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Standortverlegung: Osteuropa verliert an Reiz

18.12.2008
Dennoch gehen durch Abwanderung jährlich 74.000 Arbeitsplätze verloren

Deutsche Unternehmen verlieren zunehmend Interesse an einer Standortverlagerung ins Ausland. Trotzdem fallen der Abwanderung von ganzen Betrieben oder Unternehmensteilen des verarbeitenden Gewerbes pro Jahr rund 74.000 Jobs zum Opfer.

Wie der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und das Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) aufzeigen, entwickelt sich diese Zahl jedoch rückläufig. Seit etwa vier Jahren werde die Tendenz zur Standortverlagerung ins Ausland gebremst. Ein Grund dafür sind nicht zuletzt die schwindenden Personalkostenvorteile (pressetext berichtete: http://pte.at/pte.mc?pte=081127015). Zudem würden bei der Planung der Umsiedelung häufig versteckte Kosten nicht einkalkuliert. Besonders die Hauptabwanderungsregion Osteuropa sei weniger reizvoll als weithin angenommen.

"Unternehmen mit Auslandserfahrung haben den Trend bereits erkannt und rechnen in der Standortfrage schon jetzt mit nur geringen Kostenvorteilen im Ausland. Sie stellen zudem bloße Lohnkostenrechnungen einer Gesamtkostenrechnung gegenüber", erklärt Stefan Falckenberg, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Managementberatung Kienbaum, gegenüber pressetext. Darüber hinaus seien dem VDI zufolge Manager aus Deutschland in der Standortfrage vergleichsweise vorsichtiger als ihre Pendants aus anderen europäischen Ländern. Dennoch haben zwischen 2004 und 2006 mit jedem siebten rund 6.600 deutsche Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe zumindest "erhebliche Teile" ihrer Produktion ins Ausland verlagert.

Obwohl Osteuropa für mehr als die Hälfte der Betriebe bei einer Standortverlegung Zielregion Nummer eins darstellt, machen sich deutsche Unternehmer immer weniger Illusionen über mögliche Vorteile. "Nur selten seien unter dem Strich durch die Produktion im Ausland Kostensenkungen zu erzielen", schreibt der VDI. Dies sei hauptsächlich auf den rasanten wirtschaftlichen Aufholprozess der osteuropäischen Länder zurückzuführen, die sich dem westeuropäischen Lohnniveau zunehmend annähern. Ein Viertel der zwischen 2004 und 2006 abgewanderten Betriebe bevorzugte bereits China als Zielland. Während sich eine Abwanderung in asiatische Boom-Regionen noch eher lohne als eine Übersiedelung nach Osteuropa, verlagern jährlich rund 500 Betriebe ihre Produktion wieder zurück nach Deutschland.

Die Auswahl der Destination wird aber von den Motiven der Unternehmen bestimmt. Insgesamt seien Personalkosten mit 96 Prozent der dominierende Grund für einen Umzug. Allerdings spielen Faktoren wie Markterschließung oder Kundennähe eine immer bedeutendere Rolle bei der Standortwahl. "In China steht bei deutschen Unternehmen das lockende Marktpotenzial im Fokus, während die Osteuropa-Staaten eher als verlängerte Werkbank betrachtet werden", so Steffen Kinkel vom Fraunhofer ISI. Die Flucht vor hohen Kosten nach Osteuropa erweise sich häufig als Milchmädchenrechnung "mit fatalen Folgen". Zudem haben die Unternehmen zur Zeit eher ein Absatz- als ein Kostenproblem. Auch die wirtschaftliche Krise werde daher nicht zu einem verstärkten Abzug von Unternehmen aus Deutschland führen.

Manuel Haglmüller | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.vdi.de
http://www.kienbaum.de

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