Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ratingagenturen machen einen schwierigen Job

11.11.2013
Warum Manipulation dabei eher unwahrscheinlich ist

Mecklenburg-Vorpommern (MV) ist nicht gerade ein Bankenland. Doch in Rostock, der größten Stadt des nordöstlichen Bundeslandes, erforscht Professor Rafael Weißbach an der dortigen Universität das weltweit wichtige Thema der Kredit-Ratings.


Bild: Prof. Rafael Weißbach erklärt den Zusammenhang von Ratings
(Foto: Edeltraud Altrichter/Uni Rostock)

„Wie aktuell das ist, zeigte auch die kürzliche Debatte der Europäischen Zentralbank über Stress-Tests“, sagt der 42-jährige studierte Mathematiker, der sich bereits 2007 im Fach Ökonometrie habilitiert hat und auch drei Jahre als Portfolio-Manager im Investment Banking praktische Erfahrungen sammelte.

Zu Ratingagenturen befragt, nimmt er diese eher in Schutz: „Sie bekommen gerade in Krisenzeiten viel Gegenwind, wenn sie beispielsweise Unternehmen schnell herabstufen.“ Der Rostocker Wissenschaftler erwartet: „Die Rating-Agenturen müssen ihre Informationen sehr zeitnah zur Verfügung stellen, damit private Anleger informiert sind“.

Auch meint er: „Das wirtschaftliche Interesse einer Rating-Agentur ist ihr Fortbestand. Deshalb glaube ich nicht, dass sie manipulierbar sind. Auch halte ich ihren Einfluss für überschätzt. Letztlich müssen zumindest die großen Banken nach Kriterien der Baseler Aufsicht selbst sagen, wie gut ihr Kunde oder wahrscheinlich seine Insolvenz ist“.

Der Rostocker Wissenschaftler möchte herausfinden, wie solche Wahrscheinlichkeiten geschätzt werden. Er legt wissenschaftlich fundierte Kriterien für Objektivität zugrunde, damit Kunden nicht unter-oder überschätzt werden. Weißbachs mathematischen Berechnungen liefern eine unverzerrte Einschätzung.

In den letzten zwei Jahren hat Rafael Weißbach auch herausgefunden, dass Messfehler in Ratingdaten vorliegen könnten. Aber wichtiger ist ihm, dass der Aufwand die Risiko-Determinanten zu erstellen, nicht einmalig ist, wie bei einer Naturkonstanten. Immer wieder gibt es Strukturbrüche, die das wirtschaftliche Gleichgewicht ändern. Weißbach gibt zur Bedeutung dieser Brüche für Statistiken im November zusammen mit einem Hannoveraner Kollegen einen Band der internationalen Zeitschrift Statistical Papers heraus.

Mit der Forschung zu Ratings zeigen Weißbach und sein Team vom Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Rostock, „dass es sehr wichtig – aber auch sehr anspruchsvoll ist, ehrlich die Datenlage zu berücksichtigen“. Rafael Weißbach hat eine Analyse von etwa weltweit 10 000 Kreditereignissen vorgenommen. „Bei unehrlicher Rechnung kommt eine zu geringe Eigenkapitalanforderung für Banken heraus“, so ein Aufsatz von Weißbach mit einem Promovenden, der in diesen Tagen erscheint. Immerhin, selbst wenn wir zugeben, dass unsere Daten löchrig wie Schweizer Käse sind, kann das Risiko abgeschätzt werden.

Aber auch wenn Modelle wichtig sind, genauso wichtig, so die Erkenntnis aus Rostock ist: „Entscheidungskomplexe von Einzelpersonen dürfen nicht ausufern. Das kann langfristige Konsequenzen für Steuerzahler haben“. Deshalb warnt Weißbach vor monopolistisch aufgebauten Strukturen in Banken und bei Unternehmen. „Die Wirtschaft muss so entzerrt werden, dass jeder sein eigenes Risiko auch verantwortet“.

Gefragt, ob denn überhaupt wissenschaftlicher Rat in Wirtschaft und Politik nachgefragt wird, sagt Weißbach, dass sehr wohl Banken ihn konsultieren und er auch zu einer Sitzung mit dem Mitglied der Europäischen Kommission und Kommissar für Wirtschaft und Währung, Olli Rehn sowie dem Deutschen Ökonomen Jörg Asmussen, der im Direktorium der Europäischen Zentralbank sitzt, nach Berlin eingeladen wurde, immerhin.

Vielen Menschen begegnete erstmals in der Griechenlandkrise der Begriff Rating. Ratings entscheiden mit über die Zukunft eines Unternehmens, eines Währungsraums oder auch eines Landes. Etwa wurde letzte Woche unser Nachbarland Frankreich in seiner Kreditwürdigkeit wiederholt herausgestuft, hat aber immer noch Ratingstufe AA.

Universität Rostock
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Fon +49(0) 381 4428
Mail: rafael.weißbach @uni-rostock.de

Ingrid Rieck | Universität Rostock
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index weiter aufwärts gerichtet
23.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht RWI erhöht Konjunkturprognose für 2017 leicht auf 1,3 Prozent
15.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise