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FiBS-Konzept der Akademikerabgabe bringt Vorteile für alle Seiten

02.09.2010
Das innovative Konzept der Akademikerabgabe, das das Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie entwickelt hat und derzeit in England diskutiert wird, bietet Studierenden, Hochschulen und öffentlicher Hand auch hierzulande viele Vorteile.

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In der aktuellen Diskussion um die Akademikersteuer und nachgelagerte Studiengebühren ist dies die neue chancengerechte Lösung, um den Finanzierungsbedarf der Hochschulen zu decken, und gleichzeitig mehr Studienberechtigte für ein Studium zu gewinnen.


Das vom FiBS – Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie erarbeitete Konzept der Akademikerabgabe beteiligt die Hochschulabsolvent/innen an den Kosten ihres Studiums, ohne die Studierenden während des Studiums zu belasten, und fördert damit den Zugang zum Studium unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten der Studieninteressierten und ihrer Eltern.

Als Alternative zu den Studiengebühren geht die Akademikerabgabe vom Einkommen der Hochschulabsolvent/innen nach dem Studium aus. Nach einem Bachelorstudium werden 3,6 Prozent und nach einem Masterstudium 6,0 Prozent des monatlichen Einkommens fällig. Wer dann 2.000 Euro verdient, zahlt monatlich 120 Euro, wer 5.000 Euro verdient, zahlt 300 Euro als Akademikerabgabe. Wird die Abgabe über 7 Jahre erhoben, summieren sich die öffentlichen Einnahmen auf 10.000 bzw. 25.000 Euro.

Die Akademikerabgabe könnte mit ihren flexiblen Beträgen, die die Situation der Jungakademiker berücksichtigen, die einheitlichen Studiengebühren während des Studiums und starre Rückzahlungsraten danach ersetzen. Wenn im gewählten Beruf, in Teilzeitbeschäftigung oder aufgrund der unterschiedlichen Entlohnung von Frauen und Männern weniger verdient werden kann, ist die Abgabe niedriger als bei Gutverdienenden. Wenn kein Einkommen erzielt wird, etwa in Erziehungs- und Pflegephasen oder bei Arbeitslosigkeit, entfällt die Abgabe. Da das tatsächlich erzielte Einkommen von vielen Faktoren abhängt und für Studienberechtigte noch nicht absehbar ist, müssen sie bei der Akademikerabgabe das Risiko nicht allein schultern – auch wenn die private Rendite eines Studiums mit dem demografisch bedingten Fachkräftemangel steigen wird.

Auch eine Akademikersteuer, wie sie zuletzt der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft vorgeschlagen hat, wäre zwar einkommensabhängig, sie würde aber lediglich in die öffentlichen Haushalte fließen. Die Hochschulen, die weitere Finanzmittel benötigen, um zusätzliche Studienplätze für den steigenden Akademikerbedarf und die doppelten Abiturjahrgänge bereitstellen zu können, würden davon nicht profitieren. Die Akademikerabgabe hingegen könnte, kombiniert mit einem Studienkontenmodell, wie dem vom FiBS entwickelten StudienCredit-Modell, den Hochschulen zusätzliche Mittel beschaffen.

„In Zeiten eines steigenden Akademikerbedarfs ist ein chancengerechtes, flexibles Finanzierungssystem notwendig, das nicht vom Studium abhält, aber auch den Hochschulen den Ausbau der erforderlichen Kapazitäten ermöglicht und den sparsamen Umgang mit Ressourcen auf allen Seiten fördert“, sagt Dr. Dieter Dohmen, der das Konzept 2003 als Erster entwickelte und vorstellte. „Der absehbare Fachkräftemangel wird zu steigenden Einkommen und damit zu steigenden privaten Bildungsrenditen führen, gerade für Akademiker. Ein Hochschulabsolvent kostet die öffentliche Hand fast doppelt so viel wie ein Absolvent der beruflichen Ausbildung. Vor diesem Hintergrund ist es nur gerecht, wenn sich Akademiker an den Kosten ihrer Ausbildung beteiligen“, erläutert der Bildungsökonom und Direktor des Forschungsinstituts.

„Das Modell enthält einen impliziten Risikoausgleich zwischen Gut- und weniger gut Verdienenden, zwischen Eltern und Kinderlosen und zwischen Männern und Frauen. Dies könnte insbesondere für Studienberechtigte, die studieren möchten, aber die hohe Belastung durch Studiengebühren im Studium scheuen oder nicht über genügend Mittel verfügen, ein größerer Anreiz sein zu studieren“.

Die Vorfinanzierung der Akademikerabgabe könnte von der Kreditanstalt für Wiederaufbau ebenso wie von einer privaten Bank übernommen werden. Dabei ist ein weiterer Punkt für den Bildungsökonom wichtig: „Die über die bisherigen Studiengebühren hinausgehenden Einnahmen aus der Akademikerabgabe sollten zumindest teilweise an die Länder fließen, in denen die Akademiker studiert haben. Dies würde auch einen Ausgleich zwischen den Ländern ermöglichen, die viele und die wenige Studienplätze anbieten – unabhängig davon, wo die Hochschulabsolventen anschließend erwerbstätig sind.“

Kontakt: Birgitt A. Cleuvers (FiBS), Tel. 0 30 – 84 71 22 3–20

Birgitt A. Cleuvers | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.fibs.eu

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