Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Online-Service - Tarifliche Lohnstrukturanalyse: Große Unterschiede zwischen Branchen und Regionen

11.04.2014

Online-Service des WSI-Tarifarchivs

Es gibt nicht „den“ Tarifvertrag in Deutschland: Die Tarifvertragslandschaft und die tariflichen Vergütungsstrukturen weisen nach wie vor sehr große Unterschiede auf.

Die Differenzierung nach Branchen, Regionen, Beschäftigtengruppen, Zahl der Vergütungsgruppen und schließlich Höhe und Abstufung der Tarifvergütung spiegelt die unterschiedlichen tarifpolitischen Traditionen wider und zeigt die Fähigkeit der Tarifparteien, die konkreten Bedingungen in den Wirtschaftszweigen kollektivvertraglich zu regeln, erklärt Dr. Reinhard Bispinck, Leiter des WSI-Tarifarchivs.

„Diese Vielfalt wird durch einen einheitlichen gesetzlichen Mindestlohn abgesichert, weil er extremes Dumping verhindert. Oberhalb des Grenzwertes gibt es einen großen Spielraum für tarifvertragliche Gestaltung“, sagt der Wissenschaftler.

Das zeigt auch eine Dokumentation der tariflichen Vergütungstabellen für über 30 Branchen. Das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung hat sie jetzt auf seiner Internetseite http://www.tarifvertrag.de online verfügbar gemacht.

Bundesweite oder regionale Verträge:
Bundesweit einheitliche Branchentarifverträge sind die Ausnahme. Sie bestehen z. B. im Bankgewerbe oder im Versicherungsgewerbe und enthalten jeweils auch nur eine einzige Vergütungstabelle.

Tarifverträge, die (lediglich) zwischen West- und Ostdeutschland differenzieren, bestehen beispielweise im Bauhauptgewerbe, wo allerdings zusätzlich für Berlin ein gesonderter Tarifvertrag existiert.

Überwiegend gibt es in den Branchen jeweils gesonderte Tarifverträge für die Bundesländer bzw. verschiedene Regionen, die auch Unterschiede bei Lohn und Gehalt aufweisen. In der Metallindustrie bestehen 21 regionale Tarifgebiete, im Hotel- und Gaststättengewerbe 18, im Einzelhandel 16, im privaten Transport- und Verkehrsgewerbe 16, in der Papier verarbeitenden Industrie 12 und in der Süßwarenindustrie 9 Tarifgebiete.

Beschäftigtengruppen:
Der Trend in der Tarifpolitik geht zu einheitlichen Entgelttarifverträgen für alle Beschäftigten, z. B. in der chemischen Industrie, in der Metallindustrie, im Hotel- und Gaststättengewerbe oder auch im öffentlichen Dienst. In einer Reihe von Branchen bestehen aber noch getrennte Lohntarifverträge für ArbeiterInnen und Gehaltstarifverträge für die Angestellten, z.B. in der Eisen- und Stahlindustrie, der Druckindustrie, der Textilindustrie, im Bauhauptgewerbe, im Einzel- sowie im Groß- und Außenhandel.

Zahl der Vergütungsgruppen:
Die Vergütungsgruppen werden zumeist nach den Tätigkeitsanforderungen differenziert. Hier ist die Spannweite entsprechend dem unterschiedlichen Tätigkeitsspektrum in den einzelnen Branchen besonders groß: Im Maler- und Lackiererhandwerk sehen die regionalen Lohntarifverträge häufig nur 3 oder 4 Lohngruppen vor, im Kfz-Gewerbe sind es zwischen 4 und 7, in der Eisen- und Stahlindustrie sind es 7 bis 10. Größer wird die Zahl der Vergütungsgruppen in Branchen mit einheitlichen Entgelttarifverträgen: In der chemischen Industrie sieht der Entgelttarifvertrag 13 Gruppen vor, im öffentlichen Dienst sind es 15 Vergütungsgruppen, in der Metall- und Elektroindustrie sind es regional unterschiedlich bis zu 17 Gruppen, im Bewachungsgewerbe sogar bis zu 27 Gruppen. Die einzelnen Vergütungsgruppen selbst sehen häufig weitere Abstufungen in Abhängigkeit von der Tätigkeitsdauer vor.

Vergütungshöhe und -differenzierung:
Höhe und Differenzierung der Vergütungen zwischen und innerhalb der Branchen fallen unterschiedlich aus: Die Spannweite der tariflichen Grundvergütungen zwischen den Branchen ist groß. Die vergleichbare mittlere Vergütungsgruppe, als Einstiegsgruppe für gelernte Fachkräfte mit mindestens dreijähriger Ausbildung reicht etwa von 1.493 € im sächsischen Hotel- und Gaststättengewerbe bis zu 2.804 € in der Metallindustrie Baden-Württemberg.

Die Differenzierung innerhalb der Branchen weist ebenfalls eine große Spannweite auf:
Eine geringe Lohnspreizung besteht etwa in der Textilindustrie Westfalen und Os-nabrück: Die Lohntabelle startet mit der niedrigsten Gruppe bei 1.873 €. Die höchste Lohngruppe erreicht mit 2.195 € lediglich 322 € mehr. Das entspricht einer Gesamtspannweite von 117 Prozent. Bei den Gehältern fällt die Spannweite mit rund 240 Prozent (1.861 bis 4.477 €) deutlich größer aus.

Im Bankgewerbe reichen die Tarifgehälter von 2.035 bis 4.495 €, die oberste Gruppe liegt bei 221 Prozent der untersten.

In der Energiewirtschaft NRW beträgt die Gesamtspannweite dagegen 375 Prozent: die niedrigste Entgeltgruppe liegt bei 1.561 €, das höchste Entgelt bei 5.855 €.

Auch innerhalb der Branchen besteht häufig eine gewisse regionale Differenzierung: Die mittlere Entgeltgruppe in den regionalen Tarifverträgen der Metallindustrie bewegt sich zwischen 2.444 € und 2.804 €.

Ansprechpartner in der Hans-Böckler-Stiftung

Dr. Reinhard Bispinck
Leiter des WSI-Tarifarchivs
Tel.: 0211-7778-232
E-Mail: Reinhard-Bispinck@boeckler.de

Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211-7778-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

Weitere Informationen:

http://www.boeckler.de/wsi-tarifarchiv_4829.htm - Online-Service: Tarifliche Lohn-, Gehalts- und Entgelttabellen 2013 - Wie viele tarifliche Vergütungsgruppen gibt es in den einzelnen Branchen und Tarifgebieten und wie hoch fallen die Löhne, Gehälter und Entgelte aus? Detaillierte Informationen zu den tariflichen Grundvergütungen (ohne Zulagen, Zuschläge und Sonderzahlungen) für 33 Wirtschaftszweige

Rainer Jung | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht WSI-Tarifarchiv: Tariflöhne und -gehälter 2016: Reale Steigerungen von 1,9 Prozent
05.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Trotz leichtem Rückgang positiver Ausblick auf 2017
29.12.2016 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

16.01.2017 | Architektur Bauwesen

Herzforschung - Neue Katheterklappe in Tübingen entwickelt

16.01.2017 | Medizintechnik