Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

RWI trotz gesenkter BIP-Prognosen verhalten optimistisch für 2010

23.06.2009
Das RWI senkt seine Prognose des Wirtschaftswachstums für das Jahr 2009 um 2,1%-Punkte auf -6,4% und für das Jahr 2010 um 0,3 %-Punkte auf 0,2%. Allerdings sieht das Institut Hinweise darauf, dass die Abwärtsbewegung sich mittlerweile abgeschwächt hat.

Im nächsten Jahr dürfte der Außenhandel bereits wieder einen leicht positiven Wachstumsbeitrag liefern. Dabei dürfte die Zahl der Arbeitslosen die 4-Millionen-Marke überschreiten und auch das Staatsdefizit weiter steigen.

Das RWI senkt seine Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland im Vergleich zu seiner im März veröffentlichten nochmals deutlich. Damals war ein Minus von 4,3% erwartet worden; nunmehr erscheint in diesem Jahr ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um 6,4% als wahrscheinlich. Wesentliche Ursache der Prognoserevision ist die Schärfe des Einbruchs im ersten Quartal 2009; das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel um 3,8% gegenüber dem Vorquartal. Erwartet hatten wir damals ein Minus von 2,3%.

Allerdings scheint die Abwärtsbewegung inzwischen gebremst, für das zweite Quartal lassen die Indikatoren einen Rückgang des BIP um lediglich knapp 1% erwarten. Einige deuten mittlerweile sogar auf eine Bodenbildung hin. So verringerten sich der Welthandel und die weltweite Industrieproduktion in den vergangenen Monaten kaum noch. Steigende Notierungen an den Rohstoffmärkten lassen zudem auf eine wieder anziehende Nachfrage schließen. Auch haben sich die Erwartungen aufgehellt, was in Unternehmensbefragungen sowie in steigenden Aktienkursen zum Ausdruck kommt. Dazu mag beigetragen haben, dass in nahezu allen Ländern große Konjunkturprogramme beschlossen wurden, die nun allmählich Wirkung zeigen.

2010 ist ein leichtes Plus des BIP möglich

Trotz dieser Anzeichen wird die Lage zumeist noch dramatisch schlecht eingeschätzt, und es gibt keine Hinweise auf einen beginnenden kräftigen Aufschwung. Dies würde auch überraschen, dauern doch Rezessionen, die mit Finanzkrisen einhergehen, länger und der anschließende Aufschwung fällt weniger schwungvoll aus als nach "normalen" Rezessionen. Hinzu kommt, dass nahezu alle Länder der Welt in ähnlicher Weise betroffen sind. Vor diesem Hintergrund prognostiziert das RWI für 2010 nur eine allmähliche Belebung. Das BIP dürfte wohl um 0,2% zunehmen.

Maßgeblich für die augenblickliche Tiefe der Rezession sind die Exporte und die Ausrüstungsinvestitionen. Erstere waren knapp 10% geringer als im letzten Vierteljahr 2008, als sie bereits um 8% zurückgegangen waren. Letztere waren im Vorquartalsvergleich sogar um 16,2% gesunken, wozu die dramatisch gesunkene Kapazitätsauslastung, die schwindende Hoffnung auf eine baldige Besserung und die verschlechterten Finanzierungsbedingungen wohl beigetragen haben. Relativ gut hielt sich bislang die Konsumnachfrage, auch weil diverse Transfers erhöht wurden und der Pkw-Absatz durch die Abwrackprämie gefördert wird. Im Außenhandel dürfte der Abschwung nun allmählich auslaufen. Bei den Bauinvestitionen sind Impulse seitens der Konjunkturprogramme zu erwarten. Bei den Ausrüstungsinvestitionen ist hingegen noch kein Ende des Rückgangs absehbar, auch wenn die Minusraten geringer werden dürften.

Rückläufiger Konsum und weiter steigende Arbeitslosigkeit im nächsten Jahr

Für das kommende Jahr erwarten wir einen wieder leicht positiven Wachstumsbeitrag aus dem Außenhandel. Zudem dürften die Ausrüstungsinvestitionen gegen Jahresende steigen, auch weil das Auslaufen der degressiven Abschreibung manche Unternehmen veranlassen dürfte, Investitionsvorhaben vorzuziehen. Allerdings dürfte dann ein rückläufiger privater Konsum die Expansion dämpfen. So nimmt im Verlauf des Prognosezeitraums die Arbeitslosigkeit wohl deutlich zu, deren Anstieg bislang durch die Kurzarbeit gebremst wird. Wir rechnen mit fast 4 Millionen registrierten Arbeitslosen Ende dieses und rund 4,6 Millionen Ende kommenden Jahres, wobei zu berücksichtigen ist, dass rund 200.000 Arbeitslose, mit deren Vermittlung private Träger beauftragt wurden, bis dahin nicht mehr als Arbeitslose erfasst sein dürften. Die ungünstige Lage am Arbeitsmarkt dürfte zudem den Lohnzuwachs merklich drücken. Hinzu kommt, dass für 2010 keine Rentensteigerung zu erwarten ist.

Aufgrund der unterausgelasteten Kapazitäten bleibt die Teuerung moderat, zumal vorläufig der Fall des Rohölpreises nachwirkt. Wir erwarten eine Inflationsrate von lediglich 0,3% beziehungsweise 0,8%.

Staatliches Budgetdefizit wird deutlich ansteigen

Die Finanzlage des Staates wird sich erheblich verschlechtern. Dies ist zum einen rezessionsbedingten Einbußen beim Steuer- und Beitragsaufkommen sowie deutlich höheren arbeitsmarktbedingten Ausgaben geschuldet. Zum anderen führen die Konjunkturprogramme und die Umsetzung von zwei Urteilen des Bundesverfassungsgerichts zu erheblichen Haushaltsbelastungen. In Relation zum nominalen BIP dürfte das gesamtstaatliche Budgetdefizit in diesem Jahr auf rund 4% und im kommenden Jahr auf reichlich 6% hochschnellen.

Diese Prognose ist aufgrund der nach wie vor großen Verunsicherung in weiten Teilen der Wirtschaft und der Bevölkerung mit großen Risiken behaftet. Selbst wenn mehr und mehr Indikatoren eine Stabilisierung anzeigen, sind neuerliche Rückschläge keineswegs auszuschließen. Allerdings bestehen auch Chancen, insbesondere weil sich die deutsche Wirtschaft vor Ausbruch der Finanzkrise in einer guten Verfassung befand. Ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit war hoch, und im Gegensatz zu zahlreichen anderen Ländern ist die Entwicklung hierzulande nicht durch das Platzen einer Blase an den Immobilienmärkten belastet. In den Abwärtsstrudel gezogen wurde Deutschland vor allem durch den Einbruch des internationalen Handels. Erholt sich dieser rascher als hier erwartet, so könnte die deutsche Wirtschaft davon überdurchschnittlich profitieren. Dies dürfte dann auch die Unternehmen veranlassen, aufgeschobene Investitionen in Angriff zu nehmen.

Ihre Ansprechpartner dazu: Dr. Roland Döhrn Tel. (0201) 81 49-262
Sabine Weiler (Pressestelle) Tel.: (0201) 81 49-213

Joachim Schmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de/presse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Hohes Niveau, aber leichter Rückgang
28.06.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index setzt Anstieg fort
22.06.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

Plants are networkers

19.06.2017 | Event News

Digital Survival Training for Executives

13.06.2017 | Event News

Global Learning Council Summit 2017

13.06.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive