Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wachstum trotz Bankenkrise - IAT untersucht Beschäftigung im Finanzsektor im internationalen Vergleich

20.05.2015

Trotz weltweiter Bankenkrise im Jahr 2008 ist die Zahl der Beschäftigten in der Finanzwirtschaft in vielen Ländern gestiegen.

Das zeigt eine aktuelle Studie des Instituts Arbeit und Technik (IAT/Westfälische Hochschule) zur Beschäftigungsentwicklung in der Finanzbranche. Während die Medien zunächst vor allem über die mit der Insolvenz von Lehman Brothers freigesetzten Arbeitskräfte und die globalen Finanzplätze berichteten, blieb der Finanzsektor in Großbritannien und den USA von einem dramatischen Einbruch verschont. „In beiden Ländern sind die Schwankungen im Beschäftigungsumfang im Finanzsektor auch langfristig am geringsten“, erläutert der IAT-Forscher Tim Stegmann.


Durchschnittliches Beschäftigungswachstum im Finanzsektor in den Jahren 2000-2012. Die Abbildung basiert auf ILO Daten.

Abbildung: IAT

Andere Länder wurden wesentlich empfindlicher von der Finanz- und Wirtschaftskrise getroffen. Anhand von Daten der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) haben Tim Stegmann und Dr. Stefan Gärtner vom IAT-Forschungsschwerpunkt Raumkapital untersucht, wie unterschiedlich sich der Umfang der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in der Finanzbranche seit dem Jahr 2000 entwickelt hat.

„Auf Grund der Funktion als Finanzintermediator ist ein ausreichend großer Finanzsektor wichtig für die gesamte Wirtschaft. Ein zu großer Finanzsektor kann aber auch zu Dysfunktionalitäten führen“, so Dr. Stefan Gärtner. Im Untersuchungszeitraum stieg der Anteil der Beschäftigten im Finanzsektor an allen Beschäftigten in einigen Ländern erheblich an. Während der Anteil im Jahr 2000 noch zwischen 1,3 und neun Prozent lag, waren es 2012 zwischen 1,5 und elf Prozent.

Insgesamt stieg die Beschäftigung im Finanzsektor in den untersuchten Ländern durchschnittlich um etwa ein Prozent jährlich. In einigen Ländern, in denen während der globalen Krise insgesamt Beschäftigung abgebaut wurde, war die Finanzbranche vom allgemeinen Trend teilweise gar nicht betroffen.

Insbesondere in der Schweiz (durchschnittlich drei Prozent Wachstum jährlich) und Luxemburg (durchschnittlich vier Prozent Wachstum jährlich) hat die Finanzkrise allenfalls den anhaltenden Wachstumstrend verzögert. Ungeachtet globaler Verwerfung stieg die Zahl der Beschäftigten in der Finanzwirtschaft in beiden Ländern erheblich.

Auch in anderen Ländern nahm die Beschäftigung im Finanzsektor – teilweise parallel zur Gesamtbeschäftigung – trotz der Finanzkrise zu. Dazu gehören neben Deutschland auch Finnland, Großbritannien und die USA. „Dabei zeigen die letzten drei Länder jedoch eine deutliche Reaktion auf die Finanzkrise, gemessen an der Beschäftigtenentwicklung. Großbritannien zeigt darüber hinaus den typischen Prä-Krisen-Auf- und –abschwung“, so Dr. Stefan Gärtner.

In einer weiteren Ländergruppe ist der Finanzsektor vor der Krise teils extrem gewachsen. Mit Beginn der Finanzkrise kam es dann zu einem ebenso dramatischen Einbruch mit entsprechenden Verwerfungen am Arbeitsmarkt. Diese Entwicklung lässt sich in Island und Belgien und, in abgeschwächter Form, in Dänemark, Italien und Norwegen beobachten.

In Griechenland und Italien ging zwar die Gesamtbeschäftigung im Zuge der Wirtschaftskrise deutlich zurück, der Beschäftigungsumfang im Finanzsektor hat sich aber von dieser Entwicklung entkoppelt und blieb auf hohem Niveau erhalten. Lediglich in drei der untersuchten Länder - Spanien, Dänemark und Niederlande - kam es seit dem Jahr 2000 zu einem Rückgang der Beschäftigung im Finanzsektor.

Ihre Ansprechpartner: Tim Stegmann, Durchwahl 0209/1707-116, stegmann@iat.eu; Dr. Stefan Gärtner, Durchwahl: 0209/1707-164, gaertner@iat.eu

Weitere Informationen:

http://www.iat.eu/forschung-aktuell/2015/fa2015-04.pdf

Claudia Braczko | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index weiter aufwärts gerichtet
23.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht RWI erhöht Konjunkturprognose für 2017 leicht auf 1,3 Prozent
15.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit