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RWI-Stahlbericht: Deutsche Stahlerzeugung in diesem Jahr stark rückläufig

18.10.2012
Die Rohstahlproduktion in Deutschland wird in diesem Jahr voraussichtlich um 3,7% sinken und im kommenden Jahr mit besserer Konjunktur leicht um 1,5% steigen. Damit wird jedoch wohl nur ein moderater Beschäftigungsrückgang verbunden sein.
Zu diesen Ergebnissen kommt der aktuelle Stahlbericht des RWI. Die weltweite Rohstahlerzeugung wird demnach 2012 und 2013 wohl nur verhalten um 0,7% beziehungsweise 2,1% zunehmen. Selbst in China erhöht sie sich kaum noch. Weltweit dürfte die Auslastung der Kapazitäten unter dieser Voraussetzung gering bleiben und damit der Druck auf die Stahlpreise anhalten.

Nachdem die deutsche Rohstahlerzeugung im Winterhalbjahr 2011/12 saisonbereinigt gestiegen war, ist sie seit März 2012 tendenziell rückläufig. Der Rückgang ist vor allem auf eine abnehmende Inlandsverwendung zurückzuführen. Zum einen sanken die Ausrüstungsinvestitionen im ersten Halbjahr, und die Investitionen im stahlintensiven Wirtschaftsbau ließen nach. Zum anderen kehrte sich der „Lagerzyklus“ um und der Stahlhandel reduzierte seine Bestände seit Frühjahr deutlich. Da sich die Erwartungen der Unternehmen im September weiter verschlechterten, dürfte sich auch der Lagerabbau bis zuletzt fortgesetzt haben.

Der Rückgang der Stahlerzeugung wäre noch stärker ausgefallen, wären die Stahleinfuhren 2012 nicht deutlich gesunken. So wurden in den ersten sieben Monaten dieses Jahres fast 12% weniger Stahl, darunter gut 9% weniger Walzstahlerzeugnisse eingeführt. Dies dürfte zum einen daran liegen, dass die deutschen Investitionen im stahlintensiven Nichtwohnungsbau – der in hohem Maße importierte Langprodukte verwendet – zuletzt deutlich rückläufig waren.
Zudem dürfte der Lagerabbau beim Handel stärker zu Lasten der Einfuhren als der inländischen Produktion gehen. Darüber hinaus sind wegen des allgemein niedrigen Preisniveaus die Preisunterschiede zwischen dem europäischen Markt und den Schwellenländern derzeit gering, so dass Importe von außerhalb Europas wenig attraktiv sind. Die Stahlpreise haben bereits seit Mitte vergangenen Jahres spürbar nachgegeben. Damit stehen die Stahlunternehmen in Deutschland wie weltweit weiterhin unter einem erheblichen Margendruck. Da die Kosten für Stahlrohstoffe zuletzt stärker fielen als die Stahlpreise, hat sich die Situation jüngst jedoch etwas entspannt.

Auf den Märkten im Ausland konnten sich die deutschen Stahlerzeuger trotz der Rezession im übrigen Euro-Raum überraschend gut behaupten. Insgesamt gingen die Auslandslieferungen in den ersten sieben Monaten dieses Jahres zwar leicht um 0,6% zurück. Dies war aber auf geringere Ausfuhren von Halbzeug (also Vorprodukte, die insbesondere in deutschen Walzwerken weiterverarbeitet werden) zurückzuführen. Die Lieferungen von Walzstahlerzeugnissen konnten sogar um rund 3,5% gesteigert werden und damit etwas stärker als im Vorjahr.
Prognose: Deutsche Rohstahlproduktion wird sich 2013 nur leicht erholen

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die deutsche Stahlindustrie bleiben schwierig. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt wird im Winterhalbjahr voraussichtlich nur schwach zunehmen, die Produktion der wichtigsten Stahlverwender im Jahresdurchschnitt 2012 wohl um 1,4% sinken. Etwas stärker dürfte die inländische Stahlverwendung zurückgehen. Erst im weiteren Verlauf des kommenden Jahres ist mit einer Belebung der Konjunktur zu rechnen, sofern sich die Lage im Euro-Raum stabilisiert.
Vor diesem Hintergrund erwartet das RWI für das Jahr 2012 einen Rückgang der deutschen Rohstahlerzeugung um 3,7% gegenüber dem Vorjahr auf 42,6 Millionen Tonnen. Der Rückgang dürfte damit doppelt so stark sein wie der Rückgang der Stahlverwendung. Die Ausfuhren dürften in den restlichen Monaten des Jahres leicht sinken, aufgrund des relativ günstigen ersten Halbjahres wird der Zuwachs im Jahresdurchschnitt jedoch knapp 3% betragen. Im kommenden Jahr dürfte sich die Konjunktur beleben und die inländische Stahlverwendung und damit auch die Rohstahlproduktion allmählich zunehmen. Für den Jahresdurchschnitt 2013 prognostiziert das RWI eine Zunahme der Rohstahlerzeugung um 1,5% auf 43,3 Millionen Tonnen, womit sie deutlich unter der der beiden Vorjahre bliebe.

Zwar dürfte die schwache Stahlnachfrage zu einer sinkenden Zahl von Arbeitnehmern in der Eisenschaffenden Industrie führen. Angesichts des Fachkräftemangels werden die Unternehmen den Produktionsrückgang aber voraussichtlich nicht allzu stark auf die Beschäftigung durchschlagen lassen. Im Durchschnitt dieses Jahres dürfte die Zahl der Beschäftigten aufgrund des hohen Ausgangsniveaus sogar noch leicht um 0,6% zunehmen. Für 2013 rechnet das RWI mit einem Rückgang um 0,8% auf etwas weniger als 88 000 Beschäftigte.

Weltweite Stahlproduktion wächst kaum noch

Die weltweite Rohstahlproduktion schwankt seit Anfang 2011 auf annähernd unverändertem Niveau. Zuletzt war sie wieder leicht rückläufig, obwohl die weltweite Industrieproduktion nach wie vor expandierte. Dabei waren die Unterschiede zwischen den Regionen bemerkenswert gering. Insbesondere das Wachstum Chinas scheint inzwischen deutlich weniger stahl-intensiv zu sein. Während sich dessen Rohstahlerzeugung zwischen 2000 und 2008 fast vervierfacht hatte, erhöht sie sich inzwischen kaum noch. Diese nachlassende Stahlintensität Chinas dürfte dazu beigetragen haben, dass die weltweite Rohstahlerzeugung in den jüngsten Jahren konjunktursensibler geworden zu sein scheint.

In den restlichen Monaten dieses Jahres wird die weltweite Industrieproduktion voraussichtlich nur verhalten zunehmen, und sich im kommenden Jahr beleben, ohne allerdings die Raten früherer Jahre zu erreichen. Die Rohstahlerzeugung dürfte, wie bei schwacher Konjunktur üblich, unterproportional zur Industrieproduktion wachsen. 2012 um 0,7%, 2013 etwas stärker um 2,1%, da bei einem Anziehen der Produktion erfahrungsgemäß die Lagerbestände wieder aufgestockt werden. Die Auslastung der Kapazitäten dürfte gering bleiben; derzeit beträgt sie nur etwas mehr als 75%. Damit wird voraussichtlich der Druck auf die Stahlpreise anhalten. Zuletzt hatte sich allerdings durch sinkende Rohstoffkosten die Schere zwischen Kosten und Erlösen bei der Stahlerzeugung wieder verringert.

Ihre Ansprechpartner dazu:
Prof. Dr. Roland Döhrn Tel.: (0201) 8149-262
Sabine Weiler (Pressestelle) Tel.: (0201) 81 49-213

Dieser Pressemitteilung liegt der „Stahlbericht“ aus dem aktuellen Konjunkturbericht des RWI zugrunde, er ist unter http://www.rwi-essen.de/publikationen/rwi-konjunkturberichte/ als pdf-Datei erhältlich.

Joachim Schmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de/presse/
http://www.rwi-essen.de/publikationen/rwi-konjunkturberichte/

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