Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rettungspaket: Finanzchefs orten Bumerang-Effekt

05.03.2009
Wirtschaft droht wegen Kapitalspritzen-Abhängigkeit zweite tiefe Rezession

Finanzexperten haben in den Rettungspaketen der Regierungen Gefahren geortet, die die Wirtschaft in den USA und Europa in noch größerem Ausmaß bedrohen als die Auswüchse der aktuellen Finanzkrise.

Aufgrund der zunehmenden Abhängigkeit der Unternehmen sowie der Konjunktur von staatlichen Kapitalspritzen könne der jetzigen Rezession ein zweiter noch tieferer Abschwung folgen. Die Rettungsmaßnahmen würden bei vielen Begünstigten ein Verhalten nach "Hängematten-Prinzip" auslösen und in den Märkten zu wenig greifen.

Aus eigenen Kräften seien die Unternehmen daher nach Überwindung der globalen Krise nicht in der Lage, die gestützten Strukturen aufrecht zu erhalten. Zudem dürften die Mittel der Staaten bei einer weiterhin derart großzügigen Kapitalverteilung nach der Rezession aufgebraucht sein. Zu einer neuerlichen großen Rettungsaktion seien sie daher nicht mehr in der Lage, weshalb ein zweiter Abschwung noch schwerwiegender ausfallen könne als dieser. In den Finanzspritzen der Regierungen stecke damit ein Bumerang-Effekt. Der Wirtschaft sei dadurch lediglich ein Aufschub gewährt.

"Man kann nicht pauschal sagen, dass die Rettungspakete nicht wirken. Gleichzeitig kann man jedoch auch nicht davon ausgehen, dass sie dies tun. Gewiss ist derzeit lediglich eine enorme Unsicherheit", meint Ferdinand Pavel, Projektmanager beim Tochterunternehmen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) DIW Econ, im Gespräch mit pressetext.

Zwischen den Rettungsmaßnahmen zugunsten von Unternehmen und ganzen Branchen wie dem Finanzsektor oder der Autoindustrie sowie den Konjunkturpaketen der Regierungen müsse zwar differenziert werden. Klar sei jedoch, dass dem Staat eine genaue Risikoabschätzung für angeschlagene Unternehmen wie etwa Opel unmöglich sei. "Das haben im Vorfeld auch die Banken mit ihren hoch ausgebildeten Experten nicht geschafft", unterstreicht Pavel. Bei den Konzernen könnten trotz Finanzspritzen Folgekosten entstehen, die derzeit noch nicht abzuschätzen seien.

Wie bzw. nach welchen Kriterien die Verteilung der öffentlichen Gelder erfolgt, sei derzeit zu undurchsichtig. Es sei nicht klar geregelt, welche Konzerne auf Unterstützung hoffen dürfen und welche nicht. "Vermutlich sind es jene, die am lautesten schreien und die meisten bedrohten Arbeitsplätze vermelden können", spekuliert Pavel im pressetext-Gespräch. So befindet sich etwa die angeschlagene Automarke Opel weiterhin in Ungewissheit und wartet auf mögliche Rettungsmaßnahmen. In der Causa hat Bundeskanzlerin Angela Merkel den Konzern als "kein systemrelevantes Unternehmen" bezeichnet. Nach Berechnungen der IG Metall gefährde eine Insolvenz des Hauses hingegen europaweit bis zu 400.000 Arbeitsplätze.

Wie eine Erhebung unter Finanzvorständen aus Europa und den USA der Universität Tilburg und der Duke University aufzeigt, hat die Mehrheit der CFOs kein Vertrauen in die staatlichen Stützungsmaßnahmen für die Wirtschaft. So wird etwa dem 787 Mrd. Dollar teuren Wirtschaftsplan durch Barack Obama nur von 32 Prozent der US-amerikanischen Finanzchefs zugetraut, einen ökonomischen Aufschwung herbeiführen zu können.

65 Prozent der CFOs gehen zudem davon aus, dass die Rezession mindestens bis 2010 dauern wird, 14 Prozent sehen eine Erholung erst 2011. "Dass die Krise weitere 15 Monate anhält, ist absolut im Bereich des Möglichen. Diesbezüglich fischen derzeit alle im Trüben", betont Pavel. 32 Prozent der Finanzvorstände nehmen an, dass die Rettungspläne der Wirtschaft schaden werden.

Manuel Haglmüller | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.diw-econ.de
http://www.tilburguniversity.nl
http://www.duke.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index bleibt aufwärts gerichtet
20.07.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Frühwarninstrument zeigt „grün“ - IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr bleibt gering
19.07.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

Recherche-Reise zum European XFEL und DESY nach Hamburg

24.07.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu Sprachdialogsystemen und Mensch-Maschine-Kommunikation in Saarbrücken

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Lupinen beim Trinken zugeschaut – erstmals 3D-Aufnahmen vom Wassertransport zu Wurzeln

24.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Schreiben mit dem Elektronenstrahl: Jetzt auch Nanostrukturen aus Silber

24.07.2017 | Physik Astronomie