrichtungen in Deutschland. Der Freistaat Sachsen war zu dieser Zeit eines der führenden Länder auf dem Gebiet des Maschinenbaus. Maßgeblich trug dazu bei, dass Sachsen schon im Jahre 1861 als erster deutscher Mittelstaat die Gewerbefreiheit einführte. Der Freistaat besaß 1870 das dichteste Eisenbahnnetz aller deutscher Staaten, und Chemnitz war 1871 das Zentrum des deutschen Maschinenbaus noch vor Berlin.

Carl Georg Weitzel erkannte, dass die Industrie neben qualifizierten Arbeitern und Meistern einen mit der industriellen Praxis vertrauten und verbundenen Ingenieur suchte. Die Ausbildung am "Technicum" war, manchmal auch jenseits der offiziellen Bildungspolitik und gelegentlich gegen Schikanen ankämpfend, dieser Vorstellung über viele Jahrzehnte verpflichtet. Man strebte keineswegs danach, das "Technikum" als "Höhere Technische Lehranstalt" den Technischen Hochschulen anzunähern, lehrte aber über dem Niveau der verschiedensten Formen von Berufsschulen. Die Ausbildung begann im Jahre 1867 mit 17 Studierenden, aber bereits 1873 stieg ihre Zahl auf 185 an, so dass die bisher gemieteten Räumlichkeiten nicht mehr ausreichten. Carl Georg Weitzel gelang es, trotz erheblicher finanzieller Probleme, mit dem Vorderhaus des späteren Hauptgebäudes und heutigen "Carl-Georg-Weitzel-Baus", ab 1874 ein erstes eigenes Unterrichtsgebäude nutzen zu können. Zu den weitsichtigen Entscheidungen des Gründers gehörte die Einrichtung von Laboratorien für praktische Übungen und die Einführung des Unterrichtsfaches "Elektrotechnik" im Jahre 1884. Zwei Jahre später stattete man den Hörsaal für Physik mit einer elektrischen Beleuchtungsanlage zu Demonstrationszwecken aus, und 1890 entstanden drei neue Säle für die Elektrotechnische Abteilung. Die Verdienste von Carl Georg Weitzel fanden u. a. 1892 durch die Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Mittweida und des Titels "Kammerrat" ihre Würdigung, aber die großen Belastungen als Direktor, Lehrer, Autor von Lehrbüchern und auch persönliche Schicksalsschläge hatten nach 25jährigen Direktorat seine Gesundheit untergraben.

Mit Alfred Udo Holzt, der als junger Ingenieur am "Technikum" lehrte, übernahm ein Mann die Leitung, der sich als würdiger Nachfolger erwies. Eines der wichtigsten Ziele des neuen Direktors war die Hinwendung zur elektrotechnischen Ausbildung und die Verwirklichung der von ihm erhobenen Forderung, dass "...bei dem Unterricht besonders die praktische Seite zu betonen." sei, die dem erreichten Stand der industriellen Entwicklung entsprach. Bereits 10 Jahre später werden die Verdienste von Alfred Udo Holzt mit der Verleihung des Professorentitels gewürdigt. Zum "Königlich-sächsischen Hofrat" wird er im Jahre 1917 ernannt. Äußerer Ausdruck für die ehrgeizigen Zielsetzungen war der Bau des "Electrotechnischen Instituts", des heutigen "Afred-Udo-Holzt-Baus", eröffnet 1894, und die Inbetriebnahme der "Lehr-Fabrikwerkstätten" im Jahre 1901, drei Jahre später in "Präzisionswerkstätten Mittweida" GmbH umbenannt. In diesem Unternehmen konnten sich Praktikanten auf das Studium vorbereiten, produziert wurden Elektromotoren, Dynamomaschinen, Transformatoren, elektrische Messgeräte, Lehrmittel und Werkzeugmaschinen. Neue Forderungen von Industriezweigen, die im Entstehen waren, berücksichtigte Alfred Udo Holzt frühzeitig, so bot er ab 1909 Lehrveranstaltungen zur Flugzeug- und Automobiltechnik an. Laboratorien für Versuche zur Hoch- und Niederspannungstechnik, für metallografische Untersuchungen, die Einrichtung von Kraftmaschinen-Laboratorien und die weithin bekannte Modellsammlung zeugen von diesen Bemühungen. Die angehenden Elektro-Ingenieure konnten seit 1917 das Fach "Fernmeldetechnik und Funkentelegraphie" belegen, außerdem standen Laboratorien für die Hochfrequenz-, Radio- und Fernmeldetechnik zur Verfügung. In der Mitte der 20er Jahre erreichte das "Technikum Mittweida" mit über 2300 jungen Menschen seine größte Zahl von Studierenden. Die Besucher kamen vor allem aus den europäischen Ländern, aber auch aus Übersee und aus Asien. Zeitweise waren mehr als die Hälfte aller Studenten Ausländer. Trotz des immer noch großen Zuspruchs und des guten Rufes des "Technikums Mittweida" gerieten Ende der zwanziger Jahre die Bildungseinrichtung und schon eher die "Präzise" in finanzielle Schwierigkeiten. In den Jahren der Weltwirtschaftskrise sank die Zahl der Studierenden sehr stark ab, und die Schließung schien unvermeidlich. Verschärft wurde die kritische Situation durch den privaten Charakter der Einrichtung, die den Bestrebungen zur Verstaatlichung aller Schulen entgegenstand. Erst recht nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten bestand für die Weiterführung in der bisherigen Weise keine realistische Möglichkeit mehr.
 
Ab 1935 musste der Name "Ingenieurschule Mittweida" geführt werden, und am 15. Juni 1936 trat Hofrat Professor Alfred Udo Holzt zurück, nachdem er bereits 1929 in den Ruhestand getreten war, die Zeichnungsrechte für alle offiziellen Dokumente aber weiterhin behalten hatte. Nach längeren Verhandlungen erwarb 1938 die Stiftung "Ingenieurschule Mittweida (Höhere Technische Lehranstalt)" die Bildungsstätte. Am 25. Oktober 1938 übernahm Professor Dr.-Ing. habil. Ludwig Zipperer die Leitung. Der Lehrbetrieb konnte bis zum Januar 1945 aufrechterhalten werden. Am 1. November 1947 nahm die "Ingenieurschule Mittweida" den Lehrbetrieb mit den Fachrichtungen Maschinenbau, Elektrotechnik, Landmaschinenbau und Kraftfahrzeugbau wieder auf. Ab 1951 immatrikulierte man ausschließlich Studenten für die Fachgebiete der Elektrotechnik. Zu den Ausbildungsrichtungen gehörten jetzt der Fernmeldegerätebau, der Funkgerätebau, die Licht- und Röhrentechnik, Elektromedizinische Geräte und Röntgenapparate, Technologie der Elektro-Feinwerktechnik, Elektrowärme, Kabel und Leitungen, Elektrische Anlagen und Geräte. Gleichzeitig berief das zuständige Ministerium für Industrie den Ingenieur Martin Schneidereit zum Direktor. Im Sommer des Jahres 1951 begannen die Bauarbeiten zum neuen Laborgebäude, dem jetzigen "Walter-Bruch-Bau". Am 16. Oktober 1953 konnte das neue Laboratoriumsgebäude feierlich eingeweiht werden. In den 60er Jahren verband sich die elektrotechnischen Ausbildung zunehmend mit der Elektronik, und es entstanden neue Spezialisierungen. wie die die Steuer- und Regelungstechnik. Die Ingenieurschule Mittweida gehörte mit ihrer Leistungsfähigkeit zu den erfolgreichsten des Landes, deshalb sah man sie für einen neuen Typ von Hochschulausbildung vor.
 
Am 1. September 1969 fand der feierliche Gründungsakt der "Ingenieurhochschule Mittweida" statt. Zum Gründungsrektor berief das Ministerium Professor Dr. rer. oec. habil. Reinhard Göttner von der Hochschule für Verkehrswesen in Dresden. Er leitete die Hochschule bis 1981. Ihrem Status nach war sie den Universitäten und Technischen Hochschulen gleichgestellt. Sowohl durch die Berufung von qualifizierten Wissenschaftlern zu Hochschuldozenten und Professoren als auch durch den engagierten Einsatz der ehemaligen Fachschullehrer erhöhte sich insgesamt das wissenschaftliche Niveau. Die angehenden "Hochschulingenieure" konnten in den Sektionen "Technologie des elektronischen Gerätebaus" oder "Informationselektronik" die Fachrichtungen "Elektroniktechnologie", "Informationstechnik" oder "Gerätetechnik". Studieren. Ab 1976 führten alle Absolventen der Ingenieurhochschulen den Titel "Diplom-Ingenieur". Das Promotionsrecht zur Erlangung des akademischen Grades "Doktor-Ingenieur" erhielt die Ingenieurhochschule Mittweida 1980. Bald nach ihrer Gründung entstanden an der Ingenieurhochschule Mittweida Forschungsgruppen, von denen einige sehr erfolgreich arbeiteten, neue Laboratorien und Praktika, um das Niveau der Ausbildung zu erhöhen und die angewandte, vorzugsweise interdisziplinäre wissenschaftliche Arbeit, zu fördern. Im Jahre 1976 konnte ein neues Praktikum "Elektroniktechnologie" fertiggestellt werden. Zu Beginn der 80er Jahre entstand allerdings eine der kritischsten Situationen für den Fortbestand der Ingenieurhochschule Mittweida. Die Selbständigkeit sollte zugunsten eines "Anschlusses" an eine Technische Hochschule aufgehoben werden, der Widerstand der Leitung und der Mitarbeiter führte zur Aufgabe dieser Pläne. Das Konzil der Ingenieurhochschule Mittweida wählte 1981 Professor Dr. rer. nat. habil. Gerhard Zscherpe zum Rektor. Trotz zunehmender wirtschaftlicher und politischer Schwierigkeiten im ganzen Land gründete sich 1983 das "Zentrum Elektronischer Gerätebau", und im gleichen Jahr konnte der Neubau der Mensa mit der Bibliothek abgeschlossen werden. 1988 folgte das Laserapplikationszentrum "Lasertechnik und -technologie". Die Ausbildungs- und Forschungslabors zur Nachrichten- und Datenübertragung, zur Opto-Elektronik, zur Mikrorechtechnik, zur Technologie der Mikroelektronik, zur Werkstofftechnik und zur Qualitätssicherung konnten ausgebaut werden und erhielten, im Rahmen der Möglichkeiten, modernere technische Ausstattungen.
 
Im Jahre 1990 wählten die Angehörigen der Ingenieurhochschule Mittweida Professor Dr.-Ing. habil. Reinhard Schmidt mit großer Mehrheit zum Rektor. Unter seiner Leitung gelang es, die Selbständigkeit der Hochschule zu erhalten und den schwierigen Prozess des Neubeginns als Fachhochschule zu meistern. Seinem Willen, der Unterstützung aller Mitarbeiter und vieler ehemaliger Studenten ist es zu verdanken, dass die 125-Jahr-Feier der Bildungseinrichtung im Jahre 1992 in eindrucksvoller Weise bewies, dass die Bereitschaft, sich den neuen Aufgaben und Forderungen selbstbewusst und schöpferisch zu stellen, trotz mancher Widrigkeiten, ungebrochen war. Bereits im Sommersemesters 1991 begann in Mittweida eine achtsemestrige Fachhochschulausbildung im neuen Fachbereich "Wirtschaftswissenschaften" und im Wintersemester 1991/92 folgten die Studiengänge der neugegründeten Fachbereiche "Elektrotechnik / Elektronik", "Maschinenbau / Feinwerktechnik" und "Mathematik / Physik / Informatik". Damit führte die neue Einrichtung ihre ingenieurwissenschaftliche Tradition vorerst fort, wenn auch der Maschinenbau fast 40 Jahre lang Zeit als eigenständige Ausbildung in Mittweida nicht vertreten war. Den Status einer Fachhochschule verlieh der Staatsminister für Wissenschaft und Kunst des Freistaates Sachsen, Prof. Dr. Hansjoachim Meyer, der "Hochschule für Technik und Wirtschaft Mittweida (FH)" in feierlicher Form am 30. Juli 1992. Das Angebot an die Interessenten erhöhte sich bald auf 14 Studiengänge und mit 2600 Studierenden konnte 1995 die bisher höchste Immatrikulationsrate aus dem Jahre 1923 überschritten werden. Bereits 1991 konnte der Sigmund-Schuckert-Bau für die Ausbildung und die Forschung genutzt werde und im Jahre 1993 entstand das Forschungszentrum im TechnologiePark Mittweida. Mit der Übernahme des Standortes Roßwein, der Gründung des Fachbereiches "Soziale Arbeit" und neuen Studiengängen erwuchsen immer wieder Aufgaben und Probleme, die in der ersten Amtszeit von Professor Schmidt gelöst werden mussten. Im Jahre 1996 erhielt Rektor Professor Dr.-Ing. habil. Dr. h.c. Reinhard Schmidt für eine weitere Amtszeit das Vertrauen des Senates. Mit der Errichtung eines Maschinenbau-Laboratoriums, dem "Gerhard-Neumann-Bau", der 1997 feierlich eingeweiht werden konnte, und des neuen Hochspannungslaboratoriums im Wasserkraftwerk Mittweida im darauffolgenden Jahr verbesserten sich die Arbeits- und Studienbedingungen spürbar. Wenig später konnte der Auf- und Ausbau des "Medienzentrums" abgeschlossen werden. Für die sehr begehrten Studiengänge "Medientechnik" und "Medienmanagement" ein unabdingbares Erfordernis. Der neuen Entwicklung trug der verantwortliche Fachbereich mit der Umbenennung in "Medien & Elektrotechnik" Rechnung. Ein den Erfolgen der "Hochschule für Technik und Wirtschaft Mittweida (FH)", ihrer inzwischen gewachsenen Internationalität und auch ihrem Selbstverständnis geschuldeter Antrag auf Namensänderung an das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst des Freistaates Sachsen genehmigte dieses im Jahre 1998. Mit dem Namen "Hochschule Mittweida (FH) University of Applied Sciences" werden nicht nur internationale Gepflogenheiten berücksichtigt, sondern auch das "Wortungetüm" und in ihm die Nichtberücksichtigung wichtiger Bereiche beseitigt. Heute besitzt die "Hochschule Mittweida (FH) University of Applied Sciences" nicht nur zwei Standorte, Mittweida und Roßwein, sondern auch wichtige, mit ihr eng verbundene Einrichtungen:

  • Forschungszentrum Mittweida e.V.
  • Laserinstitut Mittelsachsen e.V.
  • Sensorikzentrum Mittelsachsen e.V.
  • Institut für Technische Akustik und Umweltprozesse e.V.
  • Institut für Medienentwicklung und Förderung der Medienforschung e. V.
  • Management Institut Mittweida e.V.
  • Zentrum für Förder- und Aufzugstechnik Roßwein e.V.

 

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