Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Preissteigerung rechtfertigt keine straffere Geldpolitik

09.02.2011
Wachstumsschwäche ist größtes Risiko

Eine straffere Geldpolitik aus Furcht vor steigender Inflation würde derzeit deutlich mehr schaden als nutzen. Auch Warnungen vor angeblich drohenden Zweitrundeneffekten durch höhere Lohnabschlüsse sind nicht gerechtfertigt.

Darauf weist der Wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung, Prof. Dr. Gustav A. Horn, hin. Weder die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) noch die absehbare Lohnentwicklung stellten ein ernsthaftes Risiko für die Geldwertstabilität dar, betont der Ökonom. Auch der starke Anstieg der Staatsverschuldung durch die Finanz- und Wirtschaftskrise erzeuge im Euroraum keinen Inflationsdruck.

Das IMK hatte im November 2010 eine systematische Untersuchung der Inflationsrisiken vorgelegt. Darin kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass die Inflationsgefahr insbesondere in Deutschland deutlich überschätzt wird (Link zur Studie unten). „Daran hat sich nichts geändert“, betont Gustav Horn. Dass die Preise in den vergangenen Monaten wieder schneller steigen als mitten in der Krise, habe nichts mit konjunktureller Überhitzung zu tun oder mit Lohn-Preis-Spiralen, sondern allein mit Preisausschlägen bei Energie, Rohstoffen und Lebensmitteln. „Die Verbraucher ärgern sich natürlich, wenn Benzin oder Gemüse spürbar teurer werden. Aber EZB-Präsident Jean-Claude Trichet setzt die richtigen Prioritäten, wenn er die konjunkturstützende Geldpolitik der EZB fortsetzt“, so Horn. „Schließlich liegt die Preisentwicklung nach wie vor im Rahmen des Akzeptablen. Das Wachstum tut das nicht.“

Der Wirtschaftswissenschaftler verweist darauf, dass in der Eurozone in diesem Jahr lediglich Deutschland mit voraussichtlich 2,5 Prozent ein befriedigendes Wirtschaftswachstum erzielen dürfte. Rechne man die Bundesrepublik heraus, bewege sich die Wirtschaftsentwicklung in der Währungsunion in diesem Jahr mit 0,6 Prozent Zuwachs nahe an der Stagnation. „Höhere Energiepreise belasten die schwache Konjunktur zusätzlich. Höhere Leitzinsen könnten der Erholung im Euroraum den Rest geben, ohne die Preisentwicklung nennenswert zu bremsen“, warnt Horn. „Die Preisbildung an den internationalen Rohstoffmärkten kann die EZB ja höchstens indirekt beeinflussen, die politische Entwicklung im Nahen Osten gar nicht.“ Die EZB würde mit einer weniger expansiven Politik nur die binnenwirtschaftlich bestimmte Preisentwicklung drücken, die, gemessen an der Kernrate ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak, in den vergangenen Monaten im Euroraum bei nur 1,1 Prozent lag; in Deutschland sogar unter 1 Prozent.

Hinzu komme, dass höhere Zinsen die Schuldenlast für die öffentlichen Haushalte drückender werden lassen, warnt das IMK. Das betrifft insbesondere die Krisenländer im Euroraum. Auch der immer noch fragile Bankensektor geriete wieder stärker in Bedrängnis. Erst wenn die Konjunktur im gesamten Euroraum Tritt gefasst habe, wäre ein Zinsschritt angemessen.

Angesichts der aktuellen Lage im Euroraum habe Deutschland ein vitales Interesse, in diesem Jahr eine Rolle als Konjunkturlokomotive zu übernehmen, erklärt IMK-Direktor Horn. Dazu gehöre auch eine stärkere Lohnentwicklung als in den vergangenen Jahren. So erhalte die Nachfrage dringend nötige Impulse, ohne dass das Inflationsziel der EZB verletzt würde.

*Silke Tober, Till van Treeck: Inflation – Die überschätzte Gefahr im Euroraum. IMK Report Nr. 57, November 2010. Download: http://www.boeckler.de/pdf/p_imk_report_57_2010.pdf; PM dazu: http://www.boeckler.de/320_109830.html

Ansprechpartner in der Hans-Böckler-Stiftung

Prof. Dr. Gustav A. Horn
Wissenschaftlicher Direktor IMK
Tel.: 0211-7778-331
E-Mail: Gustav-Horn@boeckler.de
Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211-7778-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

Rainer Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/320_109830.html
http://www.boeckler.de/pdf/p_imk_report_57_2010.pdf

Weitere Berichte zu: EZB Euroraum Geldpolitik IMK Lohnentwicklung Preisentwicklung Preissteigerung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Rezessionsgefahr nahe null - IMK-Indikator: Deutsche Wirtschaft auf dem Weg in die Hochkonjunktur
16.01.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Mit Schwung ins neue Jahr
28.12.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Im Focus: Wie Metallstrukturen effektiv helfen, Knochen zu heilen

Forscher schaffen neue Generation von Knochenimplantaten

Wissenschaftler am Julius Wolff Institut, dem Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien und dem Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

Tagung „Elektronikkühlung - Wärmemanagement“ vom 06. - 07.03.2018 in Essen

11.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal mit neuem Onlineauftritt - Lösungskompetenz für alle IT-Szenarien

16.01.2018 | Unternehmensmeldung

Die „dunkle“ Seite der Spin-Physik

16.01.2018 | Physik Astronomie

Wetteranomalien verstärken Meereisschwund

16.01.2018 | Geowissenschaften