Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verschwendete Kompetenz: Qualifikation bei Migranten

07.12.2009
Die beruflichen Kompetenzen vieler Zuwanderer werden in Deutschland verschwendet, weil ihre im Ausland erworbenen Qualifikationen nicht anerkannt werden.

Auf dem Arbeitsmarkt haben sie mangels gültiger Zeugnisse kaum Aussichten, in der Arbeitsvermittlung werden sie als "ungelernt" eingestuft. Ein großer Teil ist deshalb auf Sozialleistungen angewiesen, die bei besserer Arbeitsmarktintegration vermieden oder verringert werden könnten.

Das zeigen aktuelle Untersuchungen des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen zur Erwerbsintegration von Arbeitslosen ausländischer Herkunft. "Jeder Zuwanderer sollte einen Anspruch erhalten, dass im Ausland erworbene Qualifikationen in einem transparenten und einheitlichen Anerkennungsverfahren geprüft werden", fordern die Arbeitsmarktforscher. Für die Studie haben Dr. Martin Brussig, Vera Dittmar und Prof. Dr. Matthias Knuth die Ergebnisse einer Befragung unter mehr als 11. 000 Arbeitslosengeld II - Empfängern ausgewertet, von denen über ein Viertel einen Migrationshintergrund hatte.

Die Ergebnisse zeigen, dass mehr als jeder vierte Bezieher ausländischer Herkunft in seiner Heimat einen Berufs oder Hochschulabschluss erworben hat, der in Deutschland nicht anerkannt wird. Betroffen sind insbesondere Migranten aus mittel- und osteuropäischen Ländern einschließlich der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten sowie Aussiedler. Ihre Beschäftigungschancen sind bei einem ausländischen Abschluss, der in Deutschland nicht anerkannt ist, vergleichbar mit denen eines Bewerbers ohne Abschluss. Dagegen verdoppeln sich die Beschäftigungschancen, so die Autoren der Studie, wenn der ausländische Berufsabschluss in Deutschland anerkannt wurde.

Die Vermittlungsfachkräfte können den Arbeitssuchenden ausländischer Herkunft praktisch keine Unterstützung im Anerkennungsverfahren anbieten - das ergaben die Expertengespräche mit Leitungs- und Fachkräften. Die IAQ-Wissenschaftler raten deshalb, dass eine ungeklärte Anerkennungssituation in einem hierauf spezialisierten Fallmanagement bearbeitet wird.

Bislang ist das Fallmanagement nur für Kunden mit mehrfachen Hemmnissen wie fehlender Qualifikation, langer Arbeitslosigkeit und gesundheitlicher Einschränkungen vorgesehen. Eine fehlende Anerkennung erworbener Qualifikationsabschlüsse stellt zwar eine Hürde bei der Erwerbsintegration dar, ist aber nicht im Katalog der Vermittlungshemmnisse enthalten. Ebenso sollten die Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildungsförderung ausgeschöpft werden, damit erwerbsfähige Hilfebedürftige ihren in Deutschland nicht anerkannten Abschluss nachholen können.

Es sei nicht zu erwarten, dass die bloße Anerkennung der Qualifikationsabschlüsse von Zuwanderern ein Allheilmittel für ihre Beschäftigungsprobleme ist, meinen die IAQ-Wissenschaftler. "Doch die formale Anerkennung ihrer Qualifikationen und Kompetenzen schafft eine wesentliche Voraussetzung für Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt!"

Weitere Informationen: www.iaq.uni-due.de/iaq-report/,

Dr. Martin Brussig, Tel. 0203/379-3931, martin.brussig@uni-due.de; Vera Dittmar, Tel. 0203/379-2499, vera.dittmar@uni-due.de; Prof. Dr. Matthias Knuth, Tel. 0203/379-1821, matthias.knuth@uni-due.de

Redaktion: Claudia Braczko, Tel.: 0170-8761608, E-Mail: presse-iaq@uni-due.de

Beate Kostka | idw
Weitere Informationen:
http://www.iaq.uni-due.de/iaq-report/2009/report2009-08.php
http://www.uni-due.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index weiter aufwärts gerichtet
23.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht RWI erhöht Konjunkturprognose für 2017 leicht auf 1,3 Prozent
15.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise