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Die wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik Deutschland im Mai 2011 [1]

23.05.2011
Die deutsche Wirtschaft läuft auf hohen Touren. Sie setzte ihren Aufschwung im ersten Quartal kraftvoll fort. Nachholeffekte und eine nach kurzer Winterstrenge schnell und kräftig einsetzende Frühjahrsbelebung trugen hierzu bei.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im ersten Quartal 2011 gegenüber dem Vorquartal um 1,5% [2]. Das Vorkrisenniveau von Anfang 2008 wurde damit in realer Rechnung bereits wieder überschritten. Die Impulse kamen überwiegend aus dem Inland und stützten sich vor allem auf Investitionen in Ausrüstungen und Bauten sowie auf die staatlichen und privaten Konsumausgaben. Die Ausfuhren wie auch die Einfuhren nahmen ebenfalls zu. Der Außenbeitrag trug dabei positiv zum Wachstum bei [3].

Nach dem Absturz in der Krise um insgesamt 6,6% und dem Tiefpunkt im ersten Quartal 2009 wächst die deutsche Wirtschaft nunmehr acht Quartale in Folge mit einer Zuwachsrate von durchschnittlich fast 0,9% pro Quartal. Dieses ungewöhnlich starke Wachstum war aufgrund eines Aufholprozesses bei hoher Wettbewerbsfähigkeit, weitgehend vorhandener Kapazitäten und einer gesunden Wirtschaftsstruktur möglich. In einem gerade in Europa nach wie vor teilweise schwierigen wirtschaftlichen Umfeld sowie vor dem Hintergrund weiterer z. B. geopolitischer Risiken dürfte die deutsche Volkswirtschaft im Verlauf des Jahres auf einen etwas moderateren Wachstumspfad einschwenken. Hierauf deuten auch bereits einige nationale und internationale Konjunkturindikatoren hin.

Das Produzierende Gewerbe ist weiter auf Wachstumskurs. Insgesamt nahm die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe bei einem Zuwachs im März um 0,7% im gesamten ersten Quartal um 2,6% zu und knüpfte damit an die Dynamik des Jahresschlussquartals 2010 an. Hierzu trug neben der Industrie auch das Bauhauptgewerbe maßgeblich bei. Die Produktion erhöhte sich zum Vorjahr arbeitstäglich bereinigt um 12,9% und lag nur noch knapp 4 Prozent unter dem Höchststand im ersten Quartal 2008. Die Auftragseingänge in der Industrie verzeichneten im ersten Quartal ein Plus von 2,3%, bei mittlerweile stärkeren Impulsen aus der Inlandsnachfrage. Das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe notierte im April nahe seines Höchststandes. Damit bleiben die Aussichten für die Industrie bei einer voraussichtlich etwas ruhigeren Entwicklung positiv.

Die Produktion im Bauhauptgewerbe stieg im Zuge von Nachholeffekten und einer kräftigen Frühjahrsbelebung im ersten Quartal um ungewöhnliche 15,7%. Der durch die strenge Witterung verursachte Produktionseinbruch zum Jahresende 2010 wurde deutlich überkompensiert. Während die Nachfrage nach Bauleistungen aus dem öffentlichen Sektor bei auslaufenden Konjunkturprogrammen zurückging, erhielten der private und gewerbliche Bau angesichts der guten Konjunktur und niedriger Zinsen kräftige Auftragsimpulse. Insgesamt nahmen die volatilen Auftragseingänge im Januar um 7,6% und im Februar um 8,7% zu. Das Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe hellte sich seit dem Jahreswechsel ebenfalls spürbar auf.

Die privaten Haushalte haben ihre Konsumausgaben im ersten Quartal 2011 auch in realer Rechnung weiter erhöht. Im Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen) nahmen die Umsätze zwar nur leicht um 0,3% zu, der Handel mit Kraftfahrzeugen verbuchte aber einen kräftigeren Umsatzschub. Die Umfragewerte unter privaten Haushalten und Einzelhändlern sind weiterhin überdurchschnittlich positiv. Die günstige Entwicklung der Beschäftigung und die Zunahme der verfügbaren Einkommen wirken sich trotz anziehender Verbraucherpreise positiv aus.

Die Entwicklung des Außenhandels ist weiterhin sehr lebhaft. Die Ein- und Ausfuhren nahmen im März in jeweiligen Preisen um 3,1% bzw. 7,3% zu und erreichten neue Höchststände. Die Ausfuhren an Waren legten im gesamten ersten Quartal 2011 um 3,9% zu, die Einfuhren erhöhten sich um 5,6%. Die reale Rechnung wird allerdings durch die stark anziehenden Im- und Exportpreise gedämpft. Die Rahmenbedingungen für die Außenwirtschaft werden etwas weniger günstig. Die Expansionsgeschwindigkeiten von Weltwirtschaft und Welthandel scheinen etwas abzunehmen und die Frühindikatoren für wichtige Wirtschaftsregionen senden gemischte Signale.

Der Arbeitsmarkt wurde in einem ohnehin günstigen konjunkturellen Umfeld zusätzlich von einer kräftigen Frühjahrsbelebung erfasst. Der saisonbereinigte Beschäftigungszuwachs fiel im März mit 38.000 Personen erneut sehr kräftig aus. Getragen wird er durch die Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, die sich im Februar noch deutlicher um 84.000 Personen erhöhte. Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen bleibt hoch, könnte aber in ihrer Dynamik den Zenit erreicht haben. Trotz nachlassender Entlastungseffekte durch die Arbeitsmarktpolitik sank die Zahl der Arbeitslosen von März auf April saisonbereinigt erneut spürbar um 37.000.

Das allgemeine Preisklima hat sich in den letzten Monaten vor allem durch den starken Anstieg der Rohölpreise spürbar verschlechtert. Der Anstieg der Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich im April auf 2,4%.

Preistreibende Kraft waren erneut die Energiepreise. Die Kerninflationsrate, also der Anstieg der Verbraucherpreise ohne Energie und saisonabhängige Nahrungsmittel, erhöhte sich zwar zuletzt auch deutlich auf 1,6%. Dies war aber unter anderem einem Basiseffekt geschuldet. Der Anstieg der übrigen Preiskomponenten hält sich demnach noch in Grenzen.

Hinweis:
Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der Juni-Ausgabe des Monatsberichts "Schlaglichter der Wirtschaftspolitik" veröffentlicht. Die aktuelle Ausgabe wird voraussichtlich Mitte der 21. Kalenderwoche auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zu finden sein.

[1] In diesem Bericht werden statistische Daten verwendet, die bis zum 16. Mai 2011 vorlagen.

[2] Wenn nicht anders vermerkt, handelt es sich um preis-, kalender- und nach dem Verfahren Census X-12-ARIMA saisonbereinigte Angaben.

[3] Die ausführlichen Ergebnisse zum ersten Quartal werden vom Statistischen Bundesamt am 24. Mai 2011 veröffentlicht.

| BMWi
Weitere Informationen:
http://www.bmwi.bund.de

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