Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vorbild Ruhrgebiet? UDE-Projekt untersucht den Strukturwandel für Südeuropa

17.04.2014

Das Ruhrgebiet hat den Strukturwandel hinter sich, vielen Regionen Südeuropas steht er noch bevor. Dabei können Griechenland, Zypern, Portugal und auch Süditalien durchaus vom Revier lernen, glaubt Prof. Dr. Ansgar Belke.

Der Finanzexperte der Universität Duisburg-Essen (UDE) untersucht, wie die Sorgenkinder der EU aus der Krise kommen können, damit das Gleichgewicht im Euroraum wieder hergestellt wird. Die Stiftung Mercator fördert das Projekt in den nächsten 12 Monaten mit knapp 42.000 Euro.

Lassen sich die früheren Probleme des Reviers überhaupt vergleichen mit solchen, die heute die griechische Region Thessaloniki oder der italienische Mezzogiorno hat? Und setzt nicht das Ruhrgebiet statt auf Kohle und Stahl nun auf Dienstleistungen, während die internationalen Geldgeber umgekehrt von den Schuldenstaaten fordern, Güter zu produzieren, die sich auch exportieren lassen?

„Bei allen Unterschieden gibt es dennoch Parallelen“, erklärt Belke, „etwa eine hohe Arbeitslosigkeit durch einen notwendigen raschen Strukturwandel. Außerdem hat das Ruhrgebiet Erfahrung damit, sich neu aufzustellen – warum sollten andere Länder nicht davon profitieren? Uns interessiert, welche gelungenen Beispiele sich auf Südeuropa übertragen lassen. So könnten die Universitäten als Motor für Innovationen mit der regionalen Wirtschaft verzahnt werden.“

Belke, der einen der begehrten und von der EU finanzierten Jean Monnet-Lehrstühle hat, konnte kürzlich für das europäische Parlament kritisch überprüfen, wie die Troika in den Krisenländern wirkt. Diese gemeinsame Studie mit Daniel Gros, dem Direktor des Brüsseler Centre for European Policy Studies, ist in Politik und Wirtschaft vielbeachtet worden.

So haben die beiden Forscher für Griechenland festgestellt, „dass es natürlich unvermeidlich ist, den Haushalt zu sanieren. Das eigentliche, langfristige Ziel es muss aber sein, die Wirtschaft auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zu führen. Niedrigere Löhne allein garantieren das nicht, vielmehr müssen die Exporte steigen.“

Für Belke kann der wachsende Nord-Süd-Konflikt in Europa deshalb nicht durch weiteres Sparen oder gar EU-Austritte gestoppt werden. „Hartes Sparen ist wichtig, allerdings sollten gleichzeitig Arbeitsmärkte bzw. Verwaltungen in den Krisenländern reformiert werden, und es sollte mehr Investitionen in Triple-A-Ländern wie Deutschland geben“, meint er.

„In unserem Projekt wollen wir deshalb auch herausfinden, ob der Euroraum ausgewogener wird, wenn mehr Geld ins Ruhrgebiet fließt. Für die Verkehrsinfrastruktur etwa. Davon abgesehen, dass griechische Straßen mittlerweile besser als hiesige sind – ins Verkehrsnetz zu investieren, würde mehr Waren und mehr Arbeitskräfte aus dem Ausland bringen. Alle Seiten profitierten.“ Ebenso renditeträchtig könnte es sein, die Energiewende oder die Bildung zu fördern.

Mit seinem Projekt möchte Prof. Ansgar Belke der Politik Empfehlungen an die Hand geben. Vielleicht wird es diese sein: das Ruhrgebiet als Motor für eine stabile EU. Allerdings weiß der internationale Experte, was machbar ist. So will er ebenfalls benennen, wo die polit-ökonomischen Grenzen liegen und welche Optionen es gibt.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Ansgar Belke, Tel. 0201/183-2277, -2276, ansgar.belke@uni-due.de

Ulrike Bohnsack | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-due.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Indikator: Konjunkturampel schaltet von „gelb“ auf „grün“
16.05.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Ergebnisse der IAB-Stellenerhebung für das erste Quartal 2018
30.04.2018 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Im Focus: LZH showcases laser material processing of tomorrow at the LASYS 2018

At the LASYS 2018, from June 5th to 7th, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) will be showcasing processes for the laser material processing of tomorrow in hall 4 at stand 4E75. With blown bomb shells the LZH will present first results of a research project on civil security.

At this year's LASYS, the LZH will exhibit light-based processes such as cutting, welding, ablation and structuring as well as additive manufacturing for...

Im Focus: Kosmische Ravioli und Spätzle

Die inneren Monde des Saturns sehen aus wie riesige Ravioli und Spätzle. Das enthüllten Bilder der Raumsonde Cassini. Nun konnten Forscher der Universität Bern erstmals zeigen, wie diese Monde entstanden sind. Die eigenartigen Formen sind eine natürliche Folge von Zusammenstössen zwischen kleinen Monden ähnlicher Grösse, wie Computersimulationen demonstrieren.

Als Martin Rubin, Astrophysiker an der Universität Bern, die Bilder der Saturnmonde Pan und Atlas im Internet sah, war er verblüfft. Die Nahaufnahmen der...

Im Focus: Self-illuminating pixels for a new display generation

There are videos on the internet that can make one marvel at technology. For example, a smartphone is casually bent around the arm or a thin-film display is rolled in all directions and with almost every diameter. From the user's point of view, this looks fantastic. From a professional point of view, however, the question arises: Is that already possible?

At Display Week 2018, scientists from the Fraunhofer Institute for Applied Polymer Research IAP will be demonstrating today’s technological possibilities and...

Im Focus: Raumschrott im Fokus

Das Astronomische Institut der Universität Bern (AIUB) hat sein Observatorium in Zimmerwald um zwei zusätzliche Kuppelbauten erweitert sowie eine Kuppel erneuert. Damit stehen nun sechs vollautomatisierte Teleskope zur Himmelsüberwachung zur Verfügung – insbesondere zur Detektion und Katalogisierung von Raumschrott. Unter dem Namen «Swiss Optical Ground Station and Geodynamics Observatory» erhält die Forschungsstation damit eine noch grössere internationale Bedeutung.

Am Nachmittag des 10. Februars 2009 stiess über Sibirien in einer Höhe von rund 800 Kilometern der aktive Telefoniesatellit Iridium 33 mit dem ausgedienten...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Mikroskopie der Zukunft

22.05.2018 | Medizintechnik

Designerzellen: Künstliches Enzym kann Genschalter betätigen

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics