Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Trends der Professionalisierung in Nonprofit-Organisationen

08.11.2010
Non-Profit-Organisationen werden zunehmend nach professionellen Standards geführt. Das zeigt eine gemeinsame Studie des Instituts für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim sowie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC.

Spendenfinanzierte, nicht gewinnorientierte Organisationen (Nonprofit-Organisationen, kurz: NPO) stehen häufig vor einem Dilemma: Spenden und Fördermittel sollen maßgeblich für den guten Zweck der jeweiligen Organisation verwendet werden, jedoch sollen die Verwaltungskosten so gering wie möglich gehalten werden.

Ab einer gewissen Größe der Organisation ist aber eine Professionalisierung der Arbeit im Hinblick auf die Beschäftigung von hauptamtlichen Mitarbeitenden unerlässlich - komplexe Projekte lassen sich nicht mehr ausschließlich mit freiwilligen Mitarbeitern realisieren, sondern setzen den Einsatz bezahlter Fachkräfte voraus. Die Finanzierung erfordert eine Akquise von Spendengeldern durch Kampagnen und gezielte Öffentlichkeitsarbeit, für die wiederum professionelle und damit in der Regel kostenpflichtige Unterstützung benötigt wird. Private und öffentliche Geldgeber erwarten darüber hinaus, dass die Verwendung der Mittel korrekt und transparent dokumentiert wird.

Die Studie des ifm Mannheim und PWC zeigt auf, welchen Professionalisierungsgrad Nonprofit-Organisationen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit erreicht. Hierzu führte das Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim 18 Tiefeninterviews mit Expertinnen und Experten innerhalb verschiedenener NPOs im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit durch, die über jährliche Einnahmen von deutlich unter 250.000 Euro bis über 100 Millionen Euro verfügen (Stand 2008). Die Befragung konzentrierte sich auf die Themenfelder Organisationsumfeld, Fachwissen innerhalb der Organisation, Governance, eingesetzte Managementmethoden und Vernetzung der NPO.

Organisationsumfeld: Orientierung an Standards nimmt zu

Ein wesentlicher Aspekt der Professionalisierung ist die Einhaltung anerkannter Standards. Zertifizierungen und Auszeichnungen wie das DZI-Siegel, der VENRO-Verhaltenskodex und der PwC-Transparenzpreis werden von nahezu allen großen Organisationen mit einem Jahreseinkommen über 250.000 Euro angestrebt. Von den kleineren befragten Organisationen sind lediglich 16,7 Prozent mit dem DZI-Siegel zertifiziert, ebenso viele orientieren sich am Verhaltenskodex.

Fachwissen: Weiterbildung auch von kleinen NPO gefördert

Alle großen NPO der Entwicklungszusammenarbeit beschäftigen bezahltes Personal, während in den kleinen Organisationen der Anteil hauptamtlicher Mitarbeitender bei deutlich unter 20 Prozent liegt. Die „Schwelle zur Hauptamtlichkeit“ der Mitarbeitenden liegt bei einer Jahreseinnahme von etwa 250.000 Euro.

Die Weiterbildung von angestellten und ehrenamtlichen Mitarbeitern ist in großen Organisationen die Regel (66,7 Prozent der befragten NPO), aber auch in kleineren verbreitet. Obwohl NPO mit Jahreseinnahmen unter 250.000 Euro weitestgehend auf ehrenamtlicher Basis arbeiten, bildet ein Drittel der befragten Organisationen ihre Mitarbeiter weiter aus.

Verstärkt hat sich in den vergangenen Jahren der Trend, die Öffentlichkeitsarbeit in die Bereiche Public-Relations und Fundraising aufzuteilen. In beiden neuen Kommunikationsbereichen setzen die NPO fachspezifisch ausgebildetes Personal ein. Diese Entwicklung lässt sich bereits bei jeder dritten befragten Organisationen beobachten, mehrheitlich jedoch bei den großen Organisationen.

Governance: Vorstände haben häufig kaufmännische Expertise

Die Professionalisierung nimmt auch auf Vorstandsebene zu. So verfügen die meisten Vorstände der untersuchten NPO über eine akademische Ausbildung.75 Prozent der großen und 33 Prozent der kleinen Organisationen berufen Personen mit kaufmännischer Expertise in den Vorstand. Hauptamtliche Vorstände gibt es bei 58 Prozent der größeren NPO, jedoch bei keiner der kleineren Organisationen.

Managementmethoden: Evaluierung im Fokus

Die befragten NPO adaptieren zunehmend Managementmethoden, die in gewinnorientierten Unternehmen üblich sind. Projektevaluationen beispielsweise gibt es bei 75 Prozent der großen und 50 Prozent der kleinen befragten Organisationen. Die Veröffentlichung von Jahresberichten ist für NPO mit Einnahmen über 250.000 Euro mittlerweise selbstverständlich, jedoch auch bei jeder zweiten kleineren Organisation üblich.

Über ein strategisches Management verfügen ausschließlich die größeren Organisationen (83,3 Prozent). Ziel hierbei ist es in erster Linie, die Organisation am Markt zu positionieren sowie die Formulierung einer innovativen und zielorientierten Strategie. Ein Customer Relationship Management (CRM) setzen 50 Prozent der großen Organisationen ein, definierte Qualitätsstandards verwenden knapp 42 Prozent der NPO mit Einnahmen über 250.000 Euro.

Ansprechpartner:
ifm Mannheim
Universität Mannheim
Dipl. Kffr. Alexandra Mannsky
Tel.: + 49 (0)621 181 – 3485
E-Mail: mannsky@ifm.uni-mannheim.de
PricewaterhouseCoopers AG WPG
M.A. Nicole Susann Roschker
Marketing & Communications / Presse
Tel.: + 49 (0)69 95 85 – 1669
E-Mail: nicole.susann.roschker@de.pwc.com
ifm Mannheim
Das Institut für Mittelstandsforschung Mannheim ist eine zentrale Forschungseinrichtung der Universität Mannheim und führt Forschungsvorhaben zu aktuellen und strukturellen mittelstandsbezogenen Themen durch. Zu den Themenschwerpunkten gehören vor allem: Gründungsforschung, Familienunternehmen, Innovationsmanagement und Diffusion von Managementkonzepten im Mittelstand sowie die Lehre in den Bachelor- und Masterstudiengängen an der Universität Mannheim. Seine besondere Stärke liegt in der interdisziplinären Ausrichtung und der Brückenfunktion zwischen Wissenschaft und Praxis.
PricewaterhouseCoopers AG
Die PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ist in Deutschland mit 8.700 Mitarbeitern und einer Gesamtleistung von rund 1,33 Milliarden Euro eine der führenden Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften. An 29 Standorten arbeiten Experten für nationale und internationale Mandanten jeder Größe. PwC bietet Dienstleistungen an in den Bereichen Wirtschaftsprüfung und prüfungsnahe Dienstleistungen (Assurance), Steuerberatung (Tax) sowie Beratung in den Bereichen Deals und Consulting (Advisory).

Achim Fischer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-mannheim.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Arbeitslosigkeit sinkt verhaltener
27.07.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index bleibt aufwärts gerichtet
20.07.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern

17.08.2017 | Physik Astronomie

Fake News finden und bekämpfen

17.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Effizienz steigern, Kosten senken!

17.08.2017 | Messenachrichten