Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schwarzarbeit: Krise bewirkt immensen Anstieg

12.06.2009
Deutschland mit 352 Mrd. Euro für 2009 im OECD-Mittelfeld

Die schwerste Wirtschaftskrise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird dazu führen, dass die Schattenwirtschaft allein in Deutschland bis zum Ende des Jahres auf fast 352 Mrd. Euro ansteigt.

Wie Fachleute des Department of Economics der Johannes Kepler Universität Linz errechnet haben, erhöht sich der Anteil an Schwarzarbeit gemessen am Bruttoinlandsprodukt mit 14,6 Prozent um mehr als ein Siebtel.

"Dass wir es in Zeiten der Krise mit einem länderübergreifenden Anstieg der Schwarzarbeit zu tun haben, ist darauf zurückzuführen, dass das offizielle Volkseinkommen in der Rezession sinkt", erläutert Ökonom Friedrich Schneider im Gespräch mit pressetext.

Die Motivation, schwarz zu arbeiten, steigt laut dem Fachmann auch deshalb, weil vielerorts Kurzarbeit eingeführt wurde oder die Arbeitslosigkeit immer größere Ausmaße annimmt. "Da viele ihr Lohnniveau jedoch weiter beibehalten wollen, steigt der Anreiz, etwas Geld illegalerweise zusätzlich verdienen zu können oder durch Aufträge für Schwarzarbeit Sozialabgaben und Steuern einzusparen", so Schneider. Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht die Brisanz des Themas. Allein ein Anstieg der Arbeitslosigkeit um 500.000 bis eine Mio. wird eine Zunahme der Schattenwirtschaft um acht bis zwölf Mrd. Euro bewirken. Schließlich stünden sukzessive immer mehr Arbeitslose zur Verfügung, unterstreicht der Wirtschaftswissenschaftler.

Politische Maßnahmen wie die Beitragssenkung zur Arbeitslosenversicherung von 3,3 auf 2,8 Prozent und die verbesserte Absetzbarkeit von privaten Haushaltsaufwendungen werden aber die Zunahme der Schwarzarbeit etwas dämpfen, sagt Schneider auf Nachfrage von pressetext. Unter dem Strich fällt die Prognose für das Gesamtjahr jedoch wenig erfreulich aus.

Laut dem Insider wird die Schattenwirtschaft um netto 3,8 bis 5,6 Mrd. Euro zunehmen. Trotz negativer Prognose, sollte nicht vergessen werden, dass Schwarzarbeit "als Ganzes wohlfahrtssteigernd wirkt, weil zusätzliches Einkommen und zusätzliche Wertschöpfung generiert werden", weiß Schneider. Der Schaden entstehe vor allem dem Staat und den Sozialversicherungen.

Trotz der Zunahme der Schwarzarbeit liegt die Bundesrepublik noch immer im Mittelfeld der OECD-Staaten. Problematischer ist die Situation hingegen in den südeuropäischen Ländern, wo bereits ein Fünftel bis ein Viertel der Wirtschaftsleistung am Fiskus vorbei erarbeitet wird.

Geringer, aber krisenbedingt ebenfalls ansteigend, ist die Lage in Österreich und der Schweiz. Hier macht Schwarzarbeit weniger als ein Zehntel des Bruttoinlandsprodukts aus. Gegen die wie im prominenten Siemens-Fall deutlich gewordene Korruption müsse Schneider nach aber deutschlandweit noch energischer vorgegangen werden. Der volkswirtschaftliche Schaden ist enorm. Diesen beziffert der Fachmann für dieses Jahr auf rund 260 Mrd. Euro.

Florian Fügemann | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.economics.uni-linz.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index sinkt nach März-Hoch
23.05.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr bleibt niedrig
19.05.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften