Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

RWI: Aufschwung bleibt moderat

12.03.2014

Das RWI erhöht seine Prognose des deutschen Wirtschaftswachstums für das Jahr 2014 gegenüber Dezember 2013 von 1,5 auf 1,9%; für 2015 erwartet es 2,1%.

Die Konjunktur dürfte vor allem von der Inlandsnachfrage getragen werden. Die Inflation dürfte anziehen, aber moderat bleiben, die öffentlichen Haushalte werden im nächsten Jahr voraussichtlich einen kleinen Überschuss erzielen.

Die Arbeitslosenquote dürfte 2015 kaum noch sinken, weil die Einführung eines Mindestlohns Arbeit verteuert. Die Finanzierung von Umverteilungsmaßnahmen zu Lasten der Sozialversicherung gefährdet die Arbeitsmarkterfolge der vergangenen zehn Jahre zusätzlich.

Die Konjunktur in Deutschland hat gegen Ende des vergangenen Jahres deutlich an Schwung gewonnen. Diese positive Tendenz dürfte sich in diesem Jahr fortsetzen. Hierfür sprechen vor allem die günstigen Stimmungsindikatoren.

Die realwirtschaftlichen Indikatoren verbessern sich hingegen nur langsam, was auf einen nicht übermäßig dynamischen Aufschwung hindeutet. Zwar dürfte die gesamtwirtschaftliche Produktion im ersten Quartal recht stark ausgeweitet werden, weil aufgrund der milden Witterung die Bauproduktion saisonunüblich stark war. Dem dürfte aber eine Gegenbewegung im zweiten Quartal folgen.

Treibende Kraft der deutschen Konjunktur dürfte in diesem Jahr die Binnennachfrage sein. Hierzu werden voraussichtlich mehrere Faktoren beitragen. So wird sich aller Erfahrung nach die günstigere Stimmung unter den Unternehmen in steigenden Ausrüstungsinvestitionen niederschlagen.

Die Bauinvestitionen werden wohl weiterhin von niedrigen Zinsen und steigenden Immobilienpreisen profitieren. Da sich der Beschäftigungsaufbau fortsetzen dürfte, ist zudem ein deutlicher Anstieg der privaten Konsumausgaben zu erwarten.

Von der Außenwirtschaft dürften hingegen kaum Impulse für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ausgehen. Alles in allem dürfte das reale BIP in diesem Jahr um 1,9% wachsen. Im nächsten Jahr dürfte sich der Welthandel weiter beleben und damit auch der Aufschwung in Deutschland anhalten. Bestimmend für das Expansionstempo wird voraussichtlich die Binnennachfrage bleiben. Das BIP wird im nächsten Jahr voraussichtlich um 2,1% zunehmen.

Arbeitslosenquote dürfte leicht sinken, Inflationsrate moderat bleiben

Die Lage am Arbeitsmarkt wird sich im Laufe dieses Jahres mit der anziehenden Konjunktur voraussichtlich weiter verbessern. Die Arbeitslosenquote dürfte im Jahresdurchschnitt von 6,9% im vergangenen auf 6,7% in diesem Jahr sinken. Im Jahr 2015 dürfte sich der Abbau der Arbeitslosigkeit allenfalls in geringem Maße fortsetzen. Die angekündigte Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns dürfte aller Voraussicht nach zu Arbeitsplatzverlusten insbesondere bei geringfügig Beschäftigten führen.

Bei im Prognosezeitraum steigender Kapazitätsauslastung ist eine Beschleunigung der Inflation zu erwarten. Dazu dürfte auch beitragen, dass sich die gestiegenen Immobilienpreise allmählich in höheren Mieten niederschlagen. Die Inflationsrate bleibt aber mit voraussichtlich 1,2% in diesem und 1,6% im kommenden Jahr langfristig moderat.

Der Staatshaushalt war im Jahr 2013 ausgeglichen. Im Prognosezeitraum dürfte die Finanzpolitik zwar leicht expansiv ausgerichtet sein, allerdings werden die Staatseinnahmen weiter kräftig zunehmen. Daher ist zu erwarten, dass der Staat nach einem abermals ausgeglichenen Haushalt in 2014 im kommenden Jahr einen Überschuss von 8 Mrd. € bzw. 0,3% in Relation zum BIP erzielen wird.

Mindestlohn und Umverteilung gefährden deutschen Arbeitsmarkt

Risiken der Prognose ergeben sich unter anderem aus der Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns, dessen Wirkungen sich nur schwer abschätzen lassen. Die politischen Auseinandersetzungen mit Russland aufgrund der aktuellen Krise in der Ukraine könnten außerdem die außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich verschlechtern.

Die deutsche Wirtschaftspolitik hat Themenfelder in den Mittelpunkt gerückt, die in erster Linie Verteilungsfragen adressieren. So wurden deutliche Leistungsverbesserungen in der Rentenversicherung angekündigt, und durch den flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn soll die Einkommenssituation von Beziehern geringer Einkommen verbessert werden.

Ein Problem der Politik besteht darin, dass gesamtstaatliche Aufgaben durch Sozialabgaben finanziert werden, die die Arbeitskosten erhöhen. Da der gesetzliche Mindestlohn in die gleiche Richtung wirkt, sind die Erfolge der Arbeitsmarktreformen (Hartz-Reformen), die sich in einem deutlichen Abbau der Arbeitslosigkeit während der vergangenen zehn Jahre niederschlugen, erheblich gefährdet.

Weltwirtschaft: Internationale Konjunktur gewinnt weiter an Fahrt 

Die internationale Konjunktur hat zum Ende des vergangenen Jahres weiter an Fahrt gewonnen. Insbesondere in den entwickelten Volkswirtschaften ist die Produktion rascher gestiegen. In den USA hat sich der Aufschwung bereits seit dem Sommer deutlich verstärkt, auch im Euro-Raum hat sich die im Sommer abzeichnende Belebung fortgesetzt.

Nur die japanische Wirtschaft hat die jüngste Schwächephase nicht nachhaltig überwunden. Die steigende Nachfrage aus den entwickelten Volkswirtschaften macht sich in den Schwellenländern durch steigende Exporte bemerkbar. Die gesamtwirtschaftliche Dynamik dort ist aber immer noch deutlich moderater als vor der Finanzkrise.

Im Prognosezeitraum dürfte die Wirtschaftspolitik dafür sorgen, dass sich die Konjunktur weiter belebt. Die Geldpolitik wird voraussichtlich expansiv ausgerichtet bleiben und der Restriktionsgrad der Finanzpolitik dürfte in den entwickelten Volkswirtschaften allmählich zurückgeführt werden.

Weltwirtschaftlicher Schub kommt vor allem aus fortgeschrittenen Volkswirtschaften

In den fortgeschrittenen Volkswirtschaften werden sich die Auftriebskräfte verstärken. Dies gilt insbesondere für jene, die die Anpassungen nach der Finanzkrise abgeschlossen haben. Dort dürfte infolgedessen die Geldpolitik im Verlauf des Prognosezeitraums gestrafft werden, und dies dürfte nach und nach die gesamtwirtschaftliche Nachfrage wieder dämpfen. Im Euro-Raum dürfte die Erholung von der Staatsschuldenkrise voranschreiten.

Da die eingeleiteten Anpassungsprozesse aber bei weitem noch nicht abgeschlossen sind, dürfte die binnenwirtschaftliche Dynamik in den europäischen Krisenländern verhalten bleiben. In den Schwellenländern wird sich die konjunkturelle Dynamik nur leicht erhöhen. Zwar profitieren diese Länder von der steigenden Nachfrage aus den entwickelten Volkswirtschaften. Dem stehen aber belastende binnenwirtschaftliche Faktoren gegenüber.

Alles in allem dürfte die weltwirtschaftliche Produktion (gewichtet mit den BIP-Anteilen der Länder in Kaufkraftparitäten) in diesem Jahr um 3,4% und im kommenden um 3,7% steigen. Für den internationalen Warenhandel impliziert dies einen Zuwachs von 4,0% (2014) bzw. 5,3% (2015).

(veröffentlicht in „RWI Konjunkturberichte“, Heft 1/2014)

Ihre Ansprechpartner dazu:

Prof. Dr. Roland Döhrn, Tel.: (0201) 81 49-262
Dr. Torsten Schmidt, Tel. (0201) 81 49-287
Katharina Brach (Pressestelle), Tel.: (0201) 81 49-244

Weitere Informationen:

http://www.rwi-essen.de/presse - Vollständige Pressemitteilung auf der RWI-Homepage (inklusive Tabellen und Links zum Gesambericht)
http://www.rwi-essen.de/forschung-und-beratung/wachstum-konjunktur-oeffentliche-... - Weitere Informationen zur RWI-Konjunkturberichterstattung

Katharina Brach | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index tritt auf der Stelle
24.11.2016 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Lemgoer Wissenschaftler wollen smarte Banknote realisieren
08.11.2016 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops