Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Im weltweiten Markt muss Patentstrategie international ausgerichtet sein

18.07.2013
Die Solarbranche erfährt derzeit einen immensen Umbruch, denn die Marktmacht Chinas in der Produktion von Solarzellen ist schwer zu durchbrechen.

Die deutschen Anlagenbauer hingegen profitieren oder profitierten zumindest von dieser Entwicklung. Denn das technische Know-how, also der Technologievorsprung kann nicht einfach kopiert werden.

Eine ganze Reihe von Entwicklungen, auf denen der deutsche Technologie-Vorsprung im Anlagenbau beruht, wurden an Forschungseinrichtungen in Baden-Württemberg gemacht und patentiert. Die TLB GmbH als Partner der Universitäten im Bereich IP-Marketing hat mit ihrer Patentierungsstrategie frühzeitig auf neue Märkte gesetzt.

Die Solarbranche erfährt derzeit – nach vielen erfolgreichen Jahren – einen immensen Umbruch. Die Diskussion über die Strafzölle für chinesische Solarzellen hat es gezeigt: Die Marktmacht Chinas in der Produktion von Solarzellen ist schwer zu durchbrechen. Zu aggressiv ist die Subventionspolitik der chinesischen Regierung – zu niedrig sind die chinesischen Produktionskosten im internationalen Vergleich. „Eine abgestimmte Patentstrategie hätte helfen können, dem Streit um Strafzölle in der Photovoltaikindustrie die Spitze zu nehmen“, so TLB-Geschäftsführer Marcus Lehnen.

Die deutschen Anlagenbauer hingegen profitieren oder profitierten zumindest von dieser Entwicklung. Denn das technische Know-how, also der Technologievorsprung kann nicht einfach kopiert werden. So wurde ein Großteil des Umsatzes der Hersteller von Photovoltaik-Equipment in den vergangenen Jahren in China und anderen asiatischen Ländern gemacht. Aufgrund der Überkapazitäten auf dem Solarzellenmarkt kam es allerdings im letzten Jahr zu einem schmerzhaften Einbruch in den Absatzzahlen.

Eine ganze Reihe von Entwicklungen, auf denen der deutsche Technologie-Vorsprung im Anlagenbau beruht, wurden an Forschungseinrichtungen in Baden-Württemberg gemacht und patentiert. Die Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH als Partner der Universitäten im Bereich IP-Marketing hat mit ihrer Patentierungsstrategie frühzeitig auf neue Märkte gesetzt und für wichtige Technologien Patente im Bereich Photovoltaik international angemeldet. Drei Basispatente wurden auch für China mittlerweile erteilt.

Der Bereich Photovoltaik und Solartechnik stellt einen wichtigen Cluster dar und wurde konsequent ausgebaut. Besonderen Wert legte TLB auf die internationale Anmeldung von Basispatenten. Das bedeutet, dass durch das Patent eine Schlüsseltechnologie abgedeckt wird. Dies ist die Grundlage dafür, dass TLB die Technologie-Lizenzen an deutsche Anlagenbauer vergeben konnte und deren Produkte auch im Ausland und hier speziell in China geschützt sind vor dem einfachen Kopieren.

Beispielsweise kann mit einem an der Universität Konstanz erforschten Verfahren zur Modifikation der Frontseite der Solarzellen der Wirkungsgrad deutlich verbessert werden. „Für Produzenten von Solarzellen ist das höchst relevant“, so Professor Giso Hahn, der die Photovoltaik-Abteilung an der Uni Konstanz leitet. „Bereits eine Steigerung von einem Prozent absolut kann einem Unternehmen mit einer Produktion von etwa 100 Millionen Solarzellen im Jahr einen jährlichen Zusatzumsatz von mehreren Millionen Euro einbringen.“

In den vergangenen Jahren stieg das Verkaufsvolumen weltweit stark an.

In 2012 sind weltweit 34 Gigawatt-Leistung Solarzellen verkauft und installiert worden, in Deutschland ca. ein Viertel davon. Hauptabnehmer für Produktionsanlagen war und ist vor allem China. Anlagenbauer mit Lizenz haben einen erheblichen Wettbewerbsvorteil dadurch, dass sie diese neuen Technologien legal anbieten und deren Kunden Solarzellen auf dem neusten Stand legal herstellen dürfen. Patenterschöpfung nennt man diesen Vorgang. Das bedeutet, dass die Lizenz auch für das Produkt gilt, das mit den lizenzierten Maschinen hergestellt wird, in diesem Fall also die Solarzellen. Da sich der Markt im Bereich Photovoltaik sehr stark nach China verlagert hat, ist ein chinesisches Patent unabdingbar auch für den mittelständischen Anlagenbauer aus Baden-Württemberg. Durch das patentierte Know-how können Solarzellen kostengünstiger hergestellt werden, was wiederum einen unverzichtbaren Wettbewerbsvorteil im internationalen Konkurrenzkampf darstellt. Am Niedergang der deutschen Solarindustrie – Q-Cells, SolarWorld, Sunways und nicht zuletzt Bosch Solar und die Solarsparte von Siemens – ist nachzuvollziehen, wie schnell einst erfolgreiche Firmen im Weltmarkt abgehängt werden können.

Dr.-Ing. Hubert Siller hat die Patentierungsstrategie betreut: „Meiner Erfahrung nach werden Patente entgegen der allgemeinen Meinung als sehr wichtig in der chinesischen Wirtschaft angesehen – gerade in der Photovoltaik. Die chinesischen Firmen sind an einem Wettbewerbsvorteil interessiert und auch bereit, in patentierte Technologien zu investieren. Die Lizenzzahlungen kommen so auch wieder der heimischen Forschung zugute“, erläutert der TLB-Innovationsmanager. „Die Produktion ist zwar nach China verlagert. Aber die Produktion des Equipments und nicht zuletzt die Forschung und Entwicklung findet in Deutschland statt und durch die Lizenzen fließt ein Teil der Investitionen wieder an die Universitäten und andere Forschungseinrichtungen zurück.“

Annette Siller | idw
Weitere Informationen:
http://www.tlb.de
http://cms.uni-konstanz.de/physik/hahn/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Mittelstand 4.0-Kompetenz­zentrum Stuttgart gestartet
29.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index weiter aufwärts gerichtet
23.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten