Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Trotz schwächeren Wirtschaftswachstums droht keine Rezession

15.09.2014

Das RWI senkt seine BIP-Prognose für dieses Jahr von 2,0 auf 1,5%, für 2015 von 2,2 auf 1,8%.

Auch wenn sich die konjunkturelle Dynamik in Deutschland abgeschwächt hat, sind keine Anzeichen einer beginnenden Rezession zu erkennen. Getrieben von der Inlandsnachfrage dürfte der Aufschwung im Laufe des kommenden Jahres wieder an Schwung gewinnen.

Die Zahl der Arbeitslosen dürfte leicht rückläufig sein und die Inflation voraussichtlich zunehmen. Auch die internationale Konjunktur hat sich in der ersten Jahreshälfte etwas abgeschwächt. Die geopolitischen Konflikte hatten bisher noch keine nennenswerten konjunkturellen Wirkungen, sind aber ein Risiko für den weltwirtschaftlichen Aufschwung.

Die deutsche Konjunktur hat sich im Frühjahr dieses Jahres deutlich verlangsamt. Zwar war der Rückgang der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal zum Teil Folge der ungewöhnlich milden Witterung im ersten Quartal. Allerdings scheint sich auch die konjunkturelle Dynamik abgeschwächt zu haben. Dämpfend wirkte insbesondere die Außenwirtschaft.

Allerdings dürfte das im zweiten Quartal rückläufige Bruttoinlandsprodukt (BIP) nicht den Beginn einer Rezession markieren. So waren die Monatsindikatoren für Juli überraschend günstig. Zudem stieg die Beschäftigung bis zuletzt, die Arbeitslosigkeit lag stabil auf im längerfristigen Vergleich niedrigem Niveau und die Zahl der offenen Stellen nahm zu.

Da auch die Finanzpolitik leicht stimulierend wirkt und die Geldpolitik bis zum Ende des Prognosezeitraums expansiv ausgerichtet sein dürfte, erwartet das RWI, dass sich der Aufschwung fortsetzt und im Laufe des kommenden Jahres etwas an Schwung gewinnt.

Treibende Kraft wird dabei voraussichtlich die Inlandsnachfrage sein. Denn der Private Konsum dürfte von der weiterhin günstigen Lage am Arbeitsmarkt und den deshalb kräftig steigenden Bruttolöhnen und -gehältern profitieren. Zudem werden die monetären Sozialleistungen 2015 voraussichtlich spürbar ausgeweitet. Die dadurch kräftig steigenden verfügbaren Einkommen bilden auch günstige Rahmenbedingungen für die Wohnungsbauinvestitionen, zumal die Finanzierungskosten wohl niedrig bleiben werden.

Auch die Unternehmensinvestitionen dürften bei zunehmender Kapazitätsauslastung und weiterhin niedrigen Zinsen beschleunigt steigen. Keine Impulse sind dagegen von der Außenwirtschaft zu erwarten. Zwar wird sich der Anstieg der Exporte im Prognosezeitraum beschleunigen, allerdings nicht so stark wie der der Importe. Vor diesem Hintergrund erwartet das RWI einen Anstieg des BIP um 1,5% in diesem und um 1,8% im kommenden Jahr.

Auch 2015 steigt der staatliche Budgetüberschuss

Ungeachtet des Konjunkturaufschwungs und der weiter zunehmenden Beschäftigung dürfte die Arbeitslosigkeit nur leicht zurückgehen und die Arbeitslosenquote bei 6,6% verharren. Zum einen wird die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns wohl den Arbeitsmarkt belasten, zum anderen dürfte der Beschäftigungsaufbau auch weiterhin aus der Stillen Reserve und der Zuwanderung erfolgen. Der Preisauftrieb wird vorerst gering bleiben, in diesem und im nächsten Jahr aber voraussichtlich wieder zunehmen.

Die Inflationsrate dürfte sich entsprechend von 1,0% in diesem Jahr auf 1,6% im kommenden Jahr erhöhen. Die Lage der öffentlichen Haushalte dürfte sich ungeachtet der leicht expansiven Ausrichtung der Finanzpolitik verbessern, da die Steuereinnahmen aufgrund der sich bessernden Konjunktur und der kalten Progression wohl kräftig steigen werden. Der staatliche Budgetüberschuss dürfte sich im laufenden Jahr auf 12 Mrd. Euro und im kommenden Jahr reichlich 13 Mrd. Euro (jeweils 0,4% des BIP) erreichen.

Wegen der im Vergleich zu vielen europäischen Nachbarn in Deutschland deutlich aufwärtsgerichteten Konjunktur, der niedrigen Arbeitslosigkeit und der guten Lage der öffentlichen Finanzen lässt sich hierzulande eine gewisse Selbstzufriedenheit beobachten. Entsprechend stehen in der Wirtschaftspolitik derzeit verteilungspolitische Maßnahmen im Vordergrund, die vielfach negativ auf das langfristige Wachstum wirken. Eine wieder stärker am Wachstum ausgerichtete Wirtschaftspolitik würde nicht nur Deutschland besser auf die Herausforderungen des demografischen Wandels vorbereiten, sondern könnte letztlich auch dem Euro-Raum zu einer kräftigeren Expansion verhelfen.

Weltwirtschaft: Geopolitische Konflikte noch ohne Auswirkungen

Das Expansionstempo der Weltwirtschaft hat sich in der ersten Jahreshälfte etwas abgeschwächt. Die konjunkturelle Grunddynamik wurde in zahlreichen Ländern von Sonderfaktoren überlagert. Durch diese kurzfristig wirkenden Faktoren verlangsamte sich die Produktionsausweitung vor allem in den Schwellenländern weiter, während sie sich in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften sogar leicht beschleunigte.

Es deutet sich an, dass sich nach dem Abklingen der meisten Sonderfaktoren die konjunkturellen Grundtendenzen wieder durchsetzen werden. In den fortgeschrittenen Volkswirtschaften dürfte sich die konjunkturelle Belebung im Vergleich zum ersten Halbjahr daher etwas verstärken. Dagegen dürfte die Produktionsausweitung in den Schwellenländern insgesamt im Prognosezeitraum weiter an Tempo verlieren.

Noch keine nennenswerten konjunkturellen Wirkungen gingen bisher von den geopolitischen Konflikten aus, die in der ersten Hälfte dieses Jahres neu entstanden sind oder sich verschärften. Im Gegenteil: Die Aktienkurse befinden sich in vielen Ländern in der Nähe ihrer historischen Höchststände. Auch Rohstoffe wie Rohöl oder Gold, die sich in den vergangenen Jahren in Phasen der Unsicherheit deutlich verteuerten, zeigen derzeit keine erhöhten Risiken an. Der Ölpreis ist in den vergangenen Monaten sogar gesunken.

Geopolitische Krisen sind Risiko für weltwirtschaftlichen Aufschwung

Unter der Voraussetzung, dass sich keine der derzeitigen geopolitischen Krisen deutlich verschärft und keine neuen hinzukommen, dürfte sich das weltwirtschaftliche Expansionstempo im Prognosezeitraum leicht erhöhen und der weltwirtschaftliche Aufschwung in moderatem Tempo fortsetzen. Insgesamt dürfte die weltwirtschaftliche Produktion in diesem Jahr um 3,3% ausgeweitet werden. Im kommenden Jahr ist mit einem Anstieg um 3,8% zu rechnen. Der Anstieg des Welthandels dürfte sich von 3,3% in diesem Jahr auf 5,3% im kommenden beschleunigen.

Auch wenn die geopolitischen Krisen bisher die weltwirtschaftliche Entwicklung wenig beeinflussen, so haben sie doch die Risiken für den weltwirtschaftlichen Aufschwung deutlich erhöht. Das größte Risiko geht derzeit wohl von einer weiteren Eskalation des russisch-ukrainischen Konfliktes aus.

Verschärft er sich, ist mit deutlich stärkeren gesamtwirtschaftlichen Effekten insbesondere in Europa zu rechnen. Deutlich negative Effekte auf die weltwirtschaftliche Aktivität würden auch entstehen, wenn durch die Kämpfe im Irak und in Syrien die Erdölproduktion in der Region gefährdet würde. Darüber hinaus besteht nach wie vor das Risiko eines erneuten Aufflammens der Krise im Euro-Raum.

(veröffentlicht in „RWI Konjunkturberichte“, Heft 3/2014)

 
Ihre Ansprechpartner dazu:

Prof. Dr. Roland Döhrn, Tel.: (0201) 81 49-262
Katharina Brach (Pressestelle), Tel.: (0201) 81 49-244

Weitere Informationen:

http://www.rwi-essen.de/presse - Vollständige Pressemitteilung auf der RWI-Homepage (inklusive Tabellen und Links zum Gesambericht)
http://vg09.met.vgwort.de/na/3e63b4aeca784f1e89c4c4d4b123010a?l=<http://www.r...; - RWI Konjunkturbericht 3/2014

Katharina Brach | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Arbeitsmarkt bleibt im Aufwind
27.04.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland
25.04.2017 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie