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Wirtschaft, Wachstum, Wohlstand?! Allmählich dämmert immer mehr Menschen, dass dieser Dreiklang ein globaler Trugschluss sein muss. Allein der Hinweis auf schwindende Ressourcen sollte zum Nach- wie zum Umdenken zwingen.
An der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der TU Dresden geht man noch einige Schritte weiter und widmet sich der Nachhaltigkeit von Beschaffung und Einkauf von Unternehmen und Privathaushalten. Erst jüngst hat das Umweltbundesamt einen Leitfaden erarbeiten lassen, dessen Grundthesen von Lehrstuhlinhaberin Prof. Dr. Edeltraud Günther und ihren Kollegen erstellt worden sind.
„Wir behandeln das Thema der umweltfreundlichen Beschaffung seit gut zehn Jahren“, erläutert die Wissenschaftlerin ihre 1999 als EU-Projekt gestartete Studie. Es habe bereits zuvor eine Unmenge an Richtlinien gegeben, wie Behörden und Ministerien ihre Ausstattung ökologisch möglichst kompatibel handhaben könnten – aber stets ohne eine ernsthafte Konsequenz. Diese Wirkungslosigkeit hat nicht zuletzt auch Prof. Günther erstaunt: „Vielleicht lag das ja nicht an den sehr sinnvollen Vorgaben, sondern an Hemmnissen in der jeweiligen Organisation?“ Um dies zu ergründen, startete sie in mehreren Kommunen gründliche Fallstudien und Befragungen, suchte nach Informationspannen und möglichen Barrieren für „grüne“ Innovationen.
„Eine solche Hemmnisanalyse im Beschaffungsamt des Bundesinnenministeriums, das das elektronische Kaufhaus des Bundes verantwortet, hat für Aufklärung gesorgt und uns klargemacht, wie wichtig der Aufbau von Wissen ist.“ Nicht eine einmalige Analyse und deren Auswertung baut die Hemmnisse umweltverträglicher Beschaffungsmaßnahmen ab, sondern nachträglich abteilungsspezifische Workshops, die neben der puren Information auch Anreize und Sanktionen vermitteln müssten. Oft fehle Sensibilität für die mit Einzelentscheidungen verbundenen Konsequenzen, zum Beispiel in Form von Lebenszykluskosten oder Umweltwirkungen.
Besagter Leitfaden für das Umweltbundesamt könne nun helfen, beim Einkauf von Computertechnik, Möbeln, Fahrzeugen und sonstigem Bedarf auf ökologische Label zu achten, Wert auf vernetzbare, langlebige und energieeffiziente Technik zu legen.
Damit dies im Interesse aller auch für kleinere Firmen und sogar für Privatpersonen möglich wird, ist an der Fakultät eine online verfügbare Hemmnisanalyse entwickelt worden, die derzeit noch von Mitarbeitern des Fachbereichs ausgewertet wird; ein Service, der künftig ausgegliedert werden könnte, um die für andere Forschungsprojekte benötigten Kapazitäten nicht zu binden.
Dass aber der vermutlich größte Arbeitgeber der Welt, die indischen Eisenbahnen das Thema Nachhaltigkeit und die professionelle Beratung durch Wissenschaftler der TU Dresden für sich entdeckt haben, um hier Rat zu suchen, macht Prof. Günther und ihre Mitstreiter stolz.
Kurzfristig wären ihre Forschungsergebnisse darüber hinaus etwa im Gesundheitssystem sowie im Bildungswesen anwendbar, wo aufeinander abgestimmte Konzepte erhebliche Kosten einsparen könnten. Auf lange Sicht müsse aber auch die demografische Entwicklung beachtet werden, weiß Edeltraud Günther und verweist auf den Zusammenhang von sinkender Bevölkerungszahl in Deutschland und gleichzeitig überdimensionierten Abwassersystemen. Wie sollen beispielsweise deren Gebühren in Zukunft zu kalkulieren sein? Und zwar nicht nur in drei Jahren, sondern auch im Jahr 2050.
Im globalen Kontext legt die Wissenschaftlerin Wert darauf, „nicht mit erhobenem Zeigefinger Fehlentwicklungen anzuprangern, sondern kreative Lösungen zu finden, die alle Menschen der Welt erreichen!“ Ihre These dabei: „Wenn die Wirtschaft dank immaterieller Güter wächst, bedeutet das weniger Umweltbelastung.“ Einleuchtend.
Kontaktformular zur Hemmnisanalyse:
http://fak.wwilq.wiwi.tu-dresden.de/hurdles/register.php?lang=de
Informationen für Journalisten:
Prof. Dr. Edeltraud Günther, Tel. +49 351 463-34313
E-Mail: bu@mailbox.tu-dresden.de
Kim-Astrid Magister | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.tu-dresden.de
fak.wwilq.wiwi.tu-dresden.de/hurdles/register.php?lang=de
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