Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unternehmensumbau mit sozialem Geleitschutz begleiten

10.09.2009
Restrukturierungen wie Fusionen, Schließungen oder Outsourcing belasten Beschäftigte auf allen Ebenen im Unternehmen.

Nicht nur bei den Entlassenen verschlechtert sich der Gesundheitszustand, sondern auch bei denen, die im Unternehmen verbleiben. Betriebe unterschätzen die Auswirkungen der Veränderungen. Wird der Gesundheitsaspekt vernachlässigt, hat das erhebliche Auswirkungen auf die Beschäftigung und Produktivität in Unternehmen, warnt die europäische Expertengruppe zur Gesundheit in Restrukturierungen (HIRES).

Nach dem Konzept des sozialen Geleitschutzes können Unternehmen und Politik die Folgen von Restrukturierungen abmildern und die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter stärken.

Diese und weitere Ergebnisse präsentierte HIRES auf dem Workshop "Gesundheit und Restrukturierung - Innovative Ansätze und Politikempfehlungen", der am 10. September 2009 in der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in Berlin stattfand. Im Mittelpunkt standen die Ergebnisse des gleichnamigen Berichts der Expertengruppe, die im Auftrag der Generaldirektion Beschäftigung der EU-Kommission das bislang stark vernachlässigte Thema untersuchte. Der Workshop in Berlin wurde vom Nachfolgeprojekt HIRES PLUS konzipiert. Das Projekt, das sein Koordinator Dr. Claude Emmanuel Triomphe von ASTREES, Paris, vorstellte, will die von der HIRES-Gruppe entwickelten Forderungen für insgesamt 13 Länder der EU konkretisieren und sie im Kontext der jeweiligen nationalen Erfahrungen diskutieren.

Alljährlich entstehen und verschwinden zehn Prozent der europäischen Unternehmen, und Schätzungen zufolge werden in jedem Mitgliedstaat täglich im Durchschnitt 5 000 bis 15 000 Arbeitsplätze geschaffen und wieder vernichtet. Allein zwischen dem 1. April 2009 und dem 30. Juni 2009 hat der Europäische Restrukturierungsmonitor der EU 370 Fälle von größeren Unternehmensumstrukturierungen erfasst, die in der Bilanz mit 125.000 Arbeitsplatzverlusten und 31.000 Arbeitsplatzgewinnen einhergingen. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg die Zahl der Insolvenzen im 1. Halbjahr 2009 um rund 15 Prozent. 1,4 Millionen Kurzarbeiter in Deutschland werden durch das Instrument der Kurzarbeit vor weiteren Folgen zurzeit geschützt.

Insbesondere vor dem Hintergrund der derzeitigen Krise gewinnen die Ergebnisse von HIRES deshalb an Bedeutung. So ist ein organisatorischer Wandel im Unternehmen immer ein Stressfaktor sowohl für die Entlassenen ("victims"), als auch für die "Verbleibenden" ("survivors"). In Zeiten voller Turbulenzen bleiben jedoch auch Führungskräfte und das Management nicht verschont. Unsicherheiten und Irritationen treten auf allen Ebenen der Organisation auf, was auch manchmal als sozialer Krieg im Unternehmen wahrgenommen werden kann. Dazu entwickeln die Betroffenen bestimmte Strategien - beispielsweise die Bildung von Machtbündnissen, das Ausarbeiten bestimmter Taktiken, das Finden von Sündenböcken, Streitereien, bis hin zu betrügerischem Verhalten oder der Verbreitung falscher Informationen. Zudem macht die Unsicherheit um Arbeitsaufgaben oder Arbeitsplatz nicht am Werktor halt, sondern sie wirkt sich erheblich auch auf Familien, Gemeinden und Regionen oder Branchen aus.

"Die wirtschaftlichen Turbulenzen werden sich auch künftig nicht verhindern lassen", erläutert der Koordinator Prof. Dr. Thomas Kieselbach. "Durch das Konzept des sozialen Geleitschutzes lassen sich die Folgen für die Beschäftigten und das Unternehmen jedoch nachhaltig mildern." Um das Thema Arbeitsplatzunsicherheit bei den Beschäftigten zu verringern, schlägt die Expertengruppe zwei Strategien vor. Zum einen soll die Beschäftigungsfähigkeit durch Maßnahmen im Unternehmen und auf individueller Ebene gestärkt werden. Zum anderen verringern transparente und faire Entscheidungsprozesse vor und während der Restrukturierung die Unsicherheit.

"Insgesamt kommt der sozialen Unternehmensverantwortung (Corporate Social Responsibility, CSR) mehr Bedeutung zu", erklärt Dr. Karl Kuhn, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und Mitglied der Expertengruppe. "So kann das Gesundheitsmonitoring frühzeitig vor problematischen Entwicklungen warnen. Aktive Sozialpläne unterstützen darüber hinaus den Übergang in eine neue Beschäftigung."

Zwölf Handlungsfelder führt HIRES auf, in denen die Unternehmen und Politik tätig werden sollten. Dabei kommt der Kommunikation der Veränderungsprozesse eine besondere Bedeutung zu. Auch die Rolle des betrieblichen Gesundheitsschutzes sollte sich wandeln, um möglichst frühzeitig in die Prävention einsteigen zu können. Zugleich lassen sich hier wichtige Informationen über die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen ermitteln. Auf europäischer und nationaler Ebene fordern die Experten neue Initiativen, die die soziale Unternehmensverantwortung (CSR) stärken. Zudem kann die Politik "Puffer" zur Verfügung stellen beispielsweise durch Kurzarbeit, um die Folgen von Krisen zu dämpfen. Solche "Stoßdämpfer" lassen sich auch auf regionaler Ebene installieren zum Beispiel in Form von Netzwerken oder Beratungsketten für Entlassene.

Alle Ergebnisse, Empfehlungen und Fallbeispiele enthält der Bericht der Expertengruppe HIRES "Gesundheit und Restrukturierung. Innovative Ansätze und Politikempfehlungen", der jetzt auch in deutscher Sprache zum Preis von 24,80 Euro beim Rainer Hampp Verlag, München/Mering, erschienen ist.

Jörg Feldmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.baua.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index startet gut ins neue Jahr
22.02.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IMK-Indikator: Keine Rezessionsgefahr, keine Anzeichen für konjunkturelle Überhitzung
19.02.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Die Entschlüsselung der Struktur des Huntingtin Proteins

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics