Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Traditionsreich, angesehen - und bald pleite: Dass Unternehmen mehrere hundert Jahre alt werden, ist sehr unwahrscheinlich

09.06.2010
Ob großer Automobilhersteller, oder systemrelevante Bank, auf kurz oder lang verschwinden alle Unternehmen wieder vom Markt - da dürften auch keine Rettungsmaßnahmen der Politik helfen. Denn dass ein Unternehmen mehrere hundert Jahre alt wird, ist zwar nicht auszuschließen aber sehr unwahrscheinlich.

Das ergibt sich aus einem mathematischen Modell, mit dem Alex Coad am Max-Planck-Institut für Ökonomik in Jena die Altersverteilung von Unternehmen beschreibt und sie in einen Zusammenhang mit der Unternehmensgröße bringt. Der Ansatz könnte in Zukunft genauere Prognosen über die Entwicklung von Volkswirtschaften ermöglichen.

Die älteste Firma der Welt; das japanische Bauunternehmen Kongô Gumi, ging 2006 im 1428. Jahr seines Bestehens in die Insolvenz. Das älteste Unternehmen Deutschlands, die Brauerei Weihenstephan, feiert in diesem Jahr seinen 970. Geburtstag, das Unternehmen Weltenburger, ebenfalls eine Brauerei, bringt es immerhin auf 960 Jahre.

Welche Lebenserwartung Unternehmen im Allgemeinen haben, untersucht Alex Coad vom Jenaer Max-Planck-Institut für Ökonomik. Er hat ein Modell zur Altersverteilung von Unternehmen entwickelt. Auf diese Weise kann er auch vorhersagen, wie viele der heute existierenden Unternehmen einer Volkswirtschaft- wahrscheinlich - auch in 10, 30 oder 50 Jahren noch Bestand haben werden. Sein bislang wichtigstes Ergebnis: Die Altersverteilung von Unternehmen lässt sich näherungsweise durch eine Exponentialverteilung darstellen. Das bedeutet: Die Chance, dass ein Unternehmen das nächste Jahr überlebt, ist von Jahr zu Jahr annähernd konstant. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Firma ihren 100. oder gar 1000. Geburtstag feiern kann, ist damit sehr gering, aber nicht gleich Null.

Anders als die Größenverteilung ist die Altersverteilung von Unternehmen wissenschaftlich kaum untersucht. "Dabei ist sie aus mehren Gründen von großem Interesse", sagt Alex Coad: "Sie spiegelt zuverlässig die Zahl der Neugründungen, die Überlebensraten und die Marktaustritte von Unternehmen wider." Darüber hinaus gibt sie Hinweise auf die Organisationsstrukturen und die Technologien der Unternehmen, denn die Bedingungen und Regelungen in der Gründungsphase von Unternehmen prägen diese langfristig. Außerdem ist sie nützlich für internationale Vergleiche.

Altersverteilung und Firmengröße

Für seine Studien analysierte Coad Datensätze der statistischen Bundesämter aus Indien, Spanien und Italien, die eine möglichst vollständige Statistik der Unternehmen eines Landes anstreben. Alle Analysen führten zu der genannten exponentiellen Funktion. Das entspricht einer über lange Zeit konstanten, jährlichen Überlebensrate. Mit einer Ausnahme: In den ersten Jahren ihres Bestehens ist das Überleben von Unternehmen sehr viel gefährdeter. Dieses Ergebnis bestätigte auch die Analyse eines vierten Datensatzes, der Auskunft über neugegründete bzw. junge Unternehmen in den USA gibt.

Neben der Frage nach der Lebenserwartung von Unternehmen an sich, stellt sich die Frage, wie groß die Unternehmen zu einem bestimmten Zeitpunkt wahrscheinlich sein werden. Daraus könnten sich beispielweise Hinweise auf die zu erwartende Zahl von Arbeitsplätzen ergeben. Als gesichert gilt unter Ökonomen dabei zum einen, dass ältere Firmen tendenziell größer als jüngere Firmen sind, da sie über die Jahre Kapital, Know How und Netzwerke kumulieren. Zum anderen belegen zahlreiche Studien für die Größenverteilung von Firmen die sog. Pareto-Verteilung. Das heißt, es gibt eine stark ungleiche Verteilung von Unternehmen, mit einer großen Zahl kleiner Firmen und einer kleinen Zahl großer Unternehmen. Die Pareto-Verteilung sagt jedoch nichts über das Unternehmensalter aus. Coad hat nun ein mathematisches Modell entwickelt, mit dem sich das Firmenalter und die Größenverteilung gleichzeitig analysieren lassen. Dieses bildet die empirischen Befunde sehr gut ab. Aus den beobachteten Alters- und Größenverteilungen ließen sich dann möglicherweise genauere Prognosen über die Entwicklung von Volkswirtschaften treffen.

Originalveröffentlichung:

Alex Coad
The Exponential Age Distribution and the Pareto Firm Size Distribution
Journal of Industry, Competition and Trade, DOI 10.1007/s10842-010-0071-4, 9. März 2010
Alex Coad
Investigating the Exponential Age Distribution of Firms
Economics: The Open-Access, Open-Assessment E-Journal, Vol. 4, 2010-17., 21. Mai 2010

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Alex Coad
Max-Planck-Institut für Ökonomik, Jena
Tel.: +49(0)3641 686 726
E-Mail: coad@econ.mpg.de
Petra Mader, Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Ökonomik, Jena
Tel.: +49(0)3641 686 960
E-Mail: presse@econ.mpg.de

Barbara Abrell | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Aufwärtstendenz setzt sich fort
21.02.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Ergebnisse der IAB-Stellenerhebung für das 4. Quartal 2016: Anhaltend hohes Niveau offener Stellen
21.02.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zur Sprache gebracht: Und das intelligente Haus „hört zu“

21.02.2017 | Messenachrichten

Wie Proteine zueinander finden

21.02.2017 | Biowissenschaften Chemie