Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik Deutschland im August 2009 [1]

20.08.2009
Zum ersten Mal seit zwölf Monaten ist die wirtschaftliche Entwicklung wieder aufwärts gerichtet.

Nach den kräftigen Rückgängen des Bruttoinlandprodukts im Winterhalbjahr legte die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal vorläufigen Angaben zufolge [2] preis-, kalender- und saisonbereinigt [3] um 0,3 % gegenüber dem Vorquartal zu.

Die weltweiten Konjunkturpakete zeigen Wirkung und tragen gemeinsam mit den geldpolitischen Impulsen dazu bei, dass sich die Weltwirtschaft stabilisiert. Im Saldo hat zuletzt auch die Außenwirtschaft wieder einen positiven Wachstumsbeitrag geliefert. Die zuletzt kräftige Belebung der Auslandsbestellungen in der Industrie dürfte auch in den kommenden Monaten eine Stütze für Produktion und Exporte bilden.

Im Inland kommen die Maßnahmen der Konjunkturpakete zunehmend zum Tragen. Davon profitierten im zweiten Quartal vor allem die privaten Konsumausgaben. Auch die Bauinvestitionen legten den Indikatoren nach zu urteilen zu. Dabei könnten aber Nachholeffekte im Zuge der ungünstigen Witterung in den Wintermonaten eine Rolle gespielt haben. Die privaten Konsumausgaben wurden im zweiten Quartal auch vom ruhigen Preisklima und der bisher noch recht moderaten Eintrübung am Arbeitsmarkt begünstigt. Allerdings bleibt der vorangegangene kräftige Wirtschaftseinbruch insbesondere für den Arbeitsmarkt eine erhebliche Hypothek. Die Probleme im Bankensektor sind auch noch nicht vollständig gelöst. In der Summe bleiben erhebliche Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung.

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe hat sich weiter stabilisiert. Die Gesamterzeugung blieb im Juni preis- und saisonbereinigt praktisch unverändert (-0,1 %), nach einem kräftigen Plus von 4,3 % im Vormonat. Im gesamten zweiten Quartal ging die Erzeugung zwar noch um 0,9 % zurück, aber die Abwärtstendenz ist gebrochen. Die maßgeblichen Impulse für die Stabilisierung kamen zuletzt aus der Industrie, insbesondere aus dem Kraftfahrzeugbereich, der von den stützenden Maßnahmen im In- und Ausland profitierte. Insgesamt stagnierte die Industrieproduktion im Juni (+0,0 %), nach +5,2 % im Mai. Im zweiten Quartal schwächte sie sich noch leicht um 0,4 % ab. Das Vorjahresniveau wurde aufgrund des erheblichen Einbruchs im Winterhalbjahr aber arbeitstäglich bereinigt weiter kräftig unterschritten (zweites Quartal: -21,1 %). Die Bauproduktion verringerte sich im Verlauf im Juni preis- und saisonbereinigt um 1,4 %, konnte im zweiten Quartal insgesamt aufgrund von Nachholeffekten im Zuge der kalten Witterung in den Wintermonaten aber um 2,3 % zulegen.

Die Bestelltätigkeit in der Industrie hat sich im zweiten Quartal ununterbrochen verbessert und bildet so das Fundament für eine Erholung der Industrieproduktion. So stiegen die Bestellungen für industrielle Erzeugnisse im Juni erneut kräftig um preis- und saisonbereinigt 4,5 % an und nahmen im gesamten zweiten Quartal um 6,1 % zu. Insbesondere der Kraftfahrzeugbereich und Zulieferer verzeichneten ein deutliches Auftragsplus. Dass der Tiefpunkt in der Industrie durchschritten ist, wird auch von der anhaltenden Verbesserung der Unternehmensstimmung gestützt. Im Bauhauptgewerbe schwächte sich die Bestelltätigkeit im Mai zwar minimal um 0,2 % ab. In der Dreimonatstendenz ist die Nachfrage nach Bauleistungen aber aufwärts gerichtet (+4,0 %). Auch das Geschäftsklima ist weniger pessimistisch. Zunehmende Impulse erhöht der Bau insbesondere von den anlaufenden öffentlichen Infrastrukturmaßnahmen.

Der private Konsum blieb auch im zweiten Quartal eine Stütze für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Neben dem ruhigen Preisklima und dem insgesamt noch moderaten Abschwung am Arbeitsmarkt trugen hierzu insbesondere die einkommenserhöhenden Maßnahmen der Konjunkturpakete bei. Die weiteren Perspektiven für den privaten Konsum hängen wesentlich von der Entwicklung am Arbeitsmarkt ab. Sollte es hier in den kommenden Monaten zu einer deutlichen Verschlechterung kommen, ist mit spürbaren Bremswirkungen auf den privaten Konsum zu rechnen. Hinzu kommt das Auslaufen der PKW-Umweltprämie. Die Geschäftserwartungen im Einzelhandel haben sich zuletzt stärker eingetrübt.

Die Warenausfuhren in jeweiligen Preisen stiegen im Juni saisonbereinigt kräftig um 7,0 % an. Damit hat sich das Abwärtstempo der Exportentwicklung im zweiten Quartal merklich verringert (-2,8 %). Im Vergleich zum Vorjahr lag die Exporttätigkeit im zweiten Quartal aber nach wie vor deutlich um 25,3 % niedriger (Ursprungswerte). Die Importe gingen tendenziell noch kräftiger zurück als die Exporte, was dazu führte, dass der Außenbeitrag das Wachstum im zweiten Quartal stützte. Trotz Anstiegs der nominalen Wareneinfuhren im Juni um saisonbereinigt 6,8 % verringerten sie sich im Quartalsvergleich deutlich um 6,5 %. Mit der allmählichen Stabilisierung der Weltwirtschaft gestalten sich die weiteren Aussichten für den Außenhandel wieder etwas freundlicher.

Der Arbeitsmarkt hält sich angesichts der Stärke des zurückliegenden Wirtschaftseinbruchs nach wie vor recht stabil. Insbesondere die Kurzarbeit und flexible betriebliche Arbeitszeitregelungen wirken entlastend. Allerdings setzte sich die negative Grundtendenz weiter fort. Im Juni verringerte sich die Erwerbstätigkeit weiter um saisonbereinigt 36.000 Personen. Nach den Ursprungszahlen gab es zuletzt 40,20 Mio. Erwerbstätige und damit 92.000 weniger als vor einem Jahr. Der Aufbau der Arbeitslosigkeit wurde im Juli in saisonbereinigter Rechnung zwar unterbrochen (-6.000 Personen). Hierbei spielten Sonderfaktoren im Zuge der Neuausrichtung der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen aber eine maßgebliche Rolle. Gegenüber dem Vorjahr nahm die Zahl der Arbeitslosen um 252.000 auf 3,462 Mio. zu (Ursprungszahlen). Die Arbeitslosenquote lag zuletzt bei 8,2 % (Juni: 8,1 %).

Das Preisklima ist auf allen Absatzstufen nach wie vor ruhig. Die Verbraucherpreise nahmen im Juli erstmals seit 1987 wieder gegenüber dem Vorjahr ab (-0,5 %). Dies ist insbesondere auf die starken Preisrückgänge bei Energie und Nahrungsmitteln zurückzuführen. Die Kernrate der Verbraucherpreise - ohne Energie und saisonabhängige Nahrungsmittel - lag bei 1,1 %. Im Verlauf blieben die Preise im Juli unverändert (+0,0 %). Während sich Pauschalreisen und Beherbergungsdienstleistungen ferienbedingt verteuerten, gingen die Preise für Heizöl und Kraftstoffe zurück. Konjunkturbedingt ist absehbar nicht mit einer Beschleunigung des Preisauftriebs zu rechnen.

[1] In diesem Bericht werden statistische Daten verwendet, die bis zum 17. August 2009 vorlagen.
[2] Schnellmeldung des Statistischen Bundesamtes vom 13. August 2009.
[3] Wenn nicht anders vermerkt, handelt es sich bei den saisonbereinigten Angaben um Berechnungen nach dem Verfahren Census X-12-ARIMA.

| BMWi
Weitere Informationen:
http://www.bmwi.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Online-Quickcheck »Frugal Innovation Index« macht Unternehmen fit für Entry-Level Produkte
19.04.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Innovationskraft stärken – IAT untersuchte öffentliche und private Innovationsaktivitäten in NRW
12.04.2017 | Institut Arbeit und Technik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI mit neuesten VR-Technologien auf der NAB in Las Vegas

24.04.2017 | Messenachrichten

Leichtbau serientauglich machen

24.04.2017 | Maschinenbau

Daten vom Kühlgerät in die Cloud

24.04.2017 | HANNOVER MESSE