Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tuning für die Kampagne - Wirtschaftsinformatiker der TU Darmstadt forschen zum Thema Crowdfunding

04.12.2014

Über Crowdfunding-Plattformen werden immer mehr innovative und kreative Projekte finanziert. Doch welche Faktoren sind für eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne wichtig? Die Darmstädter Wirtschaftsinformatiker Ferdinand Thies und Michael Wessel zeigen, mit welchen Stellschrauben die Ersteller von Crowdfunding-Kampagnen ihre Erfolgschancen verbessern können.

Plattform-Ökosysteme sind am Fachgebiet Information Systems & E-Services von Professor Alexander Benlian am Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften der TU Darmstadt ein Forschungsschwerpunkt.

Ferdinand Thies und Michael Wessel haben sich vor gut einem Jahr insbesondere dem Thema „Crowdfunding“ verschrieben, also der kollektiven Finanzierung von sozialen, kreativen oder unternehmerischen Projekten durch eine Gemeinschaft von Internet-Nutzern.

Rund fünf Milliarden Dollar Umsatz generierten Crowdfunding-Kampagnen im Jahr 2013, und der Markt zeigt wachsende Tendenz. Organisiert werden solche Kampagnen meist über Online-Plattformen wie „Indiegogo“ oder „Kickstarter“, die sich zurzeit auch in Deutschland etablieren. Die Dynamiken auf diesen Plattformen sind ein zentrales Forschungsgebiet von Wessel und Thies.

Sie untersuchten zum Beispiel den Zusammenhang zwischen Aktivitäten in sozialen Netzwerken („Social Buzz“) und dem finanziellen Engagement auf Crowdfunding-Plattformen und legten eine der ersten großen Studien zu solchen Informationsflüssen vor.

6.340 Funding-Projekte verfolgten Thies und Wessel über deren gesamten Zyklus vom Einstellen bis zum Ablauf der Kampagnenlaufzeit. Die Forscher dokumentierten sowohl das Verhalten der Unterstützer auf den Plattformen als auch die mit den Kampagnen in Verbindung stehenden Einträge auf Facebook und Twitter. Dabei konzentrierten sie sich auf „Reward-based“ Crowdfunding, bei dem Unterstützer als Gegenleistung für ihre Investition in eine erfolgreiche Kampagne das entwickelte Produkt bekommen oder eine immaterielle Gegenleistung, wie zum Beispiel eine Gastrolle in einem Film.

Die Studie zeigte: Electronic word-of-mouth (eWOM), also virtuelle Mund-zu-Mund-Propaganda, ist ein entscheidender Erfolgsfaktor bei Crowdfunding-Kampagnen. Eine Welle von „Social Buzz“ sorgt für nachhaltige Unterstützung von Kampagnen. Dabei waren aber Unterschiede zwischen uni- und bidirektionalen sozialen Netzwerken zu beobachten. „Facebook funktioniert deutlich besser als Twitter“, sagt Thies. Wessel erläutert: „Empfehlungen basieren auf Vertrauen und das ist durch die engeren sozialen Verbindungen zwischen Facebook-Nutzern stärker ausgeprägt.“

Wer Freunden über Facebook Crowdfunding-Kampagnen empfiehlt, möchte entweder Einschätzungen sammeln oder vom positiven Image des jeweiligen Projektes profitieren. Hier spielt das Vertrauen eine zentrale Rolle.

Wessel und Thies schließen aus den gewonnenen Daten, dass Kampagnen-Ersteller rege in sozialen Netzwerken partizipieren und auch ihre Unterstützer ermutigen sollten, die Kampagne mit ihren Freunden zu teilen. Außerdem sei es unbedingt ratsam, unterstützungswillige Freunde und Verwandte zu einem frühen Einstieg zu bewegen.

Wie kritisch der Beginn einer Kampagne ist, dokumentierten Thies und Wessel in ihrer Veröffentlichung „Erfolg von Crowdfunding-Kampagnen frühzeitig erkennen: Erfolgsprädiktoren auf Kickstarter und Indiegogo“. „Drei Viertel derer, die in der ersten Woche der Kampagnenlaufzeit ein Viertel des Finanzierungsziels erreichen, können auch die Gesamtsumme erzielen. Nur 10 Prozent der Kampagnen, die diese Hürde nicht schaffen, sind erfolgreich“, sagt Wessel.

Unterschiede fanden die Forscher auch zwischen den beiden marktbeherrschenden Plattformen, die unter anderem auf deren jeweiliges Finanzierungsmodell zurückzuführen sind. Bei Kickstarter gilt die Regel, dass die gesammelten Beiträge nur dann ausgezahlt werden, wenn das Finanzierungsziel erreicht wurde, ansonsten gehen die Beiträge wieder zurück an die Unterstützer.

Bei Indiegogo gibt es diese Regel dagegen nicht. Verlangt die Projektidee nach einem definierbaren Grundkapital, eignet sich die Plattform Kickstarter. „Dort erzielen Kampagnen im Schnitt auch höhere Summen“, so die Forscher. Geht es um eine zusätzliche finanzielle Unterstützung, empfiehlt sich die Plattform Indiegogo, da dort stets alle Beiträge ausgeschüttet werden.

Und nicht alles, was nach einem guten Crowdfunding-Vorhaben klingt, ist auch eines. „Kreative Projekte – Filme, Foto- oder Musikprojekte – funktionieren gut“, sagt Thies. „Die Nutzerinnen und Nutzer der sozialen Netzwerke teilen sie gern, um vom positiven Image selbst etwas mitzunehmen.“ Bei sozialen Projekten greife dagegen eine Art „Zuschauereffekt“ nach dem Motto: „Da ist ja schon einiges zusammengekommen, da brauche ich nicht mehr zu spenden.“

Ferdinand Thies und Michael Wessel promovieren derzeit im Bereich der Plattform-Ökosysteme mit Fokus auf Crowdfunding. Das Thema der vielfältigen dynamischen Faktoren, die solche Plattformen bestimmen, ist für sie noch nicht ausgereizt. „Es gibt viele Stellschrauben, mit denen man den Erfolg einer Kampagne beeinflussen kann“, sagt Wessel. „Da gibt es noch genug zu tun für die Forschung.“

Hintergrund: Empfehlungen für Crowdfunder

… positiv wirken sich bei einer Kampagne aus:
großes soziales Umfeld des Projekterstellers, Wahl der richtigen Plattform, Einbindung eines Videos in die Beschreibung, regelmäßige Updates, Einbindung sozialer Medien, Erwähnung des Projektes auf der Startseite der Plattform, Start der Kampagne montags oder dienstags, gute Prognose über benötigte Ressourcen, Ermunterung der Unterstützer, auch nach der Spende über das Projekt in sozialen Medien zu kommunizieren

…. negativ wirken sich bei einer Kampagne aus:
Rechtschreibfehler in der Projektbeschreibung, zu lange Kampagnen-Laufzeiten, künstlich niedrig gehaltene Finanzierungsziele

Pressekontakt:
TU Darmstadt
Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften
Fachgebiet Wirtschaftsinformatik: Information Systems & E-Services

Ferdinand Thies, M.Sc.
Tel.: 06151/16-76007
E-Mail: thies@ise.tu-darmstadt.de

Michael Wessel, M.Sc. M.A.
Tel.: 06151/16-76009
E-Mail: wessel@ise.tu-darmstadt.de

MI-Nr. 83/2014, sip

Silke Paradowski | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Wert fest „im grünen Bereich“ - IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr sinkt auf nur 5,1 Prozent
14.09.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Konjunkturprognose: Deutsche Wirtschaft nähert sich der Hochkonjunktur
07.09.2017 | Institut für Weltwirtschaft (IfW)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie