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12.02.2010
Münstersche Wissenschaftler definieren die Wohnungsmärkte neu

Gern wird von "dem Wohnungsmarkt" in Deutschland gesprochen. Doch der existiert gar nicht, denn der Wohnungsmarkt in Düsseldorf ist ein gänzlich anderer als der in Ibbenbüren.

Umso wichtiger ist die genaue Definition von regionalen Wohnungsmärkten. Denn will die Politik auf Leerstände oder Knappheiten reagieren, müssen die statistischen Grundlagen stimmen. Plausible Wohnungsmärkte zu definieren, ist das Ziel von Dr. Winfried Michels und Christian Oberst vom Institut für Siedlungs- und Wohnungswesen der Universität Münster. Gefördert wird das Projekt von der Wüstenrot-Stiftung mit rund 100.000 Euro.

Definiert man die Räume zu groß, gehen Informationen verloren. So gibt es, rein statistisch gesehen, einen ausgeglichenen Wohnungsmarkt in Nordrhein-Westfalen, obwohl bekannt ist, dass in Ballungsräumen bezahlbare Wohnungen fehlen. Zu klein dürfen die definierten Räume aber auch nicht sein, weil dann die Wechselbeziehungen zwischen einzelnen Kreisen nicht erfasst werden.

Eines ist klar: An Verwaltungsgrenzen halten sich Menschen nicht, wenn sie sich für einen Wohnort entscheiden. Winfried Michels und Christian Oberst haben wollen deshalb mithilfe von Wanderungsverflechtungen regionale Wohnungsmärkte abgrenzen. "Wanderungsströme, die nicht jobmotiviert sind, bilden am besten die Wohnstandortentscheidungen der Menschen ab. Sie sind deshalb eine sehr gute Grundlage zur Bestimmung regionaler Wohnungsmärkte", erklärt Doktorand Oberst.

Mit Hilfe einer neuen statistischen Methode berechnen die münsterschen Wissenschaftler die Beziehungen zwischen allen Kreisen und kreisfreien Städten deutschlandweit. Je mehr Verflechtungen ein Kreis oder eine Kommune mit anderen hat, desto wahrscheinlicher ist, dass es sich um einen gemeinsamen Wohnungsmarkt handelt.

Konkret betrachten die Wissenschaftler dafür die Umzüge von Menschen zwischen 30 und und unter 18 Jahren. Für 413 Kreise werden die Verflechtungen berechnet, das sind mehr als eine Million Umzüge im Jahr. Auf diese Weise konnte bereits gezeigt werden, dass Münster einen gemeinsamen Wohnungsmarkt mit Coesfeld, Steinfurt, Warendorf und Borken bildet. "Alle Ergebnisse, die wir bisher gewonnen haben, sehen sehr plausibel aus", ist Winfried Michels zuversichtlich.

Brigitte Nussbaum | idw
Weitere Informationen:
http://www.wiwi.uni-muenster.de/insiwo/

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