Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

RWI-Stahlbericht: Aussichten für deutsche Stahlindustrie bessern sich

20.06.2013
Die Rohstahlproduktion in Deutschland wird in diesem Jahr voraussichtlich um 1% sinken und im kommenden Jahr mit anziehender Konjunktur um 0,9% auf 42,6 Millionen Tonnen steigen.

Damit wird allerdings voraussichtlich nur ein moderater Beschäftigungsrückgang verbunden sein. Zu diesen Ergebnissen kommt der aktuelle Stahlbericht des RWI. Die weltweite Rohstahlerzeugung wird demnach 2013 um 1,8%, im nächsten Jahr dann kräftiger um 4% zunehmen. Die Auslastung der Kapazitäten dürfte weltweit niedrig bleiben und der Druck auf die Stahlpreise vorerst anhalten. Der Mitte Juni von der EU verabschiedete Aktionsplan für die Stahlindustrie enthält zwar geeignete Lösungsansätze,[...]

Die deutsche Rohstahlerzeugung zeigt sich seit Beginn des vergangenen Jahres trotz sich abkühlender Konjunktur robust. Wesentlich dazu beigetragen hat, dass die Ausfuhren von Walzstahlerzeugnissen im Jahresdurchschnitt 2012 um 2,2% zunahmen. Gleichzeitig sanken die Einfuhren um 9,6%. Diese Diskrepanz bei Ein- und Ausfuhren ist wohl auch auf Unterschiede in der Produktstruktur zurückzuführen: Während bei den Exporten nach wie vor nachgefragte hochwertige Produkte dominieren, entfällt ein hoher Anteil der Einfuhren auf einfachere Stahlqualitäten, die insbesondere im rückläufigen Bausektor verwendet werden. Zudem wurden die Stahllager 2012 reduziert.

Seit Beginn dieses Jahres überwiegen allerdings dämpfende Faktoren, und die Rohstahlerzeugung ist saisonbereinigt rückläufig. Ein stärkerer Rückgang wurde offenbar durch den Aufbau von Lagern verhindert; so meldet der Stahlhandel seit Jahresbeginn leicht steigende Lagerbestände. Die Kapazitätsauslastung der deutschen Stahlindustrie ist zwar mit zuletzt rund 85% nicht befriedigend, aber immer noch deutlich höher als in den meisten anderen Ländern. Angesichts der immer noch recht stabilen Nachfrage ist derzeit aber weniger der Mengenabsatz als vielmehr die Erlössituation das Problem. Während die Absatzpreise von Stahl nur um rund 20% über denen am Tiefpunkt der Rezession 2009 liegen, hat sich Eisenerz seither um rund 45%, Kohle sogar um knapp 60% verteuert. Andererseits erklärt der niedrige Stahlpreis zum Teil die schwachen Stahleinfuhren nach Deutschland. Wegen der hohen Transportkosten für Stahl lohnt es sich für Lieferanten aus Schwellenländern und auch für manche europäische Anbieter derzeit schlichtweg nicht, den deutschen Markt zu bedienen.
Prognose: Deutsche Rohstahlproduktion wird 2014 leicht steigen

Ausgehend von der aktuellen RWI-Konjunkturprognose dürfte die Nachfrage nach Stahl im Verlauf dieses Jahres nur allmählich anziehen. Da die höhere Nachfrage zunächst zum Teil aus Lagern befriedigt werden dürfte, ist für den Jahresdurch-schnitt 2013 mit einem leichten Rückgang der Rohstahlerzeugung um 1% auf 42,2 Millionen Tonnen zu rechnen.

Im kommenden Jahr dürfte der Aufschwung in Deutschland an Kraft gewinnen und die Produktion der stahlverwendenden Industrien entsprechend um 4,7% zunehmen. Die Stahlverwendung wird aber erfahrungsgemäß unterproportional dazu zunehmen. Steigende Stahlimporte durch anziehende Bauinvestitionen dürften weniger stark steigenden Stahlexporten gegenüberstehen. Der Außenhandelssaldo mit Stahl dürfte sich also verschlechtern. Die Rohstahlerzeugung wird vor diesem Hintergrund voraussichtlich nur leicht um 0,9% auf 42,6 Millionen Tonnen steigen.

Die Kapazitätsauslastung in der Stahlindustrie wird auf Grundlage dieser Prognosen nur leicht zunehmen und unter dem langfristigen Durchschnitt bleiben. Die Stahlunternehmen werden dies jedoch wohl auch zukünftig nicht in vollem Umfang auf die Beschäftigung durchschlagen lassen, sondern einen Rückgang der Produktivität hinnehmen – dies insbesondere auch vor dem Hintergrund einer demographisch bedingten Verknappung des Arbeitsangebots und den damit zunehmenden Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden. Für 2013 und 2014 ist daher ein nur moderater Abbau der Beschäftigung in der Stahlindustrie zu erwarten.

EU-Aktionsplan weist in die richtige Richtung

Um auf die Unterauslastung der Kapazitäten in zahlreichen EU-Ländern zu reagie-ren, hat die Europäische Kommission am 11. Juni 2013 einen Aktionsplan für die Stahlindustrie verabschiedet. Dieser adressiert zwei große Herausforderungen des Sektors: die beträchtlichen Überkapazitäten in Europa und die hohen Energiepreise. Bei den Überkapazitäten ist schwer zwischen vorübergehenden, konjunkturellen und dauerhaften, strukturellen Problemen zu unterscheiden. Die meisten EU-Länder haben das Einkommensniveau überschritten, bis zu dem der Stahlverkauf pro Kopf erfahrungsgemäß zunimmt. Dadurch sinken die erforderlichen Stahlkapazitäten. Diese strukturelle Überkapazität durch staatliche Hilfen zu erhalten, wäre kostspielig und ineffizient. Das RWI begrüßt daher, dass die EU statt Subventionen zu zahlen Wachstumsbedingungen fördern und den Strukturwandel begleiten möchte. Allerdings sind die Übergänge fließend. So hat eine Förderung von Forschung und Innovation die gleichen Wirkungen wie eine Subventionierung der Produktion, wenn Unternehmen ihre eigenen Aufwendungen gleichzeitig reduzieren.

Beim Klimaschutz verfolgt der Aktionsplan eine ganzheitliche Sicht und unter-streicht, dass Emissionen der Stahlindustrie mit Blick auf die verbundenen Industrien und den Lebenszyklus der Produkte bewertet werden müssen. Das RWI teilt diese Einschätzung und hält eine Umweltpolitik für kontraproduktiv, die jedem Sektor unabhängig von seiner Stellung in der Wertschöpfungskette beispielsweise Ziele für die CO2-Minderung vorgibt.

Weltweiter Stahlproduktion fehlt weiterhin der Schwung

Die internationale Stahlproduktion zeigt sich seit 2011 ohne klare Tendenz. Derzeit scheinen wieder Auftriebskräfte vorzuherrschen, der Anstieg ist jedoch ohne Schwung und unterliegt großen monatlichen Schwankungen. In den ersten vier Monaten dieses Jahres lag die weltweite Rohstahlerzeugung zwar um 2,2% über dem Vorjahresniveau, die Kapazitätsauslastung blieb aber mit knapp 80% im längerfristigen Vergleich gering. Dabei zeigen sich gegenläufige Tendenzen zwischen Schwellenländern und fortgeschrittenen Volkswirtschaften. So war die Stahlproduktion in den Schwellenländern zuletzt wieder aufwärtsgerichtet. Dies gilt insbesondere für China, wenngleich sich auch hier der Produktionsanstieg von 20% pro Jahr zwischen 2004 und 2007 auf knapp unter 8% zwischen 2009 und 2012 verlangsamt hat. In den fortgeschrittenen Volkswirtschaften ist die Rohstahlerzeugung hingegen zumeist rückläufig, insbesondere in Folge der dort nach wie vor schwachen Konjunktur. Eine Ausnahme ist Japan, wo auch die Stahlindustrie von einem starken fiskalischen Stimulus profitierte.

In diesem und nächstem Jahr ist eine nur langsame Belebung der internationalen Konjunktur zu erwarten. Der Euro-Raum dürfte sich aus der Rezession lösen, der Aufschwung in den USA festigen und die Expansion in den Schwellenländern kräftig bleiben. Vor diesem Hintergrund geht das RWI von einer Zunahme der Weltrohstahlerzeugung um 1,8% in diesem Jahr aus. Im kommenden Jahr ist bei fortgesetzter Belebung der Konjunktur ein kräftigerer Anstieg um 4% zu erwarten. Gleichwohl dürfte die Kapazitätsauslastung niedrig bleiben. Auch der Druck auf die Stahlpreise dürfte vorerst anhalten, da die Preise für Rohstoffe der Stahlindustrie im längerfristigen Vergleich nach wie vor hoch sind.

Ihre Ansprechpartner dazu:
Prof. Dr. Roland Döhrn Tel.: (0201) 8149-262
Sabine Weiler (Pressestelle) Tel.: (0201) 81 49-213
Dieser Pressemitteilung liegt der „Stahlbericht“ aus dem aktuellen Konjunkturbericht des RWI zugrunde. Er ist unter
http://www.rwi-essen.de/media/content/pages/publikationen/rwi-konjunkturberichte/KB_2-2013.pdf

als pdf-Datei erhältlich.

Sabine Weiler | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index tritt auf der Stelle
24.11.2016 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Lemgoer Wissenschaftler wollen smarte Banknote realisieren
08.11.2016 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden «Krebssignatur» in Proteinen

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt

05.12.2016 | Geowissenschaften

Frühwarnsignale für Seen halten nicht, was sie versprechen

05.12.2016 | Ökologie Umwelt- Naturschutz