Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

OECD sieht Armut auf dem Vormarsch

21.10.2008
Schere zwischen Arm und Reich klafft weiter auf

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat heute, Dienstag, die Studie "Growing Unequal?" vorgestellt. Sie gelangt zur Erkenntnis, dass das ökonomische Wachstum von Mitte der 1980er-Jahre bis Mitte dieses Jahrzehnts den Reichen mehr genutzt hat als den Armen.

Die Einkommensschere geht in einigen Ländern immer weiter auf, in Deutschland insbesondere seit dem Jahr 2000. Die Armut ist auf dem Vormarsch, wobei gerade junge Menschen und Kinder überdurchschnittlich stark betroffen sind. "Wachsende Ungleichheit spaltet. Sie polarisiert Gesellschaften, spaltet Regionen innerhalb von Ländern und teilt die Welt zwischen Reich und Arm", warnt OECD-Generalsekretär Angel Gurría.

Ein wesentlicher Faktor für die zunehmende Ungleichheit in den 30 OECD-Staaten ist der OECD zufolge eine veränderte Situation am Arbeitsmarkt. "Wenig qualifizierte Arbeitskräfte haben immer größere Probleme, Jobs zu finden", so Gurría. Gerade Deutschland ist hier besonders betroffen. 19 Prozent der Haushalte stehen laut OECD ohne Erwerbseinkommen da, was den höchsten Wert innerhalb der OECD darstellt. "Eine höhere Beschäftigung ist der beste Weg, die Armut zu reduzieren", meint der OECD-Generalsekretär. Bessere Bildung ist der OECD zufolge ebenfalls ein wichtiges Mittel, um Wachstum zu erzielen, das allen zugute kommt. Auch arbeitsbegleitende Zusatzleistungen könnten Familien helfen.

Insgesamt gelten nach OECD-Definition (Personen mit weniger als 50 Prozent des nationalen mittleren Einkommens) mittlerweile elf Prozent der Deutschen als arm, gegenüber sechs Prozent noch Mitte der 1980er. Damit liegt die Bundesrepublik inzwischen über dem OECD-Mittel (10,6 Prozent, plus 1,3 Prozent im Vergleichszeitraum). Die meisten Armen unter den OECD-Ländern haben Mexiko (17 Prozent) sowie die Türkei und die USA (je rund 15 Prozent). Am besten stehen Dänemark und Schweden mit knapp über fünf Prozent da, gefolgt von der Tschechischen Republik und Österreich. Rund 8,9 mal höher ist das Einkommen der reichsten zehn Prozent der Bevölkerung im Vergleich zu den ärmsten zehn Prozent im OECD-Mittel. Doch nicht nur die Schere zwischen Arm und Reich geht auseinander. In einigen Ländern tut sich auch eine verstärkte Kluft zwischen den Reichen und dem Mittelstand auf, so die OECD-Studie. Betroffen sind davon neben Deutschland unter anderem auch Finnland, Italien, Kanada und Norwegen.

Verändert hat sich der Studie zufolge auch, wie stark verschiedene Altersschichten von Armut betroffen sind. OECD-weit ist die Armutsrate in den älteren Bevölkerungsschichten (ab 65 Jahren) seit Mitte der 1980er zurückgegangen, während junge Erwachsene (bis 25 Jahre) und Familien mit Kindern stärker betroffen sind. Im Jahr 2005 lebte im Mittel jedes achte Kind in OECD-Ländern in Armut. In Deutschland lag die Armutsrate bei Kindern mit 16 Prozent sogar noch höher. Die Armutsrate bei älteren Menschen blieb in Deutschland im Gegensatz zum OECD-Mittel zwar stabil, liegt aber für die Gruppe der 66- bis 74-Jährigen mit etwa sieben Prozent mittlerweile deutlich unter dem Bundesschnitt.

Thomas Pichler | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.oecd.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index bleibt aufwärts gerichtet
20.07.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Frühwarninstrument zeigt „grün“ - IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr bleibt gering
19.07.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten